Gustav Horn
39 Seiten · 5,95 EUR
(November 2008)
Aus der Einleitung:
Das Jahr 2008 könnte ein besonderes werden. Aus Sicht der Makroökonomie wird es vielleicht später einmal den Rang des Jahres 1975 einnehmen als Ähnliches geschah: Das herrschende wirtschaftspolitische Paradigma zerbrach an der harten Wirklichkeit. Seinerzeit war es die damals vorherrschende keynesianisch geprägte Wirtschaftspolitik, die zunächst noch nicht in der Praxis, wohl aber in der Wissenschaft und der wirtschaftspolitischen Beratung zunehmend ihren Rückhalt verlor. Heute ist es die neuklassische Theorie und die sie nutzende wirtschaftspolitische Strömung des Neoliberalismus, die an ihre Grenzen stößt. Hierzu haben nicht nur die in Deutschland mageren Jahre des Wachstums in Zeiten neoliberaler Reformen beigetragen, sondern vor allem die sich im Jahre 2007 abzeichnende und 2008 voll entfaltende Instabilität der Finanzmärkte. Dies sind ausgerechnet jene Märkte, die am wenigsten unter regulatorischen Beschränkungen oder gar Rigiditäten zu leiden hätten, wie dies für die Gütermärkte und vor allem für die Arbeitsmärkte vom vorherrschenden Paradigma unterstellt wird. Insofern hätten sie sich nach neoliberaler Sichtweise dynamisch und stabil entwickeln müssen. Eine Krise des zu beobachtenden Ausmaßes hätte überhaupt nicht entstehen dürfen; ebenso wenig wie nach damaligem keynesianischen Verständnis das gleichzeitige Auftreten von hoher Arbeitslosigkeit, hoher Inflation und ausufernder Staatsverschuldung. Diese Phänomene gilt es zu analysieren. Im folgenden Beitrag sollen die gleichsam meta-wirtschaftspolitischen Parallelen zwischen dem Jahr 1975 und dem Jahr 2008 aufgezeigt werden. Meta wirtschaftspolitisch, weil es nicht um eine umfassende Analyse der konkreten Wirtschaftspolitik in jenen Jahren geht, sondern darum, die Brüche zwischen den Erwartungen, die an eine konkrete Wirtschaftspolitik geknüpft waren, und der Realität aufzuzeigen. Die grundlegende These ist, dass solche Brüche Paradigmenwechsel begründen. Demnach stünde das Ende der neoliberalen Dominanz bevor. Aber was kommt danach? Sicherlich wird es keine Rückkehr zum Keynesianismus der siebziger Jahre geben. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seither grundlegend geändert. Vor allem die zunehmende weltwirtschaftliche Integration in Verbindung mit dem Aufstieg der globalen Finanzmärkte schafft neue Zwänge, aber auch neue Handlungsmöglichkeiten, denen ein in die Zeitläufe eingebetteter Keynesianismus adäquat begegnen muss. Dies soll an dieser Stelle skizziert werden.