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Tuesday, December 12, 2017
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Arbeitszeit gestalten

Wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis

248 pages ·  19.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1236-0 (September 2017 )

 
lieferbar in stock
 

Die Debatte um die Arbeitszeitgestaltung ist wieder aufgeflammt. Globalisierung, Digitalisierung, Arbeit 4.0 sind die Entwicklungen, die die Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeit beeinflussen und verändern. Noch mehr Mobilität und Flexibilität werden für die Zukunft gefordert. Die Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeit ist eine anspruchsvolle, oft konfliktträchtige Aufgabe; zum einen, weil sie die Existenzsicherung und die Wahrnehmung außerberuflicher Lebensbereiche berührt; zum anderen, weil nicht nur unterschiedliche Interessen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten bestehen, sondern auch innerhalb der Gruppen Interessenlagen divergieren. Im Zuge der Debatte zur Flexibilisierung wird der Arbeits- und Gesundheitsschutzgesetzgebung vorgeworfen, sie passe nicht mehr in die heutige Arbeitswelt. Schutzregelungen (z.B. Höchstarbeitszeiten, Ruhezeiten) werden zur Disposition gestellt. Die Gesundheit der Erwerbstätigen bei der Arbeit physisch, psychisch und sozial zu schützen, erfordert auch zukünftig staatliches und gesetzgeberisches Handeln, indem Schutzziele und -standards, Verfahren und ggf. Maßnahmen fortgeschrieben werden. Auch zukünftig wird man auf arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse nicht verzichten wollen und können. In der gegenwärtigen Situation stellt sich die Frage, welche arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse sich verdichtet haben, die auch für zukünftige Arbeitszeitgestaltungen in die Betrachtung einbezogen werden sollten. Dazu leistet die vorliegende Veröffentlichung einen Beitrag: Zum Thema ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen grundlegende Erkenntnisse einerseits zu verschiedenen Aspekten der Arbeitszeit vor, wie Höchstarbeitszeiten, Umfang, Lage und Verteilung von Arbeitszeiten, Pausen und Erholzeiten, Ruhezeiten, Wegezeiten etc., andererseits aber auch zum Zusammenhang von Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung sowie zur juristischen Bewertung und Ausgestaltung von Arbeitszeitgestaltungen. Die Beiträge sind für die Praxis geschrieben, das heißt, die Veröffentlichung wendet sich an alle Beschäftigten sowie an alle Akteure, die in den Betrieben aber auch überbetrieblich mit der Arbeitszeitgestaltung befaßt sind, sowie sonstige Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutzsystem.

Anke Siefer und Frank Brenscheidt
Arbeitszeiten in Deutschland - Struktur und Entwicklungstendenzen

Manuela Maschke
Arbeiten 4.0 - Positionen zum Reformbedarf

Wolfhard Kohte
Rechtliche Voraussetzungen zur Regulierung von Arbeitszeit

Britta Schmitt-Howe
Gefährdungsbeurteilung und Arbeitszeit

Eva Aich
Integration der Arbeitszeit in die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz

Eva Aich
Arbeitszeitdokumentation

Renate Rau
Zum Stellenwert von Erholung in der Welt der "Arbeit 4.0"

Johannes Wendsche und Andrea Lohmann-Haislah
Arbeitspausen

Andrea Lohmann-Haislah und Johannes Wendsche
Einfach mal Abschalten

Friedhelm Nachreiner
Dauer der Arbeitszeit

Friedhelm Nachreiner
Lage der Arbeitszeit - Schichtarbeit und andere unübliche Arbeitszeiten

Elke Ahlers
Flexibles, selbstbestimmtes, ergebnisorientiertes Arbeiten: Chancen und Risiken

Nadine Absenger
Arbeit auf Abruf

Yvonne Lott
Flexibilität und Autonomie in der Arbeitszeit: Gut für die Work-Life Balance?

Hartmut Seifert
Arbeitszeitkonten - Regulierte Flexibilität durch kollektive und individuelle Vereinbarungen

Susanne Gerstenberg, Antje Ducki und Eva Aich
Mobile Arbeit und pendeln

Christine Gerber und Martin Krzywdzinski
Schöne neue Arbeitswelt? Arbeitsbedingungen in der Crowd

Wolfram Breger
Erweiterte Erreichbarkeit: neue Potenziale außerhalb der Arbeitszeit

Michael Fischer
Arbeitszeitfragen in beschleunigten Zeiten

PS, 27.10.2017 ()

