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Monday, October 23, 2017
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"Digital Divide": Eine Dimension sozialer (Un-)Gerechtigkeit

20 pages · 3.78 EUR
(September 2004)

 
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Aus der Einleitung:

Bis vor wenigen Jahren war der Begriff unbekannt. Heute ist er in vieler Munde. Er spielt eine Rolle in der wissenschaftlichen Forschung ebenso wie auf politischen Kongressen. "Digital divide" - "digitale Spaltung" - bewegt inzwischen selbst internationale Gipfel wie jüngst den ?World Summit on the Information Society?, der im Dezember 2003 in Genf stattfand und der 2005 in Tunis fortgesetzt werden soll. Die Europäische Union hat dem Thema auf der Lissabonner Tagung des Europarates bereits im Jahre 2000 hohe Aufmerksamkeit geschenkt und auch innerhalb der einzelnen Länder spielt das Problemfeld seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. Dieses stark gewachsene Interesse am Problem des "digital divide" ist kaum überraschend, erleben wir doch seit Mitte der 90er Jahre eine rasante Verbreitung elektronischer Kommunikationspotenziale. Mit dem Internet und seiner raschen Diffusion erfahren wir einen gewaltigen Schub in der Realisierung der globalen Wissens- und Informationsgesellschaft, wie man sich das noch vor einem Jahrzehnt in den kühnsten Träumen nicht ausmalen konnte. Zwar gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über den tatsächlichen empirischen Diffusionsprozess des Internet. Die Schätzungen der Anzahl der Internetnutzer schwanken erheblich. Dennoch sind die Zahlen - trotz ihres groben Charakters - beeindruckend. Für 2002 werden weltweit zwischen 600 und 655 Mio. Internetnutzer geschätzt. Prognosen für 2004 liegen zwischen etwa 700 und 945 Mio. Nutzern. Demgegenüber lag die Anzahl der Internetnutzer in den Anfangsjahren des Netzes Mitte der 90er Jahre bei nur wenigen Millionen Personen, z.B. in 1995 bei geschätzten 25 Mio.

Gewiss kann man im Hinblick auf die Problempotenziale dieser Entwicklung einwenden, dass sich die Ausbreitung des Internet bislang stark auf die wirtschaftlich hochentwickelten Länder der Erde und einige der rasch nachziehenden Nachholökonomien in Asien konzentriert, so dass auch Probleme digitaler Gräben nur dort sichtbar würden. Wer allerdings das schnelle Fortschreiten des sozioökonomischen Transformationsprozesses in Richtung Wissensgesellschaft als globalen Prozess begreift und nach humanen Maßstäben beeinflussen und gestalten will, muss sich darüber klar werden, dass die bisherige Konzentration der Internetverbreitung auf nur einen Teil der Erde die anderen Länder des Globus nicht unbehelligt und unbeeinflusst lassen wird, im Gegenteil: je später viele Länder auf den Zug der Wissensgesellschaft aufspringen, desto größer die Nachteile, die diese Länder erfahren werden. Mangel an Partizipation verschont nicht nur nicht vor den Nachteilen dieser Entwicklung, ein solcher Mangel produziert vielmehr selbst Nachteile in wachsendem Umfang! Insofern ist digitale Spaltung ein weltumspannendes Problem. Es ist jedoch gleichzeitig ein Problem auch innerhalb der einzelnen Länder. Und zwar nicht nur für die wirtschaftlich weniger entwickelten Staaten, sondern auch für die wohlhabenden Länder der nördlichen Erdhalbkugel. Die ungleichzeitige Verbreitung und Nutzung des Internet innerhalb von Gesellschaften bleibt nämlich nicht folgenlos. Sie führt zu neuen sozialen Spannungen und Gerechtigkeitsproblemen, welche die herkömmlichen materiellen Verteilungsfragen überlagern und ergänzen. Deshalb - so lautet die hier vertretene These - kann Gerechtigkeitspolitik an Fragen des "digital divide" nicht länger vorbei gehen. Sie muss das Problem, welches sich mit der Ausbreitung der Wissensgesellschaft eher verschärfen wird, ernst nehmen, d.h. sich genauer mit seinen Hintergründen und Lösungsmöglichkeiten befassen.


quotable essay from ...
Wissensgesellschaft, Verteilungskonflikte und strategische Akteure
Dominik Haubner, Erika Mezger, Hermann Schwengel (Hg.):
Wissensgesellschaft, Verteilungskonflikte und strategische Akteure
the author
Prof. Dr. Johann Welsch
Johann Welsch

seit 1995 Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Wiesbaden.

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