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Monday, October 23, 2017
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Der kapitalistische und der technische Mensch

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Arno Bammè

189 pages ·  28.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1218-6 (October 2016 )

Neu erfasste und durchgesehene Ausgabe der ersten Auflage von 1932

 
 

Die "wohl weitestgehende und fundierteste Theorie zur sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Standortbestimmung des technischen Menschen" (Stefan Willeke).

Dass die sich häufenden Umweltkatastrophen zwar technologisch induziert sind, ihre Ursache letztendlich aber in einer entfesselten kapitalistischen Ökonomie haben - diese Einsicht setzt sich heute auch in der ökologisch motivierten Technikkritik zunehmend durch. Ganz neu ist diese Erkenntnis nicht. Bereits 1932 hatte der Ingenieur Heinrich Hardensett (1899-1947) in seiner paradigmatischen Schrift über den "kapitalistischen" und den "technischen Menschen" eine Kulturkritik formuliert, die ihre Argumentation anhand zweier Grundcharaktere menschlicher Verhaltensweisen entfaltet, an dem des "Händlers", der wesentlich mit abstrakten Fiktionen arbeitet, und dem des "Technikers", der, indem er konkrete stoffliche Interventionen vornimmt, die irdische Welt gestaltend verändert. Entscheidend ist in beiden Fällen die unterschiedliche Motivation, von der beide in ihrem Tun geleitet werden: Dem einen geht es darum, sich durch Eigentumsübertragung zu bereichern; dem anderen ist darum zu tun, seine Umwelt zu gestalten, sie innerhalb der Grenzen, die durch die Natur gesetzt sind, stofflich umzuformen. Anders als dem "technischen Menschen" geht es dem kapitalistischen Unternehmer um die Bereitstellung von Tauschgütern, die Profit versprechen. Nicht "Produktivität" im Sinne kreatürlicher "Fruchtbarkeit" ist sein Ziel, sondern "Rentabilität", die abstrakte Plusmacherei, die keine natürlichen Grenzen kennt. Demensprechend unterscheidet Hardensett zwei unterschiedliche Erfolgsgrade im Verhältnis von Ergebnis und Aufwand, die sich als Quotient darstellen lassen. Der quantitativen Größen verpflichtete Quotient des "kapitalistischen Menschen" muss immer größer als "Eins" sein. Der durch qualitative Dimensionen geprägte Quotient des "technischen Menschen" ist, den Gesetzen der Natur geschuldet, notwendigerweise immer kleiner als "Eins". Aus dieser Inkompatibilität zwischen den metaphysischen Fiktionen einer kapitalistischen Ökonomie, die keine Schranken kennt, und den unhintergehbaren irdischen Realitäten der Grenzen setzenden Natur, leitet Hardensett die katastrophalen Folgewirkungen im Stoffwechselprozess des neuzeitlichen Menschen mit der Natur ab, eine Inkompatibilität, die in den Kalkülen der kapitalistischen Ökonomie ständig ignoriert wird.

Soziopolis, 19.5.2017 ()

"Die Antwort auf die Frage, welchen Nutzen die Charakterologie Hardensetts nun genau für eine "ökologisch motivierte Technikkritik" hat, bleibt der Herausgeber den Leser_innen in seinem Nachwort schuldig. Es bleibt bei vagen Andeutungen: Während der technische Mensch sich möglicher negativer Ökobilanzen bewusst sei, verschreibe sich der kapitalistische Mensch ausschließlich der 'Plusmacherei' (171). Dadurch vernachlässige er den "Eigensinn der Natur" (173). Dass sich die kapitalistische Wirtschaft als negative Ökobilanz modellieren lässt, ist ein Allgemeinplatz in der Postwachstumsdebatte, für diese Feststellung braucht es Hardensett beileibe nicht. Im Gegenteil: Die durch die Wirtschaft vorangetriebene ökologische Zerstörung ursächlich auf den Willen und das Wirken menschlicher Charaktere zurückzuführen, verbaut jede gesellschaftskritische Betrachtung des Problems und führt ins Fahrwasser essenzialistischer Erklärungen gesellschaftlicher Phänomene. Um zu erfahren, warum Bammé die Schriften Hardensetts dennoch für bedeutsam auch im Hinblick auf heutige Debatten erachtet, muss man wahrscheinlich seine neueste Monografie heranziehen: Dort sind dem Technokraten den Überschriften zufolge mindestens drei Unterkapitel gewidmet." Die vollständige Besprechung in: soziopolis.de


the author
Dr. Heinrich Hardensett
Heinrich Hardensett 1899-1947, Maschinenbau-Ingenieur, Kopf der deutschen Technokratie-Bewegung und des Konstanzer Hardensett-Kreises. Ab 1923 war er als Dozent am Technikum Konstanz tätig. Im Fachbereich Maschinenbau lehrte er vor allem Auto- und Flugzeugbau sowie Elektrotechnik. [more titles]
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