Heinz-Dieter Hardes
24 Seiten · 5,38 EUR
(Juli 2008)
Aus der Einleitung:
Der Europäische Rat (ER) hat zu Anfang des 21. Jahrhunderts eine visionäre Strategie für eine wachstumsorientierte Beschäftigungspolitik formuliert: Die EU sollte sich bis zum Jahr 2010 zu einem „Wirtschaftsraum mit höchster Wettbewerbsfähigkeit“ und einem „wissensbasierten nachhaltigen Wirtschaftswachstum mit höherer Beschäftigung und größerer sozialer Kohäsion“ entwickeln. Das Flexicurity-Konzept bildet einen wesentlichen Teilaspekt der Lissabon-Strategie, besonders hervorgehoben in den beschäftigungspolitischen Leitlinien der Kommission für den Zeitraum 2005/2008.1 Der Begriff der Flexicurity mag zunächst als eine künstliche Konstruktion eines Doppelbegriffs gedeutet werden, der zwei konfliktartige Ziele der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik verbindet, Flexibilität der Arbeitsbeziehungen und -märkte einerseits und Sicherheit von Beschäftigung und Erwerbseinkommen andererseits.
Vielen mag die Wortbildung daher als künstlich oder als ein PR-Gag erscheinen, weil hier manifeste Konfliktinteressen der Arbeitgeber bzw. -nehmer kurzerhand zu einer neuen begrifflichen Kombination umformuliert werden. Im Rahmen dieses Beitrags soll näher untersucht werden, welche konzeptionellen Vorstellungen einer Beschäftigungspolitik in EU-Europa von Seiten der Kommission und einiger wissenschaftlicher Vertreter mit dem neuen Begriff verbunden sind und welche Folgerungen für die Arbeitsmärkte der EU-Mitgliedsländer damit verknüpft werden.