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Tuesday, September 26, 2017
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Das Geld im ökonomischen Denken des Merkantilismus

Personenregister

250 pages ·  38.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1152-3 (September 2015 )

 
 
Die Geschichte des ökonomischen Denkens ist ein Forschungsbereich im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitgehend vernachlässigt wird - zu Unrecht, denn die Kenntnis der ökonomischen Denkgeschichte ist für das Verständnis heutiger Methoden und Resultate der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung unentbehrlich. Eine Analyse ist vor allem bei solchen ökonomischen Lehrmeinungen notwendig, die von ihrem historischen Kontext abstrahiert wurden und daher eine verzerrte Beurteilung erfahren haben. Jede ökonomische Theoriebildung ist in ihrer Intention und in ihrer Thematik auf realgeschichtliche Phänomene bezogen, die jene Fragen aufwerfen, mit denen sich das ökonomische Denken einer Zeit auseinandersetzt. Auch das ökonomische Denken des Merkantilismus greift die in der Realität entstandenen Problemlagen auf und findet seinen Ursprung in den realgeschichtlichen Zusammenhängen jener Epoche. Im Mittelpunkt des merkantilistischen Denkens steht die Auseinandersetzung mit geldtheoretischen Fragen. Dabei wird bereits eine umfassende Geldlehre entwickelt, die eine Darstellung der ökonomischen Wirklichkeit ihrer Zeit gibt und die sich in einzelnen Elementen in der modernen ökonomischen Theoriebildung erhalten hat. Ihre Analyse zeigt, dass die gesamte merkantilistische Geldlehre mit Rücksicht auf den historischen Gesamtzusammenhang formuliert wird und sich an Fragestellungen orientiert, die von der Realität aufgegeben werden: Die merkantilistische Epoche zeichnet sich durch die Entstehung und Konsolidierung der modernen souveränen Staaten aus - die ökonomischen Schriften des Merkantilismus sind auf die machtpolitischen Bedürfnisse des neu entstandenen Staates und auf das Ziel der staatlichen Machtentfaltung ausgerichtet. Ihre Verfasser - unter ihnen Jean Bodin, John Locke und Ferdinando Galiani - stellen die ökonomische Theoriebildung in den Dienst des Staates, und auch ihre Untersuchungen zum Geld werden grundsätzlich mit dem machtpolitischen Aspekt der staatenbildenden Epoche verbunden. In letzter Konsequenz muss ihnen dabei die Begründung der geldtheoretischen Analyse zugesprochen werden.
Archiv für Sozialgeschichte ()

"Die Beschäftigung mit der Geschichte ökonomischer Theorien ist selten geworden. Diese Entwicklung betrifft besonders eine Richtung wie den Merkantilismus, der schon früh durch die abwertenden Äußerungen von Adam Smith in das Licht einer unzureichenden und fehlgehenden Schule geraten ist. Es ist das Anliegen von Wilga Föste, dem durch eine detaillierte Analyse ausgewählter Autoren eine andere Position entgegenzusetzen. Dabei konzentriert sie sich auf die Geldtheorie, die den Kern des Merkantilismus darstellt. Zunächst wird der Rahmen für die Arbeit festgelegt: Die Autorin betont vehement die Notwendigkeit einer relativistischen Herangehensweise an die Theoriegeschichte und sie wiederholt mehrfach eine Vorrangstellung der Wirtschaftsgeschichte über die Theoriegeschichte. Danach stellt sie ihr Untersuchungsziel vor, nämlich die umfängliche und geschlossene Darstellung der Geldtheorie des Merkantilismus. Hier sieht sie einen Mangel, da es bisher keine solche Darstellung gibt. Den Grund für diesen Mangel stellt sie im Anschluss vor, denn die Frage, ob der Merkantilismus eine geschlossene Schule ist, ist umstritten und damit auch die Frage, ob es eine einheitliche Geldtheorie geben kann.

