Wolfram Elsner
42 Seiten · 8,02 EUR
(August 2001)
Aus der Einleitung:
(1) Gegenstand dieses Beitrages ist die Verbindung eigener Praxiserfahrungen aus der Wirtschaftspolitik eines Bundeslandes mit einem theoretischen Modell, also 1.) die rationale Rekonstruktion einer Praxiserfahrung mit Hilfe eines theoretischen Modells und 2.) die Erarbeitung einer Konzeption der Wirtschaftspolitik, die zugleich ein effizienteres Verhältnis zwischen privaten und öffentlichen Akteuren verspricht, als Verallgemeinerung dieses Modells.
(2) Das dazu im weiteren herangezogene Fallbeispiel entstammt der Industriepolitik. Der Fall, die industriepolitische Rüstungskonversions- Förderung, hat im Verlauf der neunziger Jahre eine EU-weite Aufmerksamkeit erlangt, weil hier (anscheinend) ein Strukturwandel gelungen ist, der in kooperativer Form – d.h. weder allein durch den „Markt“ noch allein durch „Hierarchie“ – gestaltet wurde. Mit diesem Erfolg wuchs im Laufe der neunziger Jahre auch der Anlaß, den zugrundeliegenden Ansatz zu erklären, und damit der Zwang zur Selbstreflexion des Erreichten. Das Fallbeispiel selbst ist daher im Laufe der Jahre zunehmend in der Literatur dokumentiert, aufbereitet und reflektiert worden.
(3) Die Konfrontation modelltheoretischer Ansätze mit empirischem Fallmaterial „aus der Praxis“ bedarf dabei gesonderter methodologischer Reflexion. Die notwendige Interaktion zwischen Theorie und Empirie ist weder durch reine Induktion noch durch reine Deduktion leistbar. Der aufbereitete Praxisfall liefert vielmehr Anhaltspunkte für die Konstruktion eines Idealtypus, der sodann als Heuristik auf den Realtypus angewendet werden muß. Dieser wechselseitige Bezug ist dann als eine iterative Reflexion zwischen Theorie und Praxis im Sinne einer Paradigmabildung vorzunehmen, in der es Falsifikationen im engeren Sinne nicht geben kann. Dabei muß sowohl der Praxisfall abstrahierend rekonstruiert werden als auch das theoretische Modell auf seine Abbildungs- und Erklärungsfähigkeit hin überprüft werden. Die mangelnde Fähigkeit des Praxismaterials als Falsifikationsinstanz zu dienen, darf jedenfalls nicht zur gezielten Immunisierung des theoretischen Modells mißbraucht werden. Empirische „Falsifikation“ allerdings ist nur in einem komplexen, iterativen Prozeß möglich. Wir werden am Schluß das Erreichte noch einmal reflektieren.