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Saturday, October 1, 2016
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Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise

Eine kritisch-heterodoxe Untersuchung

2. korrigierte und erweiterte Auflage 2011 · 618 pages · 29.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-89518-861-9 (May 2011)

 
lieferbar this book is already released in a new edition
 

Description

In den Jahren seit 2007 stand die Welt vor einer Kernschmelze des Finanzsystems, die nur durch massive Rettungsaktionen der Politik zu Lasten des Steuerzahlers verhindert wurde. Die Finanzkrise widerlegt radikal die von Wirtschaft, Politik und der großen Mehrheit der Mainstreamökonomie geteilte Weltsicht, dass Selbstkontrolle, soft regulation und das Eigeninteresse der Akteure zu effizienten Finanzmärkten führt. Lehren hat man im finanzwirtschaftlich-politisch-wissenschaftlichen Komplex aus dieser Jahrhunderterfahrung interessen- und ideologiebedingt zugunsten kleinerer Mariginalreformen bisher kaum gezogen. Das Buch soll diesen Mangel begegnen. Im ersten Teil wird der deutsche und internationale Diskurs über die Finanzkrise nachgezeichnet und seine gravierenden Defizite hervorgehoben. Im zweiten Teil wird der gegenwärtige Stand der wirtschaftswissenschaftlichen Theoriebildung über Finanzmärkte kritisch unter die Lupe genommen. Im dritten Teil wird u.a. im Anschluss an Veblen, Galbraith, Keynes, Minsky und der neueren Verhaltensforschung ein alternatives Spekulationsparadigma der Finanzmärkte entwickelt. Im vierten Teil werden hierauf aufbauend drastische Reformen vorgeschlagen: Eine 100%ige Mindestreserve (Fishers 100%-Geld), eine Größenbeschränkung für Banken, die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, deutlich höhere und andere Eigenkapitalanforderungen, substantielle Beschränkungen des Derivatehandels eine Tobin-Steuer usw. Untersucht werden auch gesamtgesellschaftlichen Ursachen und Folgen der Aufblähung des Finanzsektors und die Notwendigkeit seiner Schrumpfung. Der Beitrag ist staatswissenschaftlich-finanzsoziologisch und nicht expertokratisch angelegt: Der Verfasser setzt nicht auf ökonometrische und modelltheoretische, sondern auf wissenschaftshistorische u. a. Ansätze und er vertritt die Interessen der Bürger und Steuerzahler, die zunehmend unter die Räder geraten. In diesem Zusammenhang werden auch die sich in der Finanzkrise anschließende europäische Staatschuldenkrise und die Schwächen der "Rettungsschirme" untersucht und eine alternative kurz- und langfristige Lösung vorgestellt.

known reviews by the publisher (abridgements)

BDS- Newsletter 3/2011 ()  [ to top ]

"Die Studie von Helge Peukert hat den Anspruch, bei der Analyse der (immer noch) aktuellen Finanzkrise und des Funktionierens der Finanzmärkte die "Orthodoxie" der herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive zu überwinden. Er möchte ferner eine treffendere und realistischere Perspektive ermöglichen sowie zur Entwicklung von Instrumenten zur Verhinderung zukünftiger Krisen beitragen. ... Abschließend diskutiert Peukert Reformvorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte und kritisiert dabei diejenigen, die seines Erachtens zu halbherzig auf die aktuellen Probleme reagieren und daher letztlich unzureichende neue Regeln und Strukturen vorsehen. Er stellt dem eigene Vorschläge gegenüber, die von einer drastischen Erhöhung der Mindestreserveanforderungen an die Banken, über die Begrenzung ihrer Bilanzsummen, die Aufspaltung in Geschäfts- und Investmentbanken und verschärfte Eigenkapitalregeln bis zur Erhebung einer Finanzmarkttransaktionssteuer und Restriktionen für riskante Finanzmarktinstrumente reichen. In einem Ausblick wird auf die ökologischen Probleme und Grenzen und die ungesicherte Zukunft einer wachstumsabhängigen Ökonomie hingewiesen. Die Arbeit wendet sich an Leser, die Interesse an einer breiten und kritischen Auseinandersetzung mit den herrschenden Wirtschaftswissenschaften haben und auf der Suche nach alternativen Erklärungsansätzen sowie wirksamen Mechanismen zur Vermeidung künftiger Krisen sind."

