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Friday, October 20, 2017
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Der Einfluss der Wissenschaft auf die Politik

161 pages ·  16.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 3-89518-384-9 (July 2002 )

 
lieferbar in stock
 

Im Spannungsverhältnis zwischen Wissenschaft und Politik sieht sich die Politikberatung der Kritik von verschiedenen Seiten ausgesetzt. Vorwürfe an die wissenschaftliche Politikberatung beinhalten unter anderem mangelnde Praxisrelevanz, unzureichende Berücksichtigung der Durchsetzbarkeit von Empfehlungen sowie mangelnde Eindeutigkeit respektive Widersprüchlichkeit von Analysen und Empfehlungen. Vorwürfe an die Politik beziehen sich z.B. auf die mangelnde Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Empfehlungen. Die jüngere Diskussion um die wissenschaftliche Politikberatung bemüht sich ausgehend von den unterschiedlichen Interessen der Wissenschaftler und der Politiker um Verbesserung institutioneller Rahmenbedingungen für eine effizientere Politikberatung. In den Einzelbeiträgen wird diese Thematik aus sozialwissenschaftlicher und ökonomischer Perspektive behandelt.

Uwe Jens
Erkenntnisse aus der aktuellen Politik für die Sozialwissenschaften
Paul Klemmer
Wirtschafts- und Umweltforschung und die politischen Realisierungschancen
Carl Christian von Weizsäcker
Zum Einfluss der ökonomischen Theorie auf die Politik
Bert Rürup, Kilian Bizer
Der Sachverständigenrat und sein Einfluss auf die Politik
Wilhelm Bleek
Politikwissenschaft und praktische Politik
Franz Nuscheler
Illusionen der Politikberatung - am Beispiel der Entwicklungspolitik
Eberhard Heinke
Der Euro: Chance für die Wirtschaft, Herausforderung für die Politik
Lothar F. Neumann
Die historische Diskussion über die wissenschaftliche Beratung der Politik in der Bundesrepublik
Hajo Romahn
Wissenschaftliche Beratung der Politik: alte Ansprüche in aktueller Perspektive.
Sozialwissenschaftliche Umschau, 2/2003, S. 133-134 ()

"... Vor diesem Hintergrund beleuchten die neun Beiträge zu diesem griffigen Sammelband ein Spannungsfeld. In grundlegend-übergreifenden und sehr detaillierend-exemplarischen Abhandlungen werden die Vorwürfe an die wissenschaftliche Politikberatung hinsichtlich angeblicher oder tatsächlicher Praxisrelevanz-Mängel, Unausgereiftheit der Durch- oder Umsetzungsfähigkeit und unzulänglicher Eindeutigkeit bis Widersprüchlichkeit sowie mancherlei Ignoranzen, Inkompetenzen und Partialinteressen seitens der Adressaten von wissenschaftlichen Expertisen in der Politik ausgelotet. Herausgearbeitet werden jüngere Bemühungen zur Verbesserung von insbesondere institutionellen Rahmenbedingungen für den Dialog zwischen den Systemfeldern der Wissenschaft und der Politik, die auf ein höheres Maß an Effizienz zielen. Im einzelnen kommen Vertreter der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu Wort, wobei die Schwerpunkte der Betrachtungen eindeutig auf Problemen der Praxis wirtschaftswissenschaftlicher Politikberatung liegen.

Die Einzelstudien sind vor allem in ihrer - selbstentlarvenden wie problemerhellenden - Konsequenzlogik in vielen Details der Argumentation lesenswert. Über die relativ strikte Effizienzorientierung, die nicht immer ausreichend in Distanz zu Gefahren der bloßen Akzeptanzbeschaffung und Begünstigung technokratischer Herrschaft steht, kommen grundlegende Fragen etwa nach der Funktion von Sozialwissenschaften als Instanzen der professionellen Daseinsdeutung oder als Problematisierungsdisziplinen und Orte der diskursiv-reflexiven Fundamentalkritik etwas zu kurz. ..."



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2003 ()

"Hören die Politiker den Wissenschaftlern nie zu? Oder warum bahnt sich die rationale Erkenntnis nur qualvoll langsam einen Weg? Uwe Jens weist in dem Tagungsband darauf hin, daß politische und ökonomische Logik weit auseinanderklaffen, daß wissenschaftliche Gutachten manchmal nur eine Legitimationsfunktion ausüben, oftmals aber auch nicht realitätsnah genug seien und schlecht vermarktet würden. Außerdem verliere die Wissenschaft in dem Maß an Einfluß, wie die Interessengruppen an Gewicht gewönnen. Dennoch bleibt er überzeugt, 'daß eine Partei, die für alle Wähler sichtbar gesamtwirtschaftliche Probleme vermindert, größere Wahlchancen hat als eine Partei, die das Problem nicht rational anpackt, aber vor allem auf die Wünsche ihrer Klientel achtet'. Paul Klemmer mahnt Wettbewerb in der Politikberatung an, Carl Christian von Weizsäcker gewinnt dem pathologischen Lernen eine positive Seite ab, Bert Rürup lobt den Sachverständigenrat."

