Gerda Bohmann
34 Seiten · 6,27 EUR
(April 2011)
Aus der Einleitung der Herausgeberin:
Gegenstand des Beitrages von Gerda Bohmann zur Ökonomie der Gesellschaft ist die (alte) soziologische Frage nach dem Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft; dessen Anlass aber die (neue) Antwort ? nicht zuletzt im Kontext der "neuen Wirtschaftssoziologie" ? ist. Denn hier hat eine breite Diskussion um einen (alten) Begriff ihren (neuen) Ausgang genommen: um jenen der "Einbettung". Das Begriffsverständnis Mark Granovetters wird in einem ersten Schritt mit jenem Karl Polanyis konfrontiert und einer gegensätzlichen Lesart, jener von Elmar Altvater, gegenübergestellt. Aus gesellschaftstheoretischer Perspektive wird sodann die "Unterkomplexität" beider Lesarten thematisiert und die Ausgangsfrage umformuliert ? zu jener nach dem (funktionalen) Primat des ökonomischen Systems der Gesellschaft. Bohmann greift dafür drei differenzierungstheoretische Beispiele heraus, die an Talcott Parsons Theorie kritisch anknüpfen und von einer sich verselbständigenden Eigenlogik des funktional ausdifferenzierten Systems der Wirtschaft, das aber gleichwohl ? in unterschiedlicher Weise ? an die Gesellschaft gebunden wird, ausgehen: Die auf hinkünftige Versorgung unter Knappheitsbedingungen und die Herstellung von Zukunftssicherheit setzende Funktionsbestimmung des ökonomischen Teilsystems in der Theorie der Gesellschaft Niklas Luhmanns; die über gesellschaftliche Rationalisierung ausdifferenzierte, auf mediengesteuerte Kommunikation umgestellte und über Verdinglichungseffekte auf die Lebenswelt zurückwirkende kritische Betrachtung der kapitalistischen Wirtschaft in Jürgen Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns; und die rekonstruktive Bestimmung des strukturell a-moralischen ökonomischen Systems im Sinne der Vernetzung der Gesellschaftsmitglieder zur Marktgesellschaft in der historisch-genetischen Theorie von Günter Dux. Es wird untersucht, ob und in welcher Form dabei jeweils von einem ökonomischen Primat im System der funktional differenzierten modernen Gesellschaft ausgegangen wird. Alle diese Ansätze nehmen auch auf Polanyis Arbeiten Bezug, haben aber das von ihm in den Begriffen der Ein- und Entbettung der Wirtschaft in die Gesellschaft thematisierte Problem anders gelöst. In allen drei Fällen lassen sich auch, aus den jeweiligen Perspektiven sich ergebende zentrale Forschungsprobleme für eine theoretisch angeleitete soziologische Sozioökonomie benennen: mit Luhmann das an den Leistungen des ökonomischen Systems ansetzende Problem der Exklusionsverkettungen; mit Habermas die Analyse von Steuerungsproblemen und Krisenerscheinungen eines globalisierten Spätkapitalismus; und schließlich mit Dux die an der mangelnden Inklusionskapazität des ökonomischen Systems des Marktes ansetzenden Defizite sozialer Gerechtigkeit.