Zeitschrift für Sozialökonomie 168-169, 2011, S. 63-66 ()  [ to top ]

"Der gewaltige Umfang dieses Buches wird hoffentlich seine breite Rezeption nicht behindern. Helge Peukert hat nämlich eine bewundernswert ehrliche und kompetente Bestandsaufnahme des bisherigen Umgangs mit der Finanzkrise vorgelegt. ...

Peukerts Buch hebt sich wohltuend von anderen Reaktionen auf die Finanzkrise ab, die die Öffentlichkeit in dem trügerischen Glauben wiegen, dass wir uns im Gegensatz zu Lucas Zeises "Ende der Party" (2009) mit einem "Weiter so" bereits wieder auf der Überholspur in die Richtung einer Dauerkonjunkur mit Wachstum und Vollbeschäftigung befinden. Weder verharmlost Peukert die Beinahe-Kernschmelze des Weltfinanzsystems als Betriebsunfall noch liefert er ein vordergründig-kritisches Scheingefecht, bei dem die Ursachen der Krise letztlich doch unangetastet bleiben. ...

Trotz seiner Zurückhaltung gegenüber Gesell kommt Peukert auf den letzten Seiten seines Buches erfreulicherweise auf genau jene schon eingangs angesprochene "ungeklärte Zukunftsfrage" zurück, zu deren Lösung Gesells Freigeld bzw. Keynes' "künstliche Durchhaltekosten" auf liquide Mittel in weiter entwickelter Form vielleicht doch noch einmal etwas beitragen könnten. Zusätzlich zu all den von Peukert für notwendig gehaltenen Reformen, die den Finanzmärkten 'von außen' Daumenschrauben anlegen, wird es nämlich auch notwendig sein, ihre permanente Expansion und Verselbständigung 'von innen' mit einem Abbau der (u.a. durch den Zinseszins bewirkten) Konzentration der Geldvermögen" zu bremsen. Letztlich geht es auch für Peukert und die "ungeklärte Zukunftsfrage: Wäre eine ökologisch tragfähige Gesellschaft, die nicht auf den Wachstumsimperativ angewiesen ist, mit einer Geldordnung vereinbar, in der es positive Zinssätze gibt? Falls die Frage zu verneinen ist: Ist eine Geldordnung in einer arbeitsteiligen Wirtschaft ohne positive Zinssätze möglich?" (S. 25, 27)

Nachdem diese Schlüsselfrage bei allen Ausführungen Peukerts zu den Finanzmarkttheorien des ökonomischen Mainstreams sowie zu den alternativen Erklärungsansätzen und Reformvorschlägen im Hintergrund geblieben ist, taucht sie am Ende als Krönung seines Buches wieder auf. Mit einer bewundernswerten Geste der Aufrichtigkeit bekennt Peukert, dass er "sich an die letzte Wurzel des Problems der Finanzmärkte bisher nicht herantraute: Wie kann ein Wirtschaftssystem überleben, das angesichts positiver Zinssätze und mit Vermögenswerten, die Rendite abwerfen sollen, was letztlich nur durch Erlöse aus der Realspähre geleistet werden kann, ein System also, das auf Wachstum angelegt ist, mit den Erfordernissen der Ökosphäre harmonieren, die stetiges Wachstum nicht mehr verträgt.

Diese Fragen im wirtschaftswissenschaftlichen Raum überhaupt zu stellen, ist - unabhängig davon, wie sie in Zukunft beantwortet werden - ein geradezu sensationelles Ergebnis."




the author
Prof. Dr. Dr. Helge Peukert
Helge Peukert ist Ökonom und Finanzwissenschaftler in der in Deutschland einzigen Staatswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Erfurt, die Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Politologie und Jurisprudenz interdisziplinär unter einem Dach vereint. [more titles]
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