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Monday, October 23, 2017
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Karl Marx

Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung: Produktion von Humankapital

"Ökonomische Essays"  · volume 13

118 pages ·  12.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-89518-712-4 (September 2008 )

 
 

Aus der Einleitung

Karl Marx ist mit dem Niedergang des real existierenden Sozialismus nicht mit untergegangen, sondern bleibt eine intellektuelle Potenz. Natürlich sind wir von seiner geschichtsphilosophischen Attitude des 19. Jahrhunderts heute nicht mehr begeisterbar. Auch halten wir seine Krisentheorie für fragil. Aber lesen wir ihn anderes, offenbaren sich moderne Aspekte, die wir ohne weiteres aufnehmen können, ohne uns in seiner Fortschrittsmetaphysik zu verlieren. Um das zu verstehen, bedarf es einer Rekonstruktion seiner Metaphysik der Produktion (Kap. 2). Der eigentliche Modernisierungsschritt aber ist die Analyse des Marxschen "Kommunismus", der fast ein liberales Modell anbietet: eine Bildungswelt des human capital (Kap. 3). Marx bleibt bei seinen wenigen Skizzen des Kommunismus extrem knapp, aber in den "Grundrissen" steht eine "Ökonomie der Zeit", die erklärt, was den Menschen geboten werden müsse im Kommunismus, dass sie Menschen bleiben und werden.

Dass Marx längst anders verortet wurde, zeigt sich in der Reinterpretation Walter Benjamins "Kapitalismus als Religion" (Kap. 4). Und dass Marxisten heute andere Antworten geben müssen, als sie noch immer meinen (be-) fragen zu dürfen, wird an einer Dekonstruktion einer Position Elmar Altvaters sichtbar, die in Kap. 5 angefügt ist.

Eindeutig wird Marx hier ausgebeutet: in Richtung eines tastenden Modernisierungsdenkers. So könnten wir ihm treu bleiben.

Zeitschrift für Politikwissenschaft, HR 5.1; NR 5.33, 5.46, 15.12.2009 ()

"Trotz des Niedergangs des real existierenden Sozialismus sieht der Autor nach wie vor eine intellektuelle Potenz in Marx' Werk "in Richtung eines tastenden Modernisierungsdenkens" (8). Insbesondere im seinem dritten Essay beschreibt Priddat dessen ökonomische Konzeption als "Ökonomie der Zeit" (31), in der es vor allem um die freie Entwicklung der Individualität und Bildung gehe. Durch erfolgreiche Technisierung verbleibe den Menschen im Produktionsprozess mehr freie Zeit, die sie für andere Produktionen unter und für sich selbst verwenden könnten. Weiter führt der Autor aus: "Eben dies ist die Struktur, die Marx Kommunismus nennt: eine Struktur der wechselseitigen Produktion der Menschen als Menschen - qua Bildung" (37). Damit sieht Priddat in Marx' Kommunismus wie er ihn versteht, eine nahezu liberale Konzeption. Denn der Kommunismus gebe den Menschen individuelle Freiheit zur Entwicklung, und sollte zudem gewährleistet sein, dass es keine ausbeuterischen Kapitalverhältnisse gibt, hat der Autor auch keine Einwände gegen Eigentum und Besitz. Ferner sei die freie Zeit Grundlage politischer Partizipation; so werde "endlich die abendländische Option eingelöst, mit einer Revolution Politik allen Menschen zugänglich zu machen" (55). Gleichwohl formuliert der Autor einschränkend eine Art Bildungs-Elite-Modell: "Kommunismus ist kein Humanismus in dem Sinne, dass er für alle Menschen sui generis gilt. Die Freiheit, politisch zu agieren, muss man sich durch 'höhere Tätigkeit' erarbeiten" (57). Außerdem setzt sich Priddat mit dem Denken Elmar Altvaters auseinander. Mit der Erosion der Normalarbeitsverhältnisse schwänden jene Normen, die einen Bezugspunkt aller Gesellschaftsmitglieder darstellten. Der Wohlfahrtsstaat setzt diesem Prozess eigentlich Grenzen, aber "der Erfolg des Kapitalismus als Globalisierungsinstanz sprengt diese Institutionen, verflüssigt sie, weshalb die Konnotation Globalisierung = grenzenloser Kapitalismus Verwendung findet" (117). Ob sich globale wohlfahrtsstaatliche Arrangements finden lassen, die die Krisentendenzen des Kapitalismus eindämmen, bleibt eine offene Frage."


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Prof. Dr. Birger Priddat
Birger Priddat Lehrstuhl für Politische Ökonomie, Universität Witten-Herdecke. [more titles]
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