Beschreibung
In den letzten Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit der Globalisierungsdebatte, gibt es eine spürbare Renaissance der Kapitalismuskritik. Dieser Tagungsband leistet einen Beitrag zur Kapitalismusdebatte, wenngleich die Aufsätze nur punktuell und aus verschiedenen heterogenen Perspektiven Kritik und Reformaspekte beschreiben.
Mehrere Aufsätze beschäftigen sich mit der Frage, ob angesichts der teilweise katastrophalen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der real existierenden Sozialismusexperimente alternative Ordnungssysteme jenseits des neoliberalen Projekts überhaupt (noch) denkbar sind. Sind Kritiker des Kapitalismus also notwendigerweise unbelehrbare Utopisten oder gilt es, gerade auch den Neoliberalismus als Vision und Idee zu begreifen und einer kritischen Auseinandersetzung zu unterziehen? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Ordoliberalismus? Wird ökonomischer Fortschritt allein durch privatwirtschaftlich organisierte Eigentumsverhältnisse garantiert? Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Fragen zur Chancengleichheit, der Rolle des Verbrauchers, Migration und Arbeitslosigkeit.
Inhalt
- Hubert Hieke
Einleitung
- Claus Thomasberger
Gesellschaftliche Freiheit und Marktordnung: Karl Polanyi versus Friedrich v. Hayek
- Walter O. Ötsch
Bilder der Wirtschaft. Metaphern, Diskurse und Hayeks neoliberales Hegemonialprojekt
- Fritz Reheis
Die Rede vom Sachzwang. Über das Verschwinden und Wiedersichtbarmachen der Zeit
- Helge Peukert
Rudolf Bahro: Vom Kritiker des Sozialismus und Kapitalismus zum spirituellen Regenbogenökologen
- Johannes Berger
Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse. Erneute Begegnung mit einem alten Bekannten
- Nils Goldschmidt und Bernhard Neumärker
Kapitalismuskritik als Ideologiekritik. Der Freiburger Ansatz des "Ordo-Kapitalismus" als sozialwissenschaftliche Alternative zum Laissez-Faire-Approach
- Jürgen Backhaus
Mitbürger mit Migrationshintergrund sind unersetzlich für die Soziale Marktwirtschaft: Ein Blick in Werner Sombarts Modernen Kapitalismus
- Staffan Hultén
The New Manufactures - the exploitation of the customers
- Gerd Grözinger
Die Teilhabegesellschaft: ein Vorschlag zur Verwirklichung von Chancengerechtigkeit
- Hubert Hieke
Kann Workfare Vollbeschäftigung schaffen?
- Uwe Blien
Eine sozialökonomische Theorie der Arbeitslosigkeit
dem Verlag bekannte Rezensionen (Auszüge)
Zeitschrft für Politikwissenschaft, 10. Juni 2009, HR 5.45; NR 5.46, 2.3, 2.22 ()
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Die mit diesem Band dokumentierte Frühjahrstagung des Arbeitskreises Politische Ökonomie, die im Mai 2006 an der Universität Chemnitz abgehalten wurde, war der in den letzten Jahren erfolgten Wiederbelebung der Kapitalismuskritik gewidmet.
Dabei ging es weniger um eine umfassende Analyse, betont der Herausgeber, sondern darum, "punktuell und aus sehr heterogenen Perspektiven einzelne Aspekte der Kapitalismuskritik und -reform [zu] beschreiben" (7). Dazu zählen
ideologiekritische Auseinandersetzungen beispielsweise mit dem Argument vom ökonomischen Sachzwang (Fritz Reheis) oder dem von neoliberaler Seite gegen kapitalismuskritische Töne vorgebrachten Utopismusvorwurf (Claus Thomasberger).
Außerdem setzen sich die Autoren kritisch mit verschiedenen Theorieschulen und -ansätzen sowie aktuellen Reformvorschlägen auseinander. So fragt Johannes Berger, ob für ökonomischen Fortschritt die Produktionsverhältnisse (gemäß der These des ökonomischen Neoinstitutionalismus) oder die Produktivkräfte (gemäß der Annahme des historischen Materialismus) maßgeblich sind. Auch werden die Aktualitätsbezüge von Werner Sombart zum Thema Migration (Jürgen Backhaus) und von Rudolf Bahro hinsichtlich der von ihm beschworenen Apokalypse (Helge
Peukert) untersucht sowie der Ordoliberalismus gegenüber marktradikalen Ansätzen abgegrenzt (Goldschmidt/Neumärker). In drei weiteren Beiträgen geht es um Arbeitslosigkeit, Vollbeschäftigung und Sozialreform. Für Letztere greift Gerd
Grözinger den in den USA entwickelten Vorschlag einer Stakeholder-Gesellschaft auf und skizziert ein Modell der Teilhabegesellschaft, mit dem das Prinzip der Sozialerbschaft in Deutschland umgesetzt werden könnte. Mit diesem breiten
Themenspektrum bietet der Band vielfältige Anregungen für die theoretische wie politikpraktische Reformdebatte.