Utopie kreativ, April 2003, S. 371-373 ()

"... 'In dem Maße' nämlich, so Uwe Jens, 'wie die Lobby Einfluß auf die Politik gewinnt, vermindert sich die Einflussmöglichkeit der Wissenschaft' (S. 19). Andererseits, so Paul Klemmer, fehlt es den Beratern nicht selten 'an empirischer Kompetenz' (S. 33), was dazu führt, daß das nüchterne Geschäft der Politikberatung 'ideologisch überfrachtet' wird. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang auch eine 'gewisse Pfadabhängigkeit' der wissenschaftlichen Berater, was dazu führt, daß bestimmte Schulen und Richtungen im Beratungsgeschäft dominieren. ... Indem sich die Volkswirtschaftslehre von einer politischen Wissenschaft zu einer esoterischen Disziplin entwickelt hat, die ihre Aufgabe vor allem in der 'Analyse formaler und selbstdefinierter Probleme' (S. 63) sieht, nicht aber in der Lösung praktisch relevanter Fragen, hat sie ihren Niedergang als gesellschaftlich relevante Disziplin selbst mitverschuldet, so Bert Rümp und Kilian Bizer. Die Autoren fordern eine 'Neuorientierung im Sinne einer Rückbesinnung auf die Wurzel' der Disziplin als politischer Ökonomie. Dies schließt ein, den 'Wert ihrer Erklärungen an den daraus erwachsenden Gestaltungsoptionen für die Gesellschaft zu messen' (S. 63). ... Hinzu kommt, daß im Selbstverständnis deutscher Wissenschaftler 'operatives und entscheidungsorientiertes Denken' alles andere als selbstverständlich ist, da es 'unterhalb der Professorenwürde rangiert' (S. 99) und schon deshalb schwer zu erreichen sein wird. Aber auch die Politik tut sich schwer mit wissenschaftlichen Vorgaben. So dienen zum Beispiel 80 Prozent der teilweise sehr teuren Gutachten, welche die Politik in Auftrag gibt, nicht wirklich der Entscheidungsfindung, sondern lediglich der nachträglichen Legitimierung bereits getroffener Entscheidungen (S. 105). Das Resümee ist folgerichtig für beide Seiten gleichermaßen niederschmetternd, für die Wissenschaft wie für die Politik: So schreibt Rüdiger Pohl: 'Auf die heutige Wirtschaftspolitik hat kein Ökonom überhaupt einen Einfluß. Die Politiker haben nämlich entdeckt, dass Wirtschaftspolitik ohne eine konsistente theoretische Basis am bequemsten ist. Zur Beruhigung der Ökonomen betraut man dieselben zwar mit Gutachten, die dann aber nach kurzer Rosinenpickerei sogleich in der Registratur landen.' (S. 131). - Die Vorgaben für die Politik kommen offensichtlich von anderer Seite, von den Mächtigen der Wirtschaft, den Vermögenden, den Shareholdern, die sich mit der neoliberalen Theorie eine brauchbare, ihre Herrschaft untermauernde 'Ideologie' herangezogen haben."

Bundesarbeitsblatt des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 12/2002, S. 34 ()

"Zehn namhafte Autoren des vorliegenden Bandes ... führen den Leser in das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen 'reiner' Wissenschaft und 'praktischer' Politik ein, um ... Motive, Methoden, Aufgaben und Restriktionen einer wissenschaftlichen Politikberatung in ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive zu analysieren. Dabei wird die jüngere Entwicklung in der ökonomischen Zunft durchaus nicht unkritisch gesehen: Deren Aufgabe sei es ... auf aktuelle, politisch relevante Fragen ökonomisch rationale, institutionell abgesicherte und 'empfängerfreundlich' vermittelte Antworten zu geben. Damit verdeutlicht das empfehlenswerte Werk, wie drängend die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit einer anwendungsorientierten, unabhängigen Politikberatung empfunden wird und erinnert zugleich an die gesellschaftliche Verantwortung der Politischen Ökonomie."

Verbändereport, Juni 2003, S. 52-53 ()

"... Soviel vorab: Jeder der neun gut zusammengestellten und sich thematisch ideal ergänzenden Beiträge ist in seiner Mischung aus praktischer Erfahrung und theoretischer Reflexion, aus Analyse und praktischer Schlussfolgerung einer intensiven Lektüre wert ...

Wo liegen die Probleme?