"Gegen den digitalen Terror

Der nächste Sammelband, in dem es um die rasant zunehmende Zerstücklung unserer Lebenszeit im Zuge fortschreitender Digitalisierung geht, versammelt Fachleute aus dem engeren Bereich von Arbeitsrecht, Arbeitschutz und Arbeitsmedizin. Sie wollen hier ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Praxis nutzbar machen. Das im Titel deklarierte Ziel: "Arbeitszeit gestalten". Die ersten Beiträge wirken fast zu konkret, zu technokratisch, und die vielen Details stammen aus Deutschland. Aber sind Gesundheitsgefährdungen hierzulande geringer, die Entwicklungstendenzen anders? Es sind alarmierende Befunde. Vermutlich stehen wir in der Schweiz, was den rechtlichen Rahmen oder Mitbestimmung betrifft, deutlich schlechter da. Was während Jahrzehnten erkämpft wurde, erodiert. Wer wehrt sich für die Ruhezeiten? Gewerkschaften befinden sich in der Defensive, selbst Beschäftigte wollen mehr Flexibilisierung. Die klassische Anstellung mit klaren Regeln scheint zum Auslaufmodell, die "Arbeit auf Abruf" zum Normalfall zu werden. Arbeitszeit wird ausgeweitet und in den Privatbereich verschoben. Die ständige Erreichbarkeit empfinden heute viele als normal, den Stress als persönliches Problem.

Aber es geht um grundlegende Veränderungen. "Zeit ist nicht vermehrbar." Erwerbsarbeit bestimmt durch "Umfang und Lage der Arbeitszeit" zugleich andere Lebensbereiche "wie Schlaf und Erholung, Familienleben, Freizeit, Kontakt mit Freunden sowie Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben." Friedhelm Nachreiner beschreibt den "sich selbst aufschaukelnden Prozess" einer Zeitmobilität, die nicht selten auch "zu sozialer Isolierung" führt. Dies dürfe in einer Demokratie nicht gleichgültig hingenommen werden. Nach den dazu vorliegenden Forschungsergebnissen sei die gesetzlich mögliche Höchstarbeitszeit "eindeutig nicht mehr risikofrei." Schon durch Schichtarbeit, Arbeit am Abend oder an Wochenenden wird Eigenleben eingeschränkt, nehmen gesundheitliche Beeinträchtigungen und Unfälle zu. Jüngere sehen den Abbau von Regelungen eher als Befreiung, während "ältere Mitarbeiter erfahrungsbedingt häufig einsichtiger" sind.

Am spannendsten ist der Schlussteil, wo es etwa um mobile Arbeit "in der Crowd" geht. Da wird gezeigt, dass Arbeitsschutzbestimmungen kaum mehr greifen, von den Unternehmen unterlaufen, politisch nicht durchgesetzt werden. Die globalisierten Geschäftsprozesse, "die Kunden", auch "Bedürfnisse der Beschäftigen nach selbstbestimmter Zeitgestaltung", ja "die IT-Techniken selbst" liessen die geltenden Regeln als nicht praktikabel erscheinen, fasst Wolfram Berger die Argumente der "Arbeitgeber und Personalmanager" zusammen. Es gebe wohl keine andere "gesellschaftlich anerkannte Berufsgruppe, die so offen gegen bestehende Gesetze polemisiert" und "sogar zugibt, dass sie diese zumindest punktuell ignoriert." Das soll nun neoliberal "legalisiert" werden. Dem ist nur mit einem alternativen Modell, einem grundsätzlich "anderen Arbeits- und Zeitbegriff" erfolgreich zu begegnen. Die wirtschaftliche wie technische Entwicklung erlaubte längst jene geschlechter- und auch sonst gerechtere "Teilzeitarbeit für alle", die Frigga Haug vor Jahren skizziert hat. Doch da geht es dann um Macht, wie Michael Fischer festhält, und der Streit um die zukünftige Arbeitszeitpolitik führt zur Frage, "wie wir leben wollen."




the author
Regine Romahn
Diplom-Sozialwissenschaftlerin (Ruhr-Universität-Bochum), langjährig tätig in der angewandten Sozialforschung, u.a. in mehreren Schichtarbeitsprojekten; Fachreferentin für Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der ÖTV BV Stuttgart; langjährig tätig als Beraterin bei der Technologieberatungsstelle (TBS) NRW e.V. im Geschäftsfeld Arbeit und Gesundheit; ebenfalls langjährig tätig als Beauftragte für ÖTV/Ver.di im Vorstand der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und für die TBS in der Initiative Gesunde Arbeitswelt im Münsterland (INGA).
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  • "wie wir leben wollen." ...
    PS, 27.10.2017 more...
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