Ronald Schettkat und Rongrong Sun
14 Seiten · 3,74 EUR
(November 2008)
Schlussfolgerungen:
Schienen sich Zentralbanken und Politikberatungsinstitutionen lange Zeit sicher die richtigen Modelle zu verwenden und hinreichend gute Daten zu haben, so ist diese Sicherheit in den letzten Jahren einer Unsicherheit hinsichtlich Datengrundlagen und Modellen gewichen. Einige Autoren argumentieren, dass Geldpolitik einem inflationären Bias unterliegt, weil Notenbanken die Arbeitslosigkeit gering, also unterhalb der NAIRU, halten wollen. Zumindest für die Bundesbank dürfte ein umgekehrter Bias konstatiert werden. Die Aufschwünge wurden nicht hinreichend akkommodiert. Aus Furcht davor die ehrgeizigen Preisstabilitätsziele nicht zu erreichen, wurden die Aufschwungphasen gebremst, obwohl zum Erreichen des ursprünglichen Wachstumspfades ein „Überschießen“ notwendig gewesen wäre. Die Bundesbank hat eine asymmetrische Geldpolitik verfolgt, die die Aufschwünge aus Furcht vor möglicher Inflation gedämpft hat. Neuere Analysen der Bundesbank zeigen, dass das Produktionspotenzial systematisch unterausgelastet war. Selbst wenn diese Erkenntnis auf neueren Schätzverfahren und Daten beruht, die bei den zinspolitischen Entscheidungen der Bundesbank aktuell nicht zur Verfügung standen, so muss dieses Ergebnis doch als eine Warnung verstanden werden, bei geldpolitischen Entscheidungen das Preisstabilitätsziel nicht über alles zu stellen. Fraglich ist zudem, ob durch eine geldpolitische Akkomodation der Aufschwungsphase die Preisstabilität überhaupt ernsthaft gefährdet gewesen wäre, denn die Preisniveauelastizität in Bezug auf die Outputlücke ist in Deutschland deutlich niedriger als in den USA.