Jens erläutert in seinem einleitenden Beitrag den Werdegang der wissenschaftlichen Politikberatung gleichermaßen aus der Sicht eines erfahrenen Parlamentariers (Jens gehörte drei Jahrzehnte dem Bundestag unter anderem als wirtschaftspolitischer Sprecher an) als auch aus der Sicht eines aktiven Wissenschaftlers. Das lässt Fairness in der Abwägung und Kenntnis beider 'Lager' erwarten. Als zentrales Problem identifiziert Jens das 'Spannungsfeld zwischen politischer und ökonomischer Logik', das oftmals im Beratungsprozess außer Acht gelassen wird. ... Sein Appell an die Wissenschaft: Bei grundsätzlicher Beibehaltung der Nachhaltigkeitsperspektive in der konkreten Beratung stärker die Systemzwänge der agierenden Politiker beachten. Insoweit konstatiert er aus Erfahrung: 'Leider haben einige Wissenschaftler nur ein geringes Interesse an garantiert erfolgreichen Politikvorschlägen.'

Am Schluss seines Beitrags erörtert der Verfasser noch die "Ökonomik der Ökonomik", also die Erforschung der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Politik. Ein wesentlicher Erfolgsgarant hierfür ist ein vertieftes Verständnis breiterer Bevölkerungsschichten in ökonomische Zusammenhänge und eine Aufgeschlossenheit, nicht nur die unmittelbaren Folgen der Maßnahmen, sondern auch deren Folgen-Folgen zu reflektieren.

'Verkürztes Denken'

Damit wird auch schon der Beitrag von C. Christian von Weizsäcker vorbereitet, der untersucht, inwieweit in Politik und Gesellschaft ein 'verkürztes Denken' herrscht, also das Denken in linearen Kausalketten, wo 'alles mit allem zusammenhängt' und jede Maßnahme Rückwirkungen auf andere Ausgangsfaktoren bewirkt. Angemessen dagegen sei das Denken in vernetzten Zusammenhängen. Dies demonstriert der Verfasser anhand einiger Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. ...

Die Praxis der wissenschaftlichen Politikberatung

Einen genauen Blick auf die Mechanismen und Akteure der Politikberatung wirft Paul Klemmer, der als Hochschullehrer und Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaft (RWI) das Geschäft der Politikberatung ebenfalls von mehreren Seiten her kennt. Eingangs untersucht er, wer im einzelnen als Politberater auftritt (Hochschullehrer, Institutionen, Beiräte und Gremien), um sodann - wie schon Jens - die Frage auszuleuchten, nach welchen Kriterien und mit welchen Motiven Berater ausgesucht werden. Insgesamt sieht der Verfasser heute auf Seiten der Berater eine größere Vertrautheit mit Sphäre der Politik - nicht zuletzt deshalb, weil sich die Sozial- und Wirtschaftswissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten stärker der Untersuchung der politischen Institutionen zugewandt hat (Institutionenökonomik). Für manche potentiellen Berater dürften allein seine Erkenntnisse und Ratschläge zur Psychologie des Beraters im politischen Geschäft eine wahre Bonanza sein. So schreibt er an die Adresse der wissenschaftlichen Berater: "Das impliziert, dass man seine eigenen Bedenken (Wer ist sich seiner Sache schon immer hundertprozentig sicher?) zurückstellen kann, über eine gewisse Rauflust verfügt und seine Botschaft in einer schwierigen Mischung von Engagement und Sachlichkeit in griffigen Bildern und Kurzformeln vorzustellen vermag.' Die Benchmark setzte hier der frühere Wirtschaftminister Karl Schiller. ..."


the authors
Prof. Dr. Uwe Jens
Uwe Jens † 20. März 2013. Honorarprofessor an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorstandsvorsitzender des Instituts für beratende Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – Gerhard Weisser-Institut. [more titles]
Hajo Romahn
Lehrstuhl für Sozialpolitik und Sozialökonomik, Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für beratende Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – Gerhard Weisser-Institut. [more titles]
known reviews by the publisher
  • "In grundlegend-übergreifenden und sehr detailliert-exemplarischen Abhandlungen werden die Vorwürfe an die wissenschaftliche Politikberatung ... ausgelotet."
    Sozialwissenschaftliche Umschau, 2/2003, S. 133-134 more...
  • "Hören die Politiker den Wissenschaftlern nie zu?" ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2003 more...
  • "...Das Resümee ist folgerichtig für beide Seiten gleichermaßen niederschmetternd, für die Wissenschaft wie für die Politik" ...
    Utopie kreativ, April 2003, S. 371-373 more...
  • "Damit verdeutlicht das empfehlenswerte Werk, wie drängend die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit einer anwendungsorientierten, unabhängigen Politikberatung empfunden wird" ...
    Bundesarbeitsblatt des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 12/2002, S. 34 more...
  • "Jeder der neun gut zusammengestellten und sich thematisch ideal ergänzenden Beiträge ist in seiner Mischung aus praktischer Erfahrung und theretischer Reflexion, aus Analyse und praktischer Schlussfolgerung einer intensiven Lektüre wert ..."
    Verbändereport, Juni 2003, S. 52-53 more...
  • Zeitschrift für Politikwissenschaft-Bibliografie 2/2003, S. 1136
  • Pro Zukunft, 6/2002
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