Ulla Knapp
24 Seiten · 4,62 EUR
(November 2008)
Aus der Einleitung:
Traut man der öffentlichen Meinung, so haben Frauen in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte viel erreicht. Über 60 % der im Rahmen des Projekts ‚Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit‘ von Heitmeyer u. a. befragten knapp 2.700 Personen waren 2003 der Meinung, dass in Deutschland die Gleichstellung von Frau und Mann realisiert ist. Im Bildungswesen setzen sie dazu an, die Männer nicht nur ein-, sondern auch zu überholen. Die Frauenerwerbsquote steigt (mit kleineren Schönheitsfehlern in den oberen Rängen), und die geschlechtsspezifische Lohnspanne ist kleiner geworden. Auch die politischen Widerstände scheinen gebrochen: Heute präsentiert sich selbst die CDU – der älteren Generation noch als Hort reaktionärer Familienpolitik à la Würmeling in Erinnerung – als Verfechterin außerhäuslicher Betreuung von Klein- und Kleinstkindern ebenso wie der Integration von Männern in die Hausarbeit. Lafontaines Gattin scheint die letzte und einzige zu sein, die sich noch mit der Institution ‚Hausfrauenehe‘ profilieren mag.
Hält dieses Bild eines zögerlichen, aber unaufhaltsamen Fortschritts einem zweiten Blick stand? Im Folgenden gebe ich einen Überblick darüber, wie sich die Arbeitsmarktposition von Frauen in der BRD langfristig entwickelt hat (Kap. 1). Als Indikatoren werden Qualifikation (in Bildungsjahren) (Kap. 1.1) und Erwerbsintegration (Kap. 1.2) von Frauen sowie die geschlechtsspezifische Lohnspanne (Kap. 1.3) gewählt. In Kap. 2 werden einige gleichstellungspolitische Schlussfolgerungen gezogen und es wird die Notwendigkeit einer Koordinierung von Gleichstellungs- und Beschäftigungspolitik begründet.