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Tuesday, December 12, 2017
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Entwicklungstheorie, Finanzsoziologie, Menschenökonomie

Narrative einer anderen Soziologie

Herausgegeben und eingeleitet von Arno Bammé

ca. 600 pages ·  58.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1311-4 (February 2018 )

 
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Zu Beginn des 20. Jhs. wurde die Soziologie als Fachwissenschaft, so wie sie heute existiert, weitgehend festgeschrieben. Zwei Gründungsväter standen einander unversöhnlich gegenüber: Rudolf Goldscheid und Max Weber. Sie vertraten zwei völlig unterschiedliche Auffassungen von Soziologie.

Weber plädierte für eine Wissenschaft, in der Forschung und Lehre wertfrei erfolgen sollten. Die Vermischung von Sein und Sollen, die Ableitung ethischer Imperative aus wissenschaftlichen Erkenntnissen lehnte er ab. Im Gegensatz zu Weber, dessen verstehende Soziologie eine Soziologie des Seins ist, vertrat Goldscheid eine prospektive Soziologie des Werdens. Für ihn ging "der ganze Streit um die Stellung der Werturteile letzten Endes aus Fragen des akademischen Lehrbetriebes hervor". Forschung hingegen, schöpferische Wissenschaft, sei "ihrem innersten Wesen nach notwendig immer Gestaltung; Gestaltung ohne Wertung aber ist ein Ding der Unmöglichkeit!"

Die Soziologie eroberte sich ihren Platz unter den akademischen Wissenschaften zu einem hohen Preis. Sie wurde zu einem Beruf im Sinne von Fachkompetenz, wie Weber es vorausgesehen hatte. Statt auf gesellschaftlichen Fortschritt wurde das Interesse der Soziologen auf innerwissenschaftlichen Fortschritt, auf Erfolg und Anerkennung als spezialisierte Berufsgruppe innerhalb der Akademia gelenkt. Als Folge befindet über die gesellschaftliche Nützlichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse heute nicht mehr die Wissenschaft selbst, sondern eine durch wechselnde politische Machtverhältnisse bestimmte staatliche Politik, die immer stärker durch Forderungen der Wirtschaft geprägt ist. Erst in jüngerer Zeit, im Streit zwischen "professioneller" und "öffentlicher Soziologie", zwischen "provinzieller" und "globaler Soziologie" finden die soziologischen Narrative Goldscheids wieder zunehmend Beachtung, Narrative, in denen viele Provokationen eines Ulrich Beck, Bruno Latour, Hans Immler oder Michael Burawoy vorweggenommen wurden. Insofern lohnt es sich, an die Kontroversen jener Zeit wieder anzuknüpfen, die, durch den Nationalsozialismus abrupt unterbrochen, in ihrer reichen Vielfalt und Kreativität kaum je wieder erreicht wurden.


the authors
Prof. Dr. Arno Bammé
Arno Bammé Jahrgang 1944, Ordentlicher Universitätsprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (Kärnten), Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung, Direktor des Institute for Advanced Studies on Science, Technology and Society in Graz, Leiter der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle an der AAU, Fachvorstand der Sektion "Abendländische Epistemologie" beim Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand in Berlin, bis zu seiner Emeritierung Vorstand des Instituts für Technik- und Wissenschaftsforschung an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung. der AAU [more titles]
Rudolf Goldscheid
Rudolf Goldscheid brach sein Philosophiestudium ab, als sich früh schriftstellerische Erfolge bemerkbar machten. 1907 war er in Wien Mitbegründer der Soziologischen Gesellschaft. 1909 war er Initiator und mit Ferdinand Tönnies, Max Weber und Georg Simmel Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Berlin. Im Werturteilsstreit war er Hauptkontrahent von Max Weber und Werner Sombart.
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