sprache deutsch
sprache english
» shopping cart
0 article(s) - 0.00 EUR


Tuesday, June 27, 2017
 welcome page » economy  » development, growth & knowledge  » crisis, business cycle 

Die große Finanzmarktkrise

Eine staatswissenschaftlich-finanzsoziologische Untersuchung

557 pages ·  29.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-89518-836-7 (December 2010 )

 
lieferbar this book is already released in a new edition
 
In den Jahren 2007-2009 stand die Welt kurz vor einer Kernschmelze des Finanzsystems, die nur durch massive Rettungsaktionen der Politik zu Lasten des Steuerzahlers verhindert wurde. Die Finanzkrise widerlegt radikal die von Wirtschaft, Politik und der großen Mehrheit der Mainstreamökonomie geteilte Weltsicht, dass Selbstkontrolle, soft regulation und das Eigeninteresse der Akteure zu effizienten Finanzmärkten führt. Lehren hat man im finanzwirtschaftlich-politisch-wissenschaftlichen Komplex aus dieser Jahrhunderterfahrung interessen- und ideologiebedingt zugunsten kleinkarierter Mariginalreformen bisher nicht gezogen. Dieses Buch begegnet diesem Mangel. Im ersten Teil des Buches wird der deutsche und internationale Diskurs über die Finanzkrise nachgezeichnet und seine gravierenden Defizite hervorgehoben. Im zweiten Teil wird der gegenwärtige Stand der wirtschaftswissenschaftlichen Theoriebildung über Finanzmärkte kritisch unter die Lupe genommen. Im dritten Teil wird u.a. im Anschluss an Veblen, Galbraith, Keynes, Minsky und der neueren Verhaltensforschung ein alternatives Spekulationsparadigma der Finanzmärkte entwickelt, aus dem im vierten Teil drastische Reformvorschläge entwickelt werden: eine 100%ige Mindestreserve (Fishers 100%-Geld), eine Größenbeschränkung für Banken, die Trennung von Geschäfts- und Invetsmentbanken, deutlich höhere und andere Eigenkapitalanforderungen, die Schrumpfung des Derivatehandels usw. Der Beitrag ist staatswissenschaftlich-finanzsoziologisch und nicht expertokratisch angelegt: der Verfasser setzt nicht auf ökonometrische und modelltheoretische, sondern eher auf wirtschaftshistorische u.a. Ansätze und er vertritt die Interessen der Bürger und Steuerzahler, die im Laufe der "Rettungspakete" zunehmend unter die Räder des politisch-wissenschaftlich-finanzindustriellen Komplexes geraten sind. Er fragt auch nach den gesamtgesellschaftlichen Ursachen und Folgen der Aufblähung des Finanzsektors.
Zeitschrift für Sozialökonomie 168-169, 2011, S. 63-66 ()

"Der gewaltige Umfang dieses Buches wird hoffentlich seine breite Rezeption nicht behindern. Helge Peukert hat nämlich eine bewundernswert ehrliche und kompetente Bestandsaufnahme des bisherigen Umgangs mit der Finanzkrise vorgelegt. ...

Peukerts Buch hebt sich wohltuend von anderen Reaktionen auf die Finanzkrise ab, die die Öffentlichkeit in dem trügerischen Glauben wiegen, dass wir uns im Gegensatz zu Lucas Zeises "Ende der Party" (2009) mit einem "Weiter so" bereits wieder auf der Überholspur in die Richtung einer Dauerkonjunkur mit Wachstum und Vollbeschäftigung befinden. Weder verharmlost Peukert die Beinahe-Kernschmelze des Weltfinanzsystems als Betriebsunfall noch liefert er ein vordergründig-kritisches Scheingefecht, bei dem die Ursachen der Krise letztlich doch unangetastet bleiben. ...

Trotz seiner Zurückhaltung gegenüber Gesell kommt Peukert auf den letzten Seiten seines Buches erfreulicherweise auf genau jene schon eingangs angesprochene "ungeklärte Zukunftsfrage" zurück, zu deren Lösung Gesells Freigeld bzw. Keynes' "künstliche Durchhaltekosten" auf liquide Mittel in weiter entwickelter Form vielleicht doch noch einmal etwas beitragen könnten. Zusätzlich zu all den von Peukert für notwendig gehaltenen Reformen, die den Finanzmärkten 'von außen' Daumenschrauben anlegen, wird es nämlich auch notwendig sein, ihre permanente Expansion und Verselbständigung 'von innen' mit einem Abbau der (u.a. durch den Zinseszins bewirkten) Konzentration der Geldvermögen" zu bremsen. Letztlich geht es auch für Peukert und die "ungeklärte Zukunftsfrage: Wäre eine ökologisch tragfähige Gesellschaft, die nicht auf den Wachstumsimperativ angewiesen ist, mit einer Geldordnung vereinbar, in der es positive Zinssätze gibt? Falls die Frage zu verneinen ist: Ist eine Geldordnung in einer arbeitsteiligen Wirtschaft ohne positive Zinssätze möglich?" (S. 25, 27)

Nachdem diese Schlüsselfrage bei allen Ausführungen Peukerts zu den Finanzmarkttheorien des ökonomischen Mainstreams sowie zu den alternativen Erklärungsansätzen und Reformvorschlägen im Hintergrund geblieben ist, taucht sie am Ende als Krönung seines Buches wieder auf. Mit einer bewundernswerten Geste der Aufrichtigkeit bekennt Peukert, dass er "sich an die letzte Wurzel des Problems der Finanzmärkte bisher nicht herantraute: Wie kann ein Wirtschaftssystem überleben, das angesichts positiver Zinssätze und mit Vermögenswerten, die Rendite abwerfen sollen, was letztlich nur durch Erlöse aus der Realspähre geleistet werden kann, ein System also, das auf Wachstum angelegt ist, mit den Erfordernissen der Ökosphäre harmonieren, die stetiges Wachstum nicht mehr verträgt.

Diese Fragen im wirtschaftswissenschaftlichen Raum überhaupt zu stellen, ist - unabhängig davon, wie sie in Zukunft beantwortet werden - ein geradezu sensationelles Ergebnis."




the author
Prof. Dr. Dr. Helge Peukert
Helge Peukert ist Ökonom und Finanzwissenschaftler in der in Deutschland einzigen Staatswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Erfurt, die Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Politologie und Jurisprudenz interdisziplinär unter einem Dach vereint. [more titles]
known reviews by the publisher
  • "ein geradezu sensationelles Ergebnis" ...
    Zeitschrift für Sozialökonomie 168-169, 2011, S. 63-66 more...
that may interest you, too