Adelheid Biesecker, Sabine Hofmeister
10 Seiten · 3,54 EUR
(September 2006)
Aus der Einleitung:
n die Diskurse zu Nachhaltiger Entwicklung scheinen Brüche und Trennungen geradezu eingeschrieben zu sein. Dies ist mit feministischen Kritiken immer wieder gezeigt worden. Diese Trennungen spiegeln sich in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugangsweisen zur und Umgangsweisen mit der ökologischen und der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit wider. Dagegen steht das Leitbild Nachhaltige Entwicklung für das Gebot, ökonomische, ökologische und sozial-kulturelle Entwicklungsziele zu integrieren und damit Trennungen zu vermeiden. Diese Forderung nach Integration ist es, die den Nachhaltigkeitsdiskurs auch und gerade in Verbindung mit feministischen Debatten spannend macht. Feministische Forschung und Geschlechterpolitik waren und sind darauf verwiesen, Grenzen zwischen Wissenschaftstraditionen und Fachkulturen einerseits und sektoralen Politiken andererseits zu überschreiten. Im Nachhaltigkeitsdiskurs liegt daher ein großes Potenzial zur gegenseitigen Inspiration und zur Verknüpfung von ökologischen und feministischen Debatten.
Wir nutzen dieses Potenzial, indem wir unsere folgenden Überlegungen auf das Verhältnis von Produktivität und „Reproduktivität“ fokussieren – ein Begriffspaar, das in feministischer Forschung und Politik eine recht lange Tradition hat. Wir gehen dabei von der Überzeugung aus, dass sich dieses Verhältnis im Nachhaltigkeitsdiskurs neu auszuformulieren beginnt.