Die Struktur der Arbeit baut jedoch auf der These einer einheitlichen Theorie (und nicht nur Wirtschaftspolitik) auf: Die betrachteten Autoren werden nicht jeweils für sich vorgestellt und diskutiert, sondern Föste stellt eine Argumentation vor, zu der sie einzelne Vertreter jeweils als Beleg hinzuzieht. Sodann wird in der Einleitung noch die schwierige Aufgabe bearbeitet, den Merkantilismus abzugrenzen, wobei sie den Kameralismus und zum Beispiel Richard Cantillion ausschließt, aber William Petty einbezieht.

Aufgrund des negativen Bilds des Merkantilismus in der Theoriegeschichte beginnt die Autorin das zweite Kapitel mit einer kurzen Rezeptionsgeschichte. Es folgt die historische Einbettung in die Zeit der Herausbildung des Absolutismus und der Nationalstaaten. Danach wird der Merkantilismus auf einen einheitlichen, theoretischen Kern gebracht, der eben die nationalstaatliche Ausrichtung ist: "Das Streben nach staatlicher Macht als Selbstzweck lässt die merkantilistische Theoriebildung als einheitliche Doktrin erscheinen, alle weiteren Ausführungen finden in dem einheitlichen Prinzip der staatlichen Machtentfaltung ihren Ursprung." Dabei ist der Reichtum eine statische Größe und wird zwischen den Nationen verteilt. Doch auch diese, recht allgemeine und politische Zusammenfassung, relativiert Föste anhand einiger Autoren (insbesondere der italienischen Vertreter).

Das dritte Kapitel stellt nun das Geld in den Mittelpunkt: Föste sieht die Durchsetzung einer Geldwirtschaft als parallele Entwicklung zur Entstehung der Nationalstaaten, bei dem Geld Repräsentant und Maßstab des Reichtums und der Macht ist. Anders als von Smith behauptet verwechseln die Merkantilisten aber Geld nicht mit Reichtum, sondern sehen darin ein Mittel zur Steigerung des Reichtums.

Aufgrund einer beschränkten Menge an Edelmetallen diagnostizieren die meisten Merkantilisten einen erheblichen Geldmangel in ihrer Zeit. Aber auch hier stellt Föste die zahlreichen Gegenpositionen vor, wie sie zum Beispiel von John Law oder William Petty vorgetragen wurden. Die Abschnitte 3.2 bis 3.4 stellen den inhaltlichen Kern der Arbeit von Föste dar. Hier geht es um die eigentliche Geldtheorie der Merkantilisten. Es ist das Ziel der Autorin, die Merkantilisten als grundlegend für die moderne Geldtheorie darzustellen. Sie begründet diese Haltung mit einer "nahezu nominalistische(n) Geldlehre des Merkantilismus", bei der die Klassik als "analytischer Rückschritt" zum Merkantilismus gesehen werden müsse. Zudem wird die heutige Darstellung von Geldfunktionen von Föste auf die Merkantilisten zurückgeführt. Die verbreitete Einschätzung der Merkantilisten als Metallisten lehnt Föste als zu pauschal ab.

Zwar gibt es metallistische Positionen bei Autoren wie John Hales oder Jean Bodin, aber auch andere Ansichten wie bei John Locke oder John Law. Nur praktische Gründe wie der internationale Handel und Machtpolitik lassen die Merkantilisten für ein metallistisches Geldsystem plädieren. In dieser Haltung sieht Föste die Voraussetzung, um die Quantitätstheorie, die "größte theoretische Leistung" der Merkantilisten, entwickeln zu können, die von nahezu allen merkantilischen Autoren akzeptiert wird. Föste zeichnet die Entwicklung von Jean Bodin über Bernado Davanzati bis John Locke nach und landet bei dem von Mark Blaug als "merkantilistisches Dilemma" bezeichneten Problem, dass das Geld im Inland zu höheren Preisen führt und damit den angestrebten Handelsüberschuss konterkariert. Die Auflösung dieses Dilemmas, also der Grund warum die Merkantilisten dennoch nach einer höheren Geldmenge streben, sieht Föste in der Wachstumswirkung des Geldes. Das in der Euro-Zone aktuelle Thema des Umgangs mit unterschiedlichen Preisniveaus in einem, in diesem Fall durch Edelmetalle, fixiertem Währungssystem, streift der Text nur knapp.

