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Tuesday, November 21, 2017
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Der liberale Islam in Südostasien - Folgerungen für die Zusammenarbeit
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Der liberale Islam in Südostasien - Folgerungen für die Zusammenarbeit

22 pages · 3.02 EUR
(September 2004)

 
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Aus der Einleitung:

In Deutschland wird der Islam in der breiten Öffentlichkeit, zum Teil auch in den Medien einseitig wahrgenommen. Selbst in liberalen Magazinen und Zeitungen werden differenzierte Beiträge nicht selten mit Photos beispielsweise von voll verschleierten Musliminnen versehen, die in ihrer Klischeehaftigkeit dem eigentlich aufgeklärten Textinhalt widersprechen. Zwar mangelt es nicht an Bekenntnissen zum interreligiösen Dialog und Aufrufen zur religiösen Toleranz, auch vergisst kaum ein Sonntagsredner auf liberale Gehalte der islamischen Lehre hinzuweisen. Dennoch herrscht in weiten Kreisen ein Islamverständnis vor, das von der Berichterstattung über Diktaturen in mehrheitlich muslimischen Ländern und über den erzkonservativen religiösen Mainstream im arabischen Raum geprägt ist. In den Medien wird zudem ausführlich über fundamentalistische Gruppierungen, kaum aber über den in den meisten Ländern häufig sehr unorthodox geführten Alltag berichtet. Darüber gerät leicht in Vergessenheit, dass die islamische Lehre durchaus mit liberalen Grundwerten vereinbar ist und dass beispielsweise Kopftücher auch ein Ausweis einer prodemokratischen Einstellung sein können.

In diesem Beitrag soll die arabozentrische und essenzialistische Sicht ein wenig relativiert werden. Dazu werden zunächst der eigentümliche Synkretismus und der u.a. daraus abgeleitete laizistische Grundkonsens in Indonesien und Malaysia, den beiden großen mehrheitlich muslimischen Staaten in Südostasien, beschrieben. In den folgenden Passagen werden zum besseren Verständnis der späteren Ausführungen die Merkmale der politischen Systeme der beiden Länder skizziert. Vor diesem Hintergrund werden einige der Unterschiede zwischen der malaysischen und der indonesischen Politik gegenüber islamischen Gruppierungen herausgearbeitet. U.a. aus diesen Inklusions- bzw. Exklusionsstrategien und dem je spezifischen Verhältnis von Staat und Islam haben sich unterschiedliche Demokratisierungserfolge ergeben. Die Liberalität des vorherrschenden Diskurses über den Zusammenhang von Politik und Islam ist aber nicht nur von den besonderen nationalen Herrschaftskonstellationen abhängig, sondern auch von internationalen Einflüssen. Einige Anmerkungen zur Bedeutung internationaler Beziehungen, insbesondere solche unterhalb der staatlichen Ebene, sollen verdeutlichen, in welchem Maße Europäer zur Ausbreitung eines aufgeklärten Islam in Südostasien beitragen könnten. Daran anschließend werden einige Facetten des in Indonesien sehr einflussreichen neomodernistischen, liberalen Islams beleuchtet. Diese Ausführungen sollen schließlich zum Anlass genommen werden, Anregungen für eine Zusammenarbeit mit moderaten Muslimen zu geben.


quotable essay from ...
Islamische und westliche Welt
Michael von Hauff, Ute Vogt (Hg.):
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the author
Dr. Andreas Ufen
Andreas Ufen

Politologe; Promotion zum Thema: „Herrschaftsfiguration und Demokratisierung in Indonesien (1965-2000)“, seit 2000 wissenschaftlicher Referent am Institut für Asienkunde; ab dem 1.7.2004 Leiter des DFG-Projektes „Islam und Demokratie in Südostasien. Politischer Islam, Konfliktlinien und Demokratisierung in Indonesien und Malaysia“.