Doron Kiesel, Werner Schneider-Quindeau
22 Seiten · 5,71 EUR
(Juni 2003)
Aus der Einleitung des Herausgebers:
Die gemeinsamen Wurzeln jüdischer und christlicher Wirtschaftsethik, zentriert in dem Begriff „Gerechtigkeit“ (Zedaka) und Barmherzigkeit, arbeiten Doron Kiesel und Werner Schneider-Quindeau in ihrem gemeinsamen Beitrag heraus. In der Tat ist das christliche Doppelgebot der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten nichts anderes als eine Zusammenfassung der entsprechenden beiden alttestamentarischen Gebote. Dabei betont Doron Kiesel die Tradition sozialen Handelns in der jüdischen Gemeinschaft, die Armenpflege als einen integralen Bestandteil im Selbstverständnis eines jeden Gemeinwesens auffasst. Damit wird der Einzelne nicht davon entlastet, nach Maßgabe seiner Kräfte zu seinem Lebensunterhalt und zum Wohl der Gemeinschaft beizutragen, aber ihm erwächst auch ein Anspruch auf Hilfe durch diese Gemeinschaft, wenn er einmal auf sie angewiesen ist.
Werner Schneider-Quindeau betont in seinem Teil des gemeinsamen Beitrags die jüdische Tradition von Gerechtigkeit und Erbarmen als Quelle christlicher Wirtschafts- und Sozialethik. Darüber hinaus stellt er das heute weltweit diskutierte Konzept der „Nachhaltigkeit“ in einen engen Bezug zur Sabbatruhe, zum Erlass- und zum Jubeljahr als zentralen Symbolen von Gemeinschaftsstiftung und Gemeinschaftserhalt. Es wäre einmal sehr aufschlussreich, diese bisher wenig gesehene Traditionslinie mit der seit dem Spätmittelalter entstandenen Auffassung von „Nachhaltigkeit“ als einem zunächst forstwirtschaftlichen, später umfassenden Konzept des Wirtschaftens zu kontrastieren.