Claus Thomasberger
31 Seiten · 7,75 EUR
(Juni 2011)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Im dritten Grundlagen-Beitrag wird von Claus Thomasberger das Verhältnis zwischen Ideen und Gesellschaft hinterfragt. Anfang des 20. Jahrhunderts waren sich so unterschiedliche Denker wie Antonio Gramsci, Walter Lippmann und Ludwig Mises einig, dass die Gesellschaft ein Produkt der Ideologie sei (und nicht die Ideologie ein Produkt der Gesellschaft). Die Unabhängigkeit des Bewusstseins vom Sein wurde laut Thomasberger von den neoliberalen Denkern als Herausforderung begriffen, ? mit der Schlussfolgerung, dass der ökonomische Liberalismus nur wiederbelebt werden kann, wenn er es sich zur Aufgabe macht das Gesellschaftsbewusstsein (die Ideologien) aktiv zu formen, d.h. die öffentliche Meinung im Sinne der liberalen Ideen zu beeinflussen, ? die Grundlage des neoliberalen Propaganda-Projekts. Das bedeutet aber auch, dass sich die vordergründige Objektivität der wirtschaftsliberalen Weltsicht als Schein erweist. Anstatt nun die Frage nach einem neuen (Denk-)Konstrukt zu stellen, sollte nach Thomasberger diskutiert werden, welche Vorstellungen und Ideale verwirklicht werden können und welche nicht. Dies würde auch eine Neudefinition der Aufgabe der Sozialwissenschaften bedeuten, hin zu einer 'demokratischen Sozialwissenschaft', deren Aufgaben Karl Polanyi schon vor vielen Jahren vorweggenommen hat.