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Saturday, February 24, 2018
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Impulse sozialdemokratischer Remigranten auf die Modernisierung der SPD
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Impulse sozialdemokratischer Remigranten auf die Modernisierung der SPD

20 pages · 3.06 EUR
(August 1997)

 
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Aus der Einleitung:

Der Einfluß von Emigranten bzw. Remigranten auf die Politikgestaltung in Nachkriegsdeutschland allgemein und der sozialdemokratischer Remigranten auf die Politik der SPD in der Bundesrepublik Deutschland im besonderen ist seit Werner Röders Untersuchung über die deutschen sozialistischen Exilgruppen in Großbritannien als Fragestellung opinio communis. Gerade im Zusammenhang mit den historiographischen Paradigmenwechseln oder den Irritationen, die die deutsch-deutsche Vereinigung in der Retrospektive auf die gemeinsame Vergangenheit des Dritten Reichs und der “Arbeiterbewegung” ausgelöst hat, und nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Roßtäuscher-Debatte, die sich gegenwärtig mit dem Namen Goldhagen verbindet, vermag das Thema unter dem Gesichtspunkt neuer/alter Fragestellungen durchaus aktuelle Brisanz zu gewinnen: Das bezieht sich allerdings weniger auf die berüchtigte, schon 1941 von Lord Robert Vansittart aufgeworfene Frage der Kollektivschuld; vielmehr geht es um das Problem von Kontinuitäten und Diskontinuitäten − Kontinuitäten und Erneuerungsprozesse nicht nur über die angebliche “Stunde Null” hinweg, sondern von Weimar − oder sogar vom Kaiserreich − zur Bundesrepublik. Es geht vor allem um den Einfluß des sogenannten “anderen Deutschland” auf die neuen politisch-gesellschaftlichen Formationen im Raum des 1945 zerschlagenen Deutschen Reichs, die sich in den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter dem durchaus unterschiedlichen Zugriff der jeweiligen Besatzungsmächte neu gestalteten, konkret um Rolle und Funktion der Exil- Sozialdemokratie bzw. der remigrierten Sozialdemokraten im Spiel mit 1945 neu gemischten Karten.

Die sozialdemokratischen Remigranten kehrten nach 1945 − nicht zufällig − ganz überwiegend in die westlichen Besatzungszonen zurück. Hatte ursprünglich eine Schicksalsgemeinschaft im Exil bestanden, die allerdings spätestens im Gefolge des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 auch nach außen hin zerbrochen war, so bedeutete nach 1945 die Entwicklung in der sowjetisch besetzten Zone für die sozialdemokratischen Remigranten durchaus auch eine Selbstbestätigung − als Kontrastfolie und als permanenter Anschauungsunterricht hinsichtlich der Gültigkeit der eigenen, im Exil durchlaufenen politisch-gesellschaftlichen Lernprozesse und einer zumeist nicht ohne inneres Bauchgrimmen getroffenen, lebensgeschichtlich fundamentalen Grundsatzentscheidung.

Die folgenden Überlegungen betreffen allerdings weniger die alten “Weimarianer” innerhalb der sozialdemokratischen Rückkehrer, also jene Gruppe, die als Mandatare auf kommunaler, Länder- und Reichsebene in der Weimarer Republik z.T. langjährige Erfahrungen in Politikgestaltung und Reformhandeln gemacht und hier bereits wesentliche Voraussetzungen für einen Wandel von politischem Bewußtsein und Parteiverständnis gewonnen hatte. Im Zentrum stehen vielmehr die linken, häufig “jungen” sozialdemokratischen Militanten, die in den letzten Jahren der Weimarer Republik entweder dem linken Flügel der Sozialdemokratie oder den von ihr abgesplitterten “linken Zwischengruppen” wie der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) oder Neu Beginnen angehört hatten und nach 1933 sowohl Träger des Widerstands gegen Hitler wie maßgebliche Kraft innerhalb des sozialistischen Exils wurden.

Rund 6.000 Sozialisten und Sozialdemokraten emigrierten nach 1933 aus politischen Gründen (wobei viele auch von “rassischer” Verfolgung bedroht waren). Man schätzt, daß rund die Hälfte dieser sozialdemokratischen Emigranten nach Kriegsende, und zwar auf dem raschestmöglichen Wege, in ihre Heimat bzw. in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands zu rückkehrten − mit dem expliziten Wunsch, einen Beitrag zum Wiederaufbau zu leisten. Am Ende des Exils war das programmatische Gepäck zusammengestellt, mit dem die Remigranten nach Deutschland zurückkamen. Aus einer Reihe von Gründen konnten sie dieses programmatische Gepäck nach ihrer Rückkehr jedoch gewissermaßen nur abstellen bzw. in die Aufbewahrung geben, jedoch noch nicht gründlich auspacken.


quotable essay from ...
Rückkehr und Aufbau nach 1945
Claus-Dieter Krohn, Patrik von zur Mühlen (Hg.):
Rückkehr und Aufbau nach 1945
the author
Dr. habil. Hartmut Mehringer

Leiter des Archivs am Institut für Zeitgeschichte, München,