Leider stellt Föste an dieser Stelle keinen Bezug zu David Hume her, der nur wenige Jahre nach den von ihr behandelten Autoren genau dieses Dilemma aufgreift und eine Brücke zur Klassik schlägt. ...

Föste hat eine gut leserliche, breit angelegte und engagierte Schrift zur Geldtheorie der Merkantilisten verfasst. Auffallend ist dabei die fast durchgängige Verwendung von älterer Sekundärliteratur, insb. Eli Heckschers grundlegende Schrift von 1932, obwohl es durchaus neuere gibt. So wurden z.B. die Begleitbände zu den Neuausgaben von Ferdinando Galiani, John Locke, Thomas Mun oder William Petty in der Reihe der Klassiker der Nationalökonomie nicht verwendet. Auf der anderen Seite führt dies dazu, dass die Autorin auch eine Vielzahl von heute weniger bekannten Autoren wie Bernado Davanzanti oder Geminiano Montanari und deren Leistungen vorstellt.

Da die unterschiedlichen Autoren jeweils, aber nicht durchgängig, bei unterschiedlichen Aspekten über das Buch verteilt auftauchen (z.B. Petty tritt nur in der ersten Hälfte auf), ist es schwer möglich, ihre Positionen jeweils für sich nachvollziehen zu können. Daher bleiben auch Zweifel an der zentralen These der Autorin, es gebe eine geschlossene Geldtheorie des Merkantilismus. Die auch von der Autorin immer wieder dargestellte Vielstimmigkeit und unterschiedliche Gewichtung von Positionen lässt eher vermuten, dass beim Merkantilismus,wie auch bei den anderen üblichen Schuleinteilungen der ökonomischen Theoriegeschichte, diese Einteilungen in der Geldtheorie wenig geeignet sind."

Berliner Debatte Initial 27 (2016) 1, Seite 149-152 ()

"Theoretisch entspricht der Merkantilismus dem sogenannten Handelskapitalismus oder der Epoche der ursprünglichen Akkumulation. Alle seine Bestrebungen zielten darauf ab, die Macht der frühkapitalistischen Nationalstaaten zu festigen und zu vergrößern, um diese dann dazu zu benutzen, "den Verwandlungsprozess der feudalen in die kapitalistische Produktionsweise treibhausmäßig zu fördern und die Übergänge abzukürzen" (Marx 1890: 779). Darin haben die merkantilistischen Ökonomen zweifellos Außerordentliches geleistet. Ihre Arbeiten auf dem Gebiet des Außenhandels, der Staatsfinanzen und des Geldes sind auch heute noch lesbar und keineswegs nur aus dogmenhistorischer oder wirtschaftsgeschichtlicher Sicht von Interesse. Ihnen kommt in der Geschichte des wirtschafts- und staatswissenschaftlichen Denkens eine eigenständige Bedeutung zu.

Das vorliegende Buch der Kölner Wirtschaftswissenschaftlerin Wilga Föste konzentriert sich auf die Rolle des Geldes im Denken merkantilistischer Ökonomen. Es greift damit eine der drei Hauptfragen der merkantilistischen Wirtschaftstheorie auf. Die beiden anderen sind die Rolle des Staates in der Ökonomie und der Außenhandel. Das Thema Geld erweist sich als besonders lohnend, denn erstens existierten auf diesem Gebiet bereits umfangreiche Vorarbeiten monetaristischer Theoretiker, woran die Merkantilisten unmittelbar anknüpfen konnten. Und zweitens hinterließen diese auf dem bearbeiteten Gebiet kein vorläufiges und fragmentarisches Lehrgebäude, sondern "eine nahezu vollständige Geldtheorie" (235). Für ihre detaillierte Analyse und die Darlegung der Grundzüge der merkantilistischen Theorie geht die Autorin davon aus, dass die merkantilistische Geldlehre vor allem "das Ergebnis realgeschichtlicher Phänomene" (ebd.) sei. Auslöser und zentrale Fragestellung ist mithin die Realgeschichte.

