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Monday, June 26, 2017
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Bewahrung und Entwicklung
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Bewahrung und Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung als dialektische Figur

18 pages · 2.88 EUR
(December 2011)

 
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Aus der Einleitung:

Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, vor 20 Jahren in Rio de Janeiro von den Vereinten Nationen als globale Antwort auf die politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verabschiedet, wirft trotz seiner wachsenden Popularität immer noch Fragen auf. Was genau eigentlich damit gemeint ist, ist vielen Menschen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft unklar. Obgleich der Begriff in den Dokumenten von Rio ausführlich erklärt ist, fehlt Kritikern des Konzepts eine griffige und präzise Definition, mit deren Hilfe sich nachhaltige Handlungen eindeutig von nicht-nachhaltigen unterscheiden lassen. Im politischen und medialen Sprachgebrauch wird der Begriff zunehmend in einer als inflationär erlebten Bedeutungsvielfalt verwendet, die ihn Skeptikern als inhaltsleer erscheinen lassen.

Das verbreitete Unbehagen an der Unschärfe der Definition bildet den Ausgangspunkt der in diesem Beitrag dargestellten Überlegungen. Ich möchte zum einen zeigen, dass der Begriff, trotz seiner Offenheit, alles andere als inhaltleer ist: Das Ideal einer nachhaltigen Entwicklung beinhaltet nicht weniger als die Vision, das Leben aller Menschen auf diesem Planeten heute und in Zukunft unter Berücksichtigung der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen zu verbessern. Mit diesem Anspruch verbindet das Konzept zwei auf den ersten Blick unvereinbare Ziele: das der Bewahrung und das der Entwicklung. Bewahrt werden sollen die natürlichen Bedingungen, die ein gedeihliches Leben von Menschen ermöglichen, entwickelt werden sollen die Potentiale der Menschlichkeit, die in jedem Menschen, über seine bloße biologische Existenz hinaus, angelegt sind. Von dieser Begriffsbestimmung ausgehend möchte ich zum anderen argumentieren, dass eine inhaltliche Offenheit des Konzepts nachhaltiger Entwicklung nicht nur unvermeidbar, sondern sogar wünschenswert ist. Denn was genau ein "besseres Leben" ausmacht, kann nicht definitorisch festgelegt werden, sondern muss in einem gesellschaftlichen Prozess von allen Beteiligten mit bestimmt und gegebenenfalls auch revidiert werden können. Insofern möchte ich die immer wieder kritisch konstatierte Unterbestimmtheit des Nachhaltigkeitskonzepts nicht als Schwäche, sondern als eine Stärke des Konzepts interpretieren.

Die inhaltliche Offenheit des Begriffs bedeutet nach diesem Verständnis keineswegs Beliebigkeit, sondern ist ein Indiz dafür, dass der Begriff der nachhaltigen Entwicklung Dimensionen hat, die sich nicht per definitionem klären lassen. Diese Dimensionen sind ethischer Natur. Um eine inhaltlich anspruchsvolle, gleichzeitig aber im Detail offene Bestimmung des Nachhaltigkeitskonzepts zu entwerfen, werde ich zunächst kurz darauf eingehen, was das Attribut „nachhaltig“ bedeutet und dafür plädieren, es im Nachhaltigkeitsdiskurs konsequent auf das Leitbild globaler Entwicklung zu beziehen (1). Ich werde danach skizzieren, wie das Ideal einer nachhaltigen Entwicklung zwischen Umweltschutz- und Entwicklungszielen vermittelt (2). Danach widme ich mich der Frage nach den ethischen Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung (3). Abschließend komme ich auf das Fehlen einer eindeutigen Definition von Nachhaltigkeit zurück und begründe, warum darin keine konzeptionelle Schwäche zu sehen ist, sondern vielmehr eine unumgängliche Folge des normativen Charakters des Begriffs.


quotable essay from ...
Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung!
Studierendeninitiative Greening the University e.V., Tübingen (Hg.):
Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung!
the author
Uta Eser
Biologin und Umweltethikerin, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Forschung im Grenzgebiet zwischen Ökologie, Politik und Ethik. Aktuelle Arbeitsgebiete: Biologische Vielfalt, Kommunikation und Bildung für nachhaltige Entwicklung.