Dierk Hirschel
23 Seiten · 5,82 EUR
(August 2005)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Dierk Hirschel befasst sich mit dem argumentativen Strategiewechsel der neoklassischen Argumentationsbastionen in Zeiten allgemein bescheinigter, im internationalen Vergleich moderater Lohn(stück)kostenentwicklung. Einerseits wird immer wieder in geradezu selbst immunisierender Weise behauptet, die beobachtbare Lohnentwicklung hielte noch nicht lange genug an oder sei, trotz alledem, einfach nicht hinreichend, oder es wird gar gegen den offenbaren Anschein behauptet, das der durch Produktivitätsentwicklung und tolerierter Inflationsrate bestimmte Verteilungsspielraum auch in den 1990er Jahren regelmäßig überzogen wurde, es also gar keine moderate Lohnpolitik gegeben habe. Dies geschieht auf der Grundlage theoretisch und empirisch äußerst fragwürdiger Modellannahmen wie die vollständige Substitutionalität der Produktionsfaktoren und die vollständige Informiertheit der Wirtschaftsakteure, die dann eine Optimierung des Faktoreinsatzes ermöglichen und die Beschäftigung von der relativen (realen) Faktorentlohnung abhängig macht und (dauerhafte) Arbeitslosigkeit zwangsläufig an eine übermäßige Entlohnung koppeln muss. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Berechnung einer ‚Entlassungsproduktivität‘, um die die beobachtbare Durchschnittsproduktivität bereinigt werden müsse, um auf die mit Vollbeschäftigung zu vereinbarende Produktivitätsentwicklung und den Verteilungsspielraum schließen zu können. Eine umfangreiche, international vergleichende 20-Länderstudie belegt hingegen, dass einfache monokausale Zusammenhänge zwischen Lohnzurückhaltung und Beschäftigung nicht belegt werden kann. Unter Berücksichtigung des in der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie völlig vernachlässigten Kaufkraftaspektes der Löhne wird vielmehr deutlich, dass negative Rückwirkungen der Lohnzurückhaltung wesentliche Begründungen der Wachstumsschwäche von Volkswirtschaften sein können.