"Das ökonomische Denken einer Zeit" ist ihrer Meinung nach nur dann wirklich zu begreifen, "wenn der realgeschichtliche Hintergrund als Auslöser der Theoriebildung erkannt und bei der denkgeschichtlichen Analyse berücksichtigt wird" (236). Dieser Ansatz ist nicht neu. Er unterscheidet sich aber doch von den meisten dogmenhistorischen Arbeiten, welche eher geistesgeschichtlich angelegt sind und die realgeschichtlichen Hintergründe ausblenden. Zentral ist die These, wonach alle merkantilistischen Ökonomen ihre Arbeiten in den Dienst des Staates stellten und dass sie dabei das Ziel geeint habe, die staatliche Machtentfaltung zu fördern und einen Machtzuwachs des Staates zu bewirken. Insofern sei die merkantilistische Geldtheorie "normativ angelegt" (236), alle ihre Theoreme waren den machtpolitischen Bedürfnissen des Staates untergeordnet. Diese Feststellung ist sicher zutreffend, lässt aber außer Acht, dass die staatliche Machtentfaltung im historischen Prozess dieser Zeit eine Funktion hatte, nämlich die gewaltsame Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise. Insofern formulierten die merkantilistischen Denker ihre Reflexionen und Maximen nicht schlechthin im Interesse aufstrebender Nationalstaaten, sondern immer zugleich auch im Interesse des erstarkenden Kapitals. Dieser Aspekt hätte deutlicher herausgearbeitet werden können.

Die Autorin fasst ihren Gegenstand verhältnismäßig breit auf, engt den Untersuchungsbereich dann aber deutlich ein. So bezieht sich ihre Analyse auf den Gesamtzeitraum von rund 200 Jahren, wobei einige der betrachteten Ökonomen neben merkantilistischen Positionen auch andere Theorien vertraten. Im Einzelnen konzentriert sich die Untersuchung auf französische, englische und italienische Ökonomen, während die deutschen Denker dieser Zeit, ihrer Zuordnung nach mehrheitlich Kameralisten, vollständig übergangen werden. ...

Überhaupt scheinen diejenigen Passagen, die sich mit den nachhaltig produktiven Aspekten des Merkantilismus für die Theorieentwicklung beschäftigen, mit der Formulierung der Quantitätstheorie des Geldes etwa oder mit dem "merkantilistischen Dilemma" zwischen aktiver Handelsbilanz und stabilem Preisniveau und dessen Auflösung durch die Herausarbeitung der Rolle des Geldes bei der Belebung des Handels, der Autorin am besten gelungen. Unterschätzt wird von ihr dagegen der Beitrag des Merkantilismus zur Herausbildung der klassischen politischen Ökonomie von Adam Smith und David Ricardo bis zu Karl Marx und John Stuart Mill. Demgegenüber übertreibt sie vermutlich, wenn sie die merkantilistischen Ökonomen zu direkten Vorläufern der neoklassischen bzw. neomonetaristischen Schule, der subjektiven Werttheorie und der nominalistischen Geldauffassung erklärt. Ein wenig kollidiert die hierin zum Ausdruck kommende Würdigung, wonach "die nominalistische Geldwesenslehre des Merkantilismus zum gegenwärtigen Zeitpunkt die anerkannte Auffassung vom Wesen des Geldes" (233) sei, auch mit dem eingangs so vehement vertretenen historischen Zusammenhang und realgeschichtlichen Bezug. Insofern scheint es mir eher zutreffender zu sein, heute von der beachtlichen historischen Bedeutung der merkantilistischen Geldlehre zu sprechen als von ihrer "anhaltenden Aktualität" und davon, dass sie "ihre Relevanz während der gesamten nachfolgenden ökonomischen Theoriebildung nie verloren" habe und "auch heute noch zum gesicherten geldtheoretischen Wissen" zählt (234)."


the author
Dr. Wilga Föste
Wilga Föste Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik e.V. Von 1995 bis 2002 Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Ordnungspolitik in Köln, von 2003 bis 2004 Mitarbeiterin am Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre von Prof. Dr. Hans-Joachim Niessen an der Bergischen Universität Wuppertal. 2006 Promotion zum Dr. rer. Oec. [more titles]
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