Karl-Michael Brunner
21 Seiten · 5,76 EUR
(April 2008)
Aus der Einleitung:
Nachhaltigkeit als Entwicklungskonzept, das auf die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht gerichtet ist, ist auch für das Ernährungssystem von hoher Relevanz. Wie Lebensmittel produziert, verarbeitet, gehandelt und konsumiert werden, hat ökologische, soziale, ökonomische und gesundheitliche Auswirkungen. Das ganze Ernährungssystem steht vor der Herausforderung Nachhaltigkeit. Die Erzeugung vieler Lebensmittel ist mit hohen Umweltbelastungen verbunden, was auch mit potenziellen Gesundheitsgefährdungen beim Konsum verbunden sein kann (z.B. durch Pestizideinträge in der Landwirtschaft). Oft sind die Arbeitsbedingungen der diese Lebensmittel herstellenden Menschen erniedrigend und ausbeuterisch, wie uns dokumentarische Kinofilme in letzter Zeit gezeigt haben (etwa bei der Produktion von Tomaten in Südspanien). Auch wenn das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage im Ernährungssystem aus verschiedenen Gründen nicht immer funktioniert, können Konsument/innen durch ihr Nachfrageverhalten zumindest einigen Einfluss auf die Entwicklung des Ernährungssystems in Richtung Nachhaltigkeit ausüben. Doch nachhaltiges Ernährungshandeln ist alles andere als voraussetzungslos, einer Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen stehen oft die alltäglichen Ernährungs- und Lebensbedingungen entgegen. Deshalb müssen Nachhaltigkeitskonzepte den Ernährungsalltag der Menschen und die sozialen und kulturellen Kontexte, innerhalb derer Ernährungshandlungen vollzogen werden, ernst nehmen.
Im vorliegenden Beitrag wird die Herausforderung Nachhaltigkeit primär aus Konsumperspektive betrachtet. Welche Möglichkeiten bieten heutige Ernährungsverhältnisse für nachhaltiges Essen, welche Schwierigkeiten stehen dem entgegen? Schwerpunkt der Analyse werden Ernährungsbiographien und die Bedeutung des Erwerbs von alimentären Kompetenzen sein. Der folgende Abschnitt wird kurz einige theoretische Perspektiven für die Untersuchung von Ernährungspraktiken skizzieren, bevor empirische Befunde zur genannten Thematik diskutiert werden. Abschließend wird die Frage nach der Steuerbarkeit von Ernährungsprozessen gestellt.