Ursula Holtgrewe und Johanna Hofbauer
20 Seiten · 4,72 EUR
(April 2011)
Aus der Einleitung der Herausgeberin:
Ursula Holtgrewe und Johanna Hofbauer setzen sich mit neueren Diagnosen der Arbeits- und Industriesoziologie im Dialog mit der Geschlechterforschung auseinander. Eine stärkere Verbindung zwischen Arbeits- und Organisations- wie auch Geschlechterforschung wurde zwar immer wieder gefordert und in den letzten Jahren in verschiedenen Veröffentlichungen und Dialogen auch versucht. Im Ergebnis dieser Debatten fielen aber wesentliche Einsichten aus beiden Traditionen vielfach der Form "institutionellen Vergessens" zum Opfer, die Günter Ortmann (für die Rationalisierungsdebatten der Industriesoziologie) mit dem Muster der "Dark Stars" beschrieben hat.
Man habe sich dort wie hier immer wieder auf Makroprozesse konzentriert und die Kontexte, Kontextuierungen und inhärenten Paradoxien solcher Prozesse ausgeblendet. Analog hat sich in Beiträgen und Dialogen zwischen Industriesoziologie und Geschlechterforschung in den letzten Jahren ein Quasi-Konsens um Konzepte der "Entgrenzung", "De-Institutionalisierung", "Vermarktlichung" oder "Individualisierung" entwickelt, der in ähnlicher Weise die kontextspezifischen Wechselwirkungen zwischen Arbeit, Organisation und Geschlecht außer Acht lässt. Am Beispiel neuerer Befunde aus der Dienstleistungsforschung verdeutlichen die Autorinnen, dass eine relationale Perspektive zur Überwindung dieser Verkürzungen beitragen kann. Sie ermöglicht und erfordert es, systematisch die Bezüge und Wechselwirkungen zwischen organisationalen Strategien, institutionellen Arrangements, Arbeitsanforderungen und Konsum- und Lebensführungspraxen zu berücksichtigen, die alle miteinander in Geschlechterverhältnisse und -beziehungen eingebettet sind.