Stephan Schulmeister
33 Seiten · 8,04 EUR
(Juli 2010)
Aus der Einleitung:
Mit dem Ausbruch der Finanzkrise hat der Übergang von einer finanz- zu einer realkapitalistischen Wirtschaftsordnung begonnen. Dieser wird lange dauern, da der in den vergangenen 30 Jahren zunehmend dominante ?Finanzkapitalismus? eine umfassende ?Spielanordnung? darstellt, deren Komponenten einander wechselseitig stützen. Dazu gehören insbesondere die neoliberale Wirtschaftstheorie, der Vorrang für den Geldwert, die Liberalisierung der Finanzmärkte, die Regulierung der Wirtschaftspolitik, die Teilprivatisierung des Pensionssystems und generell die Schwächung des Sozialstaats. Politik im Zeitalter des Finanzkapitals orientierte sich nicht nur an Losungen wie ?Mehr privat, weniger Staat?, sondern insbesondere an der großen Illusion ?Lassen Sie Ihr Geld arbeiten?.
Diese ?selbstzerstörende? Maxime hat durch verschiedene Prozesse jenes ?Potential? aufgestaut, das sich in der neuen Weltwirtschaftskrise entlädt. Die große Krise wird die (Über)Lebensbedingungen über Jahre weltweit verschlechtern und damit den Boden bereiten für eine Neuordnung des ?Spiels Wirtschaft?: Die Treibkraft kapitalistischer Dynamik, das Profitstreben, wird wieder auf realwirtschaftliche Aktivitäten gelenkt werden, und zwar auf nationaler, europäischer und globaler Ebene. Gleichzeitig wird die Politik eine ?ausgewogenere? Balance anstreben zwischen der Entfaltung des individuellen Eigennutzes und der Stärkung des sozialen Zusammenhalts. In beiden Punkten wird die künftige Wirtschaftsordnung Ähnlichkeiten mit dem ?Realkapitalismus? der ersten Hälfte der Nachkriegszeit aufweisen. Zu seinen Rahmenbedingungen gehörten feste Wechselkurse, unter der Wachstumsrate liegende Zinssätze, ein wirtschafts- und sozialpolitisch aktiver Staat (?Soziale Marktwirtschaft?), enge Kooperation zwischen Unternehmerverbänden und Gewerkschaften (?Rheinischer Kapitalismus?) und eine ?systemische? (die keynesianische) Wirtschaftstheorie. Diese Komponenten werden durch eine generelle Zielsetzung ergänzt: die Ökologisierung der Wirtschaft.