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Sunday, December 17, 2017
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Die Postdemokratische Konstellation
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Die Postdemokratische Konstellation

Was meint ein soziologisch starker Begriff der Postdemokratie?

23 pages · 4.48 EUR
(November 2012)

 
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Aus der Einleitung:

Westliche postindustrielle Wohlstandsgesellschaften haben neuerdings ein fundamentales Problem: Ihr politisch-ideologischer Kompass klemmt. Nach Jahrzehnten der Expansion demokratischer Rechte, der Öffnung politischer Institutionen für mehr Bürgerbeteiligung und des Vertrauens in die zivilgesellschaftliche Selbstbestimmung ist die Demokratie in ihren traditionellen Stammländern eindeutig auf dem Rückzug. Nicht nur ist also der sogenannte Arabische Frühling weit hinter dem zurückgeblieben, was demokratische Optimisten sich erhofft hatten, und die amerikanische Nichtregierungsorganisation Freedom House spricht mit Verweis auf Osteuropa, Asien und Afrika von einem "continued pattern of global backsliding – especially in such critical areas as press freedom, the rule of law, and the rights of civil society".

Sondern auch in den fest etablierten Demokratien westlicher Industrieländer macht sich unübersehbar jener "authoritarian challenge to democracy" bemerkbar, den Freedom House bereits im Jahresbericht 2011 festgestellt hatte. Zumindest erscheint dies als eine durchaus angemessene Beschreibung für die neue Herrschaft der Kredit-Rating-Agenturen, vor deren Verlautbarungen selbst die mächtigsten Präsidenten erzittern. Und auch die Art und Weise, wie top down eingesetzte Technokratenregierungen in Griechenland, Italien und anderswo die Demokratie praktisch aussetzen, oder wie die sogenannte "Troika" aus EU-Kommission, Zentralbank und Internationalem Währungsfond nationale Sparpläne diktiert, kann wohl als autoritär bezeichnet werden. Demokratische Defizite – wenn dieser normative Begriff haltbar ist – wachsen eher, als dass sie sich vermindern würden. Auf den politischen Führungsebenen geht es nicht mehr primär darum, das Vertrauen der Bürger zu gewinnen, indem deren Interessen angemessen repräsentiert werden, sondern darum, das Vertrauen der Märkte zu sichern, um einer Abstrafung durch den neuen Souverän, die Kredit-Rating-Agenturen und Finanzmärkte, zu entgehen. War noch jüngst viel von Repräsentationsdefiziten oder einer Repräsentationskrise die Rede, so scheint der Begriff der demokratischen Repräsentation inzwischen vollständig überholt zu sein. Jedenfalls ist das Volk sichtbarer denn je nicht mehr der politische Souverän.


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Dr. Ingolfur Blühdorn
Ingolfur Blühdorn

*1964, studierte an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen Philosophie, Englisch, Germanistik und Theaterwissenschaften. Ab 1992 promovierte er an der University of Keele in Großbritannien zum Thema Nature and Ecology in German Social Theory. Gleichzeitig trat er eine Stelle als Lecturer in European Studies an der De Montfort University in Leicester an. 1995 wechselte er an die University of Bath, wo er seither Politik und Politische Soziologie lehrt. Seit 2005 ist er Universitätsprofessor (ohne eigenen Lehrstuhl). Die Forschungsschwerpunkte von Ingolfur Blühdorn liegen in den Bereichen (a) politische Theorie, insbesondere öko-politische Theorie und Demokratietheorie, (b) Gesellschaftstheorie, insbesondere Kritische Theorie, Systemtheorie und andere Theorien moderner Gesellschaften, und (c) Bewegungs- und Parteienforschung, insbesondere die sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen und Grüne Parteien.