Gustav Horn, Camille Logeay
18 Seiten · 5,10 EUR
(August 2005)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berechnet in seinen Jahresgutachten eine Lohnleitlinie, mit deren Hilfe eine beschäftigungsorientierte Lohnpolitik beschrieben werden soll. Basierend auf weitgehend traditionellen produktionstheoretischen Annahmen wird dabei eine Lohnpolitik vorgeschlagen, die gewöhnlich als ‚zurückhaltend‘ bezeichnet wird: Reallohnsteigerungen dürfen die um einen ‚Substitutionsfaktor‘ reduzierte Arbeitsproduktivitätszuwächse nicht übersteigen. Und tatsächlich wird dann auch eine zu expansive Lohnpolitik für die empirisch belegte Beschäftigungsentwicklung verantwortlich gemacht. Gustav A. Horn und Camille Logeay überprüfen die theoretische Stichhaltigkeit und empirische Belastbarkeit dieses Konzeptes. Es wird gezeigt, dass das Ergebnis mit den spezifischen Annahmen des Modells – insbesondere einer nicht weiter begründeten Nicht-Berücksichtigung des Einkommenseffektes von Lohnsatzänderungen, also der einkommensabhängigen Nachfrage – steht und fällt. Es zeigen sich aber auch logische Konsistenzprobleme, wenn einerseits eine konkurrenzmäßige Preisbildung (Gleichgewichtspreise), andererseits aber Nominal- und Reallohnsetzungen in Abweichung vom Marktgleichgewicht unterstellt werden, obwohl überall von vollständiger Konkurrenz ausgegangen wird. Schließlich führt eine fehlerhafte Wahl der relevanten Lohngröße zu dem erwähnten, für die faktisch betriebene Lohnpolitik wenig schmeichelhaften Ergebnis, dass allerdings anders ausfällt, wenn statt der Tarif-, die Effektiv- bzw. gar die Lohnkosten je Stunde (also inklusive der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung als relevanter Produktlohn) gewählt werden: Dann ist der nach dem fragwürdigen Konzept der Lohnleitlinien bestimmte Verteilungsspielraum nicht vollständig genutzt, jedenfalls keineswegs überbeansprucht worden.