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Saturday, October 21, 2017
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Lujo Brentano und die Ökonomien der Moderne

Wissenschaft als Erzählung, Empirie und Theorie in der deutschen ökonomischen Tradition (1871-1931)

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · volume 38

341 pages ·  38.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-89518-829-9 (September 2010 )

 
 

Lujo Brentano (1844-1931) war einer der populärsten deutschen Nationalökonomen seiner Zeit. Dagegen ist sein ökonomisches Werk von der dogmenhistorischen Forschung unbeachtet geblieben. Ist Brentano als Ökonom zu Recht der Vergessenheit anheim gefallen? Inwiefern lässt sich überhaupt von einer ökonomischen Lehre Brentanos sprechen, und welche Schlüsse sind daraus für die deutsche Nationalökonomie der Kaiserzeit zu ziehen? Dies sind die Fragen, denen Michael Seewalds Untersuchung nachgeht.

Der Fall Brentano verweist auf eine kulturelle Grundbedingung ökonomischer Theoriebildung: Ökonomische Zusammenhänge sind nicht naturgegeben. Das Ökonomische beschreibt ein offenes Wissensfeld, das Zusammenhänge zwischen den materiellen Voraussetzungen und den kulturellen Praktiken menschlicher Bedürfnisbefriedigung herstellt. Daher sind die Darstellungsformen ökonomischer Theorien - ihre Metaerzählungen, Leitfiktionen und Analogien - eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass ökonomisches Wissen überhaupt formuliert und vermittelt werden kann. So lassen sich aus den Veränderungen, welche diese Darstellungsformen durchlaufen, theoriegeschichtliche Erkenntnisse gewinnen, welche eine klassische dogmen- und politikhistorische Darstellung allein nicht leisten kann.

Auf diesem Hintergrund erscheint die vermeintlich theorieferne Literatur der Historischen Schule als Experimentierfeld angemessener ökonomischer Darstellung: Es geht den Ökonomen des Kaiserreichs darum, die Lehren der klassischen Theorie und der deutschen ordnungsökonomischen Tradition den Erscheinungen von demographischem Wandel, Industrieller Revolution und wissenschaftlich-technologischen Neuerungen anzupassen. Das Ringen der Nationalökonomen um die angemessene Deutung ökonomischer Zusammenhänge kristallisiert sich wie wohl nirgends sonst im Werk Lujo Brentanos, dessen Schriften einen Horizont von den Lehren der klassischen Theorie bis zu den Motiven der Grenznutzenlehre umspannen. Michael Seewalds Studie zeichnet nicht nur die Grundzüge und die Entwicklung der Brentanoschen Ökonomie nach - sie zeigt auch, dass die deutsche Ökonomie des Kaiserreichs ihren Platz in der Entstehungsgeschichte der modernen ökonomischen Theorie hat.

Frankfurter Allgemeine Feitung, 21.2.2011 ()

Denken in Ordnungen vor der Erfindung der Ordnungsökonomik - unter dieses Motto könnte man die soeben erschienene Dissertation von Michael Seewald stellen. Lujo Brentano, gleichwohl er neben Gustav Schmoller und Adolph Wagner zu den bekanntesten und einflussreichsten Nationalökonomen seiner Zeit gehörte, hat bislang in der Geschichte des ökonomischen Denkens nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. Zu Unrecht - wie Seewald in seiner kenntnisreichen und unterhaltsam zu lesenden Schrift unter Bweweis stellt ...

Hingegen ist die Nähe zum ordoliberalen Denken der Freiburger Schule offensichtlich: Die Geschichte der Sozialen Marktwirtschaft beginnt mit der historischen Schule, nicht nach deren Ende. Dass Seewald in seiner Analyse von Brentano und seinen Vorläufern immer wieder auch den Rekurs auf die literarischen Klassiker der Zeit sucht und bestehende Parallelen zu den Fragestellungen der Ökonomik aufzeigt, ist ein besonderer Leckerbissen seiner Arbeit."


the author
Dr. Michael Seewald
ist Finanzanalyst (ESSEC Paris, CFA-Charterholder) und hat ein geisteswissenschaftliches Studium mit Schwerpunkten in Wissenschafts- und Kulturgeschichte absolviert (Sorbonne Paris, Humboldt-Universität Berlin). Er arbeitet als Senior Analyst für Unternehmensratings bei einer internationalen Rating-Agentur in Paris. [more titles]
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  • "kenntnisreichen und unterhaltsam zu lesenden Schrift " ...
    Frankfurter Allgemeine Feitung, 21.2.2011 more...
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