Sören Steger und Raimund Bleischwitz
29 Seiten · 6,33 EUR
(September 2007)
Aus der Einleitung:
Ökonomie hat immer eine physische Dimension. Ohne Material- und Energieeinsatz sind ökonomische Aktivitäten nicht denkbar. Die Endlichkeit von Rohstoffen und fossilen Energieträgern und die begrenzte Verfügbarkeit produktiver Flächen als Ausgangsbasis für biotische Rohstoffe bilden daher zunächst grundsätzlich natürliche Wachstumsgrenzen. Die aktuellen Postulate nach einer Entkoppelung der Ressourcennutzung vom Wachstum und nach einer Dematerialisierung, d.h. einer absoluten Absenkung der Ressourceninanspruchnahme, haben folgende Gründe:
- die relative Verknappung vieler Ressourcen und die angespannte Situation auf den Rohstoffmärkten,
- die notwendige Verbesserung der Umweltsituation, insbesondere bei den mit der Ressourcennutzung einhergehenden Umweltbelastungen (EEA 2005),
- Chancen für neue Zukunftsmärkte im Bereich Ressourcenproduktivität
Man kann es durchaus als Fortschritt der ökonomischen Debatte ansehen, die Umweltdimension der Ressourcennutzung insgesamt zu thematisieren und die stofflichen Inputs nicht ausschließlich der Ressourcenökonomie zuzuordnen und die Emissionen und Abfälle der Umweltökonomie. Von Interesse sind in diesem Zusammenhang sowohl das Konzept der Stoffstromanalysen als auch detaillierte Analysen spezifischer lebenszyklusweiter Umweltwirkungen.
Eine ressourcenorientierte Nachhaltigkeitspolitik thematisiert unabhängig von aktuellen und zukünftigen Knappheiten von Rohstoffen die Notwendigkeit einer weltweiten Reduktion des Material- und Energieeinsatzes. Der Bezug zu Umwelt- und Verteilungsfragen ist zweifelsohne ein Unterschied zur Studie von Frondel et al. die lediglich die Angebotssituation von Rohstoffen thematisiert und wenig Handlungsbedarf signalisiert. Wichtig ist nicht allein die Einsicht, dass alle Rohstoffe, die die Wirtschaft aus der Umwelt bezieht, unweigerlich irgendwann als Abfall oder Emissionen wieder in die Ökosphäre fließen und dabei teils toxische Wirkungen haben. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass der Planet Erde trotz großer Armut von weiten Teilen der Weltbevölkerung an materieller Überfüllung leidet. Mit anderen Worten: die Technosphäre wächst zu Lasten der Biosphäre. Die Analysen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und des Millennium Ecosystem Assessment (2005) zeigen, dass dabei kritische Belastungsgrenzen nahezu erreicht sind bzw. aufgrund von bereits initiierten Dynamiken überschritten werden. Die Nutzung fossiler Energieträger und die bei ihrer Verbrennung entstehenden CO2-Emissionen tragen ebenso zur Übernutzung der Natur bei wie der Abbau von Metallerzen und die dabei entstehenden Schadstoffe, die Zementproduktion und die Nutzung von einschlägig umweltintensiven Produkten.