Kurt W. Rothschild
11 Seiten · 2,50 EUR
(November 2008)
Aus der Einleitung:
Die Grandiosität des Keynes’schen makroökonomischen Konzepts erklärt, warum unter der Vielfalt ökonomischer Theorien der Gegensatz Neoklassik/Keynes eine prominente Rolle spielt. Aber keynesianische Theorie und Keynesianer befinden sich heute auch in einer breiten Front „heterodoxer“ Theorien (institutionelle, feministische, evolutorische, behavioural etc.), die gemeinsam gegen einen neoklassisch geprägten Mainstream auftreten. Diese deutliche Abgrenzung scheint dem Bild eines Nebeneinander verschiedener und verschiedenen Perspektiven dienenden Theorien zu widersprechen. Aber dieser Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Weder besteht der heterodoxe Block aus völlig übereinstimmenden und konfliktfreien Modellen, noch gehören neoklassische Ansätze zu einer Sonderklasse, die einen exklusiven Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben kann oder aus dem Kreis „zulässiger“ Theorien ausgeschlossen gehört. Die Konfrontation Heterodoxie kontra Mainstream bezieht ihre Existenz und ihre Berechtigung vielmehr aus dem gegenwärtigen Zustand des Wissenschaftsregimes im ökonomischen Bereich, das durch eine unübersehbare Bevorzugung und Förderung eines Mainstreams neoklassischer Prägung an Universitäten, Forschungsinstituten und staatlichen und internationalen Wirtschaftsorganisationen charakterisiert ist. Konzentration auf diese Richtung wird im Studium gefördert und spielt eine entscheidende Rolle für Beruf und Karriere. Von dieser Schieflage sind alle nicht-neoklassischen und kritischen Richtungen betroffen, was die Herausbildung der Heterodoxie-Terminologie und der Heterodoxie-Bewegung erklärt.