Michael Gerhard Kraft
27 Seiten · 6,87 EUR
(März 2009)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Der Aufsatz von Michael Gerhard Kraft macht deutlich, dass die ‚wissenschaftliche Revolution‘ in den siebziger Jahren (monetaristische Ansätze verdrängten die dominierenden keynesianischen Vorstellungen in den Wirtschaftswissenschaften wie im öffentlichen Diskurs) nicht dadurch erklärt werden kann, dass erstere sich als ‚wissenschaftlich überlegen‘ erwiesen hätten. Er zeigt demgegenüber, dass der Erfolg von Friedman auf einer mehrdimensionalen Strategie beruhte, die in eigentümlicher Weise eine methodologische Neuorientierung, normativ-ethische Forderungen und konkrete, theoretische Modelle und historisch bedingte wirtschaftspolitische Problemstellungen miteinander verknüpfte. Friedman lehnt auf diese Weise die Makroökonomie aus moralischen Gründen ab und vermengt einen ‚wissenschaftlichen‘ Anspruch mit einer ausgeprägten Propaganda ‚des Marktes‘. Kraft macht die Verbindungslinie deutlich, die zwischen Friedmans richtungweisendem Essay ‚The Methodology of Positive Economics‘ aus dem Jahr 1953, seinen gesellschaftspolitischen Schriften (‚Capitalism and Freedom‘, ‚Free to Choose‘ etc.) aus den sechziger Jahren und dem theoretischen Angriff auf die Phillipskurve in den siebziger Jahren besteht. Er zeigt damit auch, wie die neoliberale Netzwerkbildung, die in der Mont Pèlerin Society ihren Ausgang genommen hatte, ihren Erfolg auch einer langfristig angelegten mehrdimensionalen inhaltlichen Ausrichtung verdankt.