Kerstin Schmidt-Beck
37 Seiten · 7,78 EUR
(November 2007)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Der Beitrag von Kerstin Schmidt-Beck interpretiert die jüngste Börsenkrise zu Beginn der 2000er Jahre als professionelle Deutungskrise und veranschaulicht die Konsequenzen, die sich aus einem solchen Ansatz ergeben, anhand von Interviews mit Fundamentalanalyst/-innen. Diese Berufsgruppe, die Prognosen von Marktentwicklungen auf der Grundlage „fundamentaler“, vulgo also realwirtschaftlicher Daten erstellt, gewärtigte sowohl während der Hype- als auch während der Baissephase an den Finanzmärkten eine Entwertung ihres professionellen Selbstverständnisses. Zunächst, während des allgemeinen Aufschwungs, wurde ihre Expertise als verzichtbar angesehen und anschließend, während des Abschwungs, verschwand sie hinter dem allgemeinen Verkaufsfuror. Schmidt-Beck interpretiert diesen Vorgang als die Krise von Voraussage selbst und ihrer normativen Legitimierung durch eine „fundamentale“ Marktordnung. Sie macht jedoch auch deutlich, dass der Konstruktionscharakter solcher Vorhersagen – das Aushandeln von Deutungen mit Klient/-innen wie etwa professionellen Anleger/-innen – längst Eingang in die professionelle Praxis von Fundamentalanalyst/-innen findet, bislang allerdings nicht in die normative Rahmung von Analyse und in die Selbstkonzepte von Analyst/-innen integriert worden ist.