Katrin Hirte
26 Seiten · 6,71 EUR
(März 2009)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Hirte beschreibt, wie das neoliberale Markt-Denken die deutsche Agrarpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg dominiert. Den wichtigsten Präponenten, die diesen Bereich neu aufbauten, gelang es, ihre nationalsozialistische Vergangenheit (von Hirte im Detail dokumentiert) in Vergessenheit geraten zu lassen und – in Zusammenhang mit neoliberalen Think-Tanks – eine „ordnungspolitische Kehrtwende“ einzuleiten. Ab 1950 findet fast nur noch eine neoklassische Theoriebildung statt. Man argumentiert mit den „Naturgesetzen der Wirtschaft“ und konzipiert eine positivistische Wissenschaft, die sich ‚objektiv‘ und ‚wertfrei‘ gibt. Sie ruhe auf einem scheinbar sicheren Fundament und grenzt sich – neoliberaler Klassifikation folgend – vom „Staat“ ab, hier werde mit einer anderen ‚Sprache‘ argumentiert.
Hirte beschreibt wichtige Momente des agrarpolitischen Diskurses. Die Ökonomen geben sich – geleitet vom neoklassischen Optimalmodell – als ‚Anwälte der Allokationseffizienz‘. Agrarpolitiker hingegen, so wird argumentiert, werden als Anwälte ‚einer bestimmten Verteilungsgerechtigkeit’ hingestellt, woraus eine moralische Überlegenheit der ‚wissenschaftlichen‘ gegenüber der ‚praktischen‘ Agrarpolitik folgere. Hirte stellt dar, wie neoliberalen Ökonomen das Kunststück gelingt, im Rekurs auf das Modell des ‚vollkommenen‘ Wettbewerbs die vielfältigen Marktregulierungen, die den EU-Agrarmarkt auszeichnen, zu rechtfertigen (‚Regelung im Namen der Nichtregelegung‘). Dies mache nach Hirte den Zirkelschluss offensichtlich, der schon Hayeks Idee einer ‚spontanen‘ Evolution von Regeln charakterisiert: man überlasse die Evolution der Regeln eben nicht einem spontanen Prozess, sondern greife ein, auch wenn man bewusst die Regeln gar nicht kennen könne, die den Kern der intendierten Ordnung ausmachen.