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Thursday, November 23, 2017
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Interessengruppen und Economic Performance
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Interessengruppen und Economic Performance

82 pages · 8.77 EUR
(March 2008)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Interessengruppen waren das Lebensthema von Mancur Olson. Klaus W. Zimmermann und Daniel Horgos widmen ihren Beitrag „Interessengruppen und Economic Performance. Auch eine Hommage an Mancur Olson“ nicht nur dem Einfluss von Interessengruppen auf Staat, Gesellschaft und makroökonomische Variablen, sondern auch und speziell diesem vor einigen Jahren verstorbenen großen Polit-Ökonomen. Nach einer kurzen Einführung in die Olsonschen Gedankengänge wird zunächst gefragt, welche Kalküle ein einzelner Akteur anstellt, um seine Mittel zwischen produktiver und redistributiver Verwendung (Lobbying) aufzuteilen; das Lobbyoptimum ergibt sich in diesem Modell dann, wenn die marginalen Nettonutzen in beiden Verwendungen gleich sind. Festzuhalten ist hier, dass bei Vorliegen von responsive government (einer regulierungs- und transferwilligen Regierung) immer mit der Organisation von Interessengruppen zwecks rentseeking zu rechnen ist, so dass auch immer ein Teil der verfügbaren Ressourcen für dementsprechendes Lobbying eingesetzt wird; da aber Redistribution und rent-seeking kein Sozialprodukt und damit auch kein Wachstum erzeugen, muss bei responsive government immer die Wachstumsrate unter der potentiell möglichen liegen.

Anhand eines einfachen Modells des Gruppenverhaltens wird dann untersucht, welche Strategie für die einzelnen Interessengruppen im Umverteilungsstaat dominant ist, wobei hier am relativen Anteil der Interessengruppen am Sozialprodukt als strategischer Variable angesetzt wird. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, mehr pro Kopf zu bekommen: Wachstum und/oder Umverteilung, wobei Umverteilung von anderen notwendigerweise Lobbytätigkeit voraussetzt. Da die Produktion von Wirtschaftswachstum aber immer mit hohen positiven Externalitäten verbunden ist, für die einzelne Interessengruppe also hohe Sickerverluste auftreten, wird grundsätzlich die Umverteilungsstrategie vorgezogen. Im Rahmen eines Vier-Felder-Schemas wird dann zur weiteren Fundierung der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen eine einzelne Interessengruppe die Anteilserhöhungs- oder Anteilssenkungsstrategie wählen wird; es zeigt sich dabei, dass bei der Anteilserhöhungsstrategie die notwendigen Wachstumsfaktoren des Sozialprodukts wesentlich niedriger liegen können als bei der Anteilssenkungsstrategie, und da höhere Wachstumsfaktoren weniger wahrscheinlich sind als niedrigere, tendieren die einzelnen Interessengruppen zur sichereren Seite, also zur Anteilserhöhungsstrategie. Dies gilt auch deshalb, weil die Senkungsstrategie ja nur dann Sinn macht, wenn sich die wesentlichen konkurrierenden Gruppen ebenso verhalten; allerdings muss jede gemeinwohlbewegte Interessengruppe immer damit rechnen, dass Konkurrenten defektieren, denn Defektion ist immer profitabel, wenn sich die anderen an die Abmachung halten. Da die einzelne Interessengruppe rationalerweise denkt, dass alle so denken, ist diese Strategie wenig erfolgversprechend und also Anteilsvergrößerung für die Einzelgruppe die dominante Strategie. Da aber dann alle so denken, führen Anspruchsinflation und Verteilungskonflikte zu Druck auf das Sozialprodukt-Wachstum, und es ist möglich oder zumindest nicht auszuschließen, dass dann alle weniger pro Kopf bekommen. Das Interaktionsergebnis der Interessengruppen steht im Mittelpunkt des folgenden Abschnitts; mit Hilfe eines induktiven Modells wird versucht, die beiden Strategien in Verbindung mit der Zahl von Interessengruppen im Hinblick auf Wachstum zu untersuchen und die strategische Rolle von encompassing groups herauszuarbeiten. Dazu dient zunächst folgende Überlegung: Jede Interessengruppe kalkuliert beim Zutritt zum Lobbymarkt nur die Wirkung der vorhandenen Interessengruppen auf ihre Erfolgsaussichten; was irrelevant für sie erscheint, sind dagegen die Effekte des eigenen Zutritts auf alle vorhandenen. Der Zutritt erzeugt also marginale soziale Kosten, die größer sind als die marginalen privaten Kosten des Lobbying, und insoweit ist jede Gruppe auf dem Markt der Interessen Ursache wie auch Opfer von Externalität. Das Modell zeigt denn auch eindeutig, dass die Anspruchssteigerungsstrategie grundsätzlich ins Abseits führt, weil sie durch den negativen Wachstumseffekt überkompensiert wird; das Modell zeigt aber auch, dass durch die Reduzierungsstrategie zwar ein maximaler Steigerungsfaktor des Einkommens pro Kopf der Gruppe erreicht werden kann, dieser jedoch bei wenigen Gruppen, die sich zu einer Anspruchsreduzierung verstehen, geringer ist als bei vielen, aber das höhere Maximum bei Beteiligung vieler Gruppen auch mit mehr Anspruchsreduzierung für alle bezahlt werden muss. Wenige (große) Gruppen haben also aufgrund der relativ geringeren potentiellen Gewinne bei der Anspruchsreduzierungsstrategie nur einen moderaten Anreiz, diesen Weg zu gehen; viele (kleine) Gruppen dagegen hätten einen weitaus höheren Anreiz, aber das Problem der hohen Koordinationskosten und des unsicheren Handelns hinsichtlich der notwendigen Parallelität der vielen und der Akzeptanz der Strategie bei ihren Mitgliedern. Als second-best-Lösung bleibt als Ausweg aus diesem Dilemma nur die heilsame Wirkung der encompassing groups, deren Kalküle den theoretischen Teil abschließend in Anlehnung an ein Modell von Margolis betrachtet werden: Zu den encompassing groups zu gehören, bedeutet immer, sich der höheren Einsicht in die negativen Wirkungen des Interessenpartikularismus zu beugen und als Großgruppenmitglied die Ansprüche zurückzunehmen. Dabei ist diese Rücknahme durchaus im Eigeninteresse der Großgruppenmitglieder, denn sie sind ja ex definitione im Gegensatz zum wilden Haufen der special interest groups auch gemeinschafts- und gemeinwohlorientiert; nur dadurch, dass sie sich zurücknehmen, können sie das bisherige Wachstum des Sozialprodukts pro Kopf für sich und damit für alle stabilisieren: Sie produzieren also auch ein öffentliches Gut insoweit, wie durch die Stabilisierung der Wachstumsrate beispielsweise die Arbeitslosigkeit verringert werden kann.


quotable essay from ...
the authors
Prof. Dr. Klaus W. Zimmermann

Institut für Finanzwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universtität, Universität der Bundeswehr Hamburg, kwzi@hsu-hh.de; Hauptarbeitsgebiete: Neue Politische Ökonomie, Verfassungsökonomie, Umweltökonomik.

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Daniel Horgos
Daniel Horgos

Institut für Wirtschaftspolitik, Helmut- Schmidt-Universtität, Universität der Bundeswehr Hamburg; Hauptarbeitsgebiete: International Trade, Labor Economics.