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Tuesday, December 12, 2017
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Herder - Eine Skizze seiner Geschichtsphilosophie
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Herder - Eine Skizze seiner Geschichtsphilosophie

18 pages · 4.61 EUR
(October 2001)

 
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Aus der Einleitung:

Unter den vier Klassikern von Weimar ist Johann Gottfried Herder (1744-1803) zweifellos der am schwersten zugängliche. Über den bloßen Namen hinaus ist er kaum noch bekannt; selbst die Titel seiner Hauptwerke haften nicht mehr im Gedächtnis der ?Gebildeten?. Herder war vor allem Kultur- und Geschichtsphilosoph, Literaturtheoretiker, Sammler und Übersetzer von Volksliedern, im Hauptberuf Theologe. Als ein sehr vielseitiger Denker der Aufklärung (gelegentlich auch Dichter) lässt er sich nur mit Mühe in Schubladen einordnen. Heutige Leser werden eher abgeschreckt durch den unsystematischen, oft fragmentarischen Charakter seiner Schriften, durch seine affektbetonte, sprunghafte und bilderreiche Schreibweise. Für das Herdersche Gesamtwerk ist keines der akademischen Fächer so recht zuständig. Den Philosophen erscheint es meist zu poetisch, den Literaturwissenschaftlern meist zu philosophisch. Im germanistischen Lehrbetrieb wurden vorzugsweise die Schriften zur Sprache und Literatur berücksichtigt. Allerdings hat die Herderforschung in den letzten Jahrzehnten quantitativ wie qualitativ ganz erhebliche Fortschritte gemacht.

In gewissem Sinne ist die spezifische Leistung Herders gerade durch seinen wirkungsgeschichtlichen Erfolg verdunkelt worden. Denn viele Geister haben seine Leitideen aufgenommen, aber zugleich ihrer eigenen Gedankenwelt anverwandelt. Der Ideenreichtum dieses ?Vorläufers? und Anregers findet sich namentlich bei Goethe und Hegel aufgehoben (d.h. nach der dreifachen Wortbedeutung: aufbewahrt, emporgehoben, ? abgeschafft). Herders Postulat einer natur- und volksnahen Dichtung hat den jungen Goethe entscheidend geprägt. Die Einsicht, dass die Poesie ursprünglich nicht an Fürstenhöfen und in Gelehrtenzirkeln beheimatet war, sondern als Mitgift der ganzen Menschheit, ja als ein anthropologisches Vermögen zu betrachten sei, wurde grundlegend für die klassische deutsche Literaturepoche. Die Poesie ist demnach eine Naturanlage, die sich einerseits im Volk als Sprachkollektiv (Volkslieder, Volksballaden) verkörpert, andererseits in einzelnen, spontan auftretenden Genies zur Vollendung kommt. Herder als Verfechter einer nicht mehr ständischen oder zunftmäßigen Naturpoesie ist durch die Goethesche Erlebnisdichtung praktisch überholt worden. Sein Konzept einer universal zusammenhängenden, allerdings nicht schematisch konstruierbaren Menschheitsgeschichte wurde von Hegels System der dialektisch sich höherentwickelnden Weltgeschichte überboten und schließlich verdrängt. Hegel war sicherlich der Haupterbe des Herderschen Geschichtsdenkens, obwohl er die Erbmasse mit dem Übergang von der Aufklärung zum Idealismus stark umgemodelt hat. Paradoxerweise ist später auch der hegelfeindliche, restaurative, fortschrittsverneinende Historismus Rankescher Prägung auf bestimmte Prämissen Herders zurückgeführt worden. Davon wird im Schlussteil dieses Aufsatzes noch die Rede sein.


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Dr. Jürgen Schramke

Germanist und Romanist, Privatdozent für neuere deutsche Literatur an der Universität Göttingen. Arbeitsschwerpunkte: europäische Aufklärung, klassische deutsche Literaturepoche.

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