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Tuesday, September 26, 2017
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Mythen und Kritik in der Ideengeschichte der USA

25 Porträts

395 pages ·  29.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1036-6 (January 2014 )

Hardcover, Fadenheftung, Lesebändchen, zahlreiche Abbildungen

 
 

Eine deutsche Ideengeschichte der USA liegt bisher nicht vor. Das deutsche Bild der US-amerikanischen Ideenlandschaft besteht aus vergleichsweise wenigen einsamen Höhen, repräsentiert durch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassungsdebatte und einige unter dem Titel "Pragmatismus" subsummierte Philosophen. Für die übrigen Zeiträume klafft eine große Lücke. Die vorliegende Ideengeschichte - 25 Porträts aus dem 17.-20. Jahrhundert - soll dem durch eine Fülle an Schriften von politisch tätigen "public intellectuals" abhelfen. In jedem Porträt werden auch die jeweils wichtigsten Werke gesondert vorgestellt.

Der Titel "Mythen und Kritik" deutet an, dass auch in der "liberal democracy" der USA eine Legendenbildung stattfand, die heftig umstritten war: etwa um die Realität von Chancengleichheit und Freiheit. Auch Legenden um historische Ereignisse wie das Zustandekommen der Verfassung (Charles Beard), die Black Reconstruction nach dem Bürgerkrieg (W.E.B. Du Bois) und den Eintritt der USA in die beiden Weltkriege wurden destruiert.

Die 25 Porträts sind jedoch keine Filiation "fortschrittlicher" Figuren im Sinne eines "anderen", die realen Verhältnisse verfälschenden Bildes der USA, denn zahlreiche Kritiker amerikanischer Mythen schrieben aus der Perspektive des "conservative thought". Dazu gehören der Calvinist Jonathan Edwards, Gründervater John Adams, die Sklavereibefürworter John Calhoun und George Fitzhugh, der Sozialdarwinist William G. Sumner, der Theologe Reinhold Niebuhr oder der Journalist Walter Lippmann.

Das Buch macht deutlich, dass das in Europa aktuelle Thema "gender, race, class" in den USA bereits vor mehr als einem Jahrhundert auf hohem Niveau diskutiert wurde.

Leibniz Online, Nr. 23 (2016) ()

"Für bemerkenswert und dem Zweck dieser Geistesgeschichte maximal entsprechend finde ich die an und für sich seltene und auf den ersten Blick überraschende Darbietungsart des umfänglichen, sich über ein halbes Jahrtausend erstreckenden Stoffes. Diese besteht darin, ihn statt in wie meist üblich historisch oder thematisch geordneten Kapiteln in insgesamt 25 individuellen Porträts nord-amerikanischer Denker, Politiker und Publizisten aus allen Zeitabschnitten US-amerikanischer Geschichte vorzuführen. Dieses Verfahren eignet sich einzigartig zur geistigen Spiegelung der einzelnen Geschichtsetappen und ethnischen Fraktionen eines Landes, das im Verlauf einer komplizierten Ethnogenese aus zwangsweise oder zufällig im Lauf der Kolonialgeschichte zusammenwürfelten Völkerschaften mit ganz verschiedenen populations- und generationsspezifischen Erfahrungen zu einer multirassischen und polyethnischen Nation wurde ̶ ein in Europa gänzlich ungewöhnlicher Vorgang. Übliche systemische oder historisierende Zusammenfassungen hätten das Bild in starkem Maße abgefälscht und die zu Europa bestehenden Differenzen minimiert, so verschieden waren die jeweiligen Herkunftskulturen und die Prozesse ihres oft lange verzögerten Zusammenwachsens ̶ im Unterschied zu den kulturell wie historisch relativ homogenen Völkern des alten Europa. Nicht zufällig spielten die komplizierten Beziehungen zwischen den "weißen", eurostämmigen Anglo-Amerikanern, die 1776 an die Stelle der britischen Kolonialmacht traten, einerseits, und den autochthonen indigenen bzw. aus Afrika als billige Arbeitskräfte zwangsimportierten Negersklaven andererseits, eine erschwerende und verzögernde Rolle beim "nation building". Das wird schon erkennbar bei Gründung der USA im vergeblichen Versuch der Väter der Nation ̶ Jeffersons, Franklins (ein "Aufklärer ohne Utopie") und Adams ̶, die mit der USA-Verfassung gleichgesetzten "Menschenrechte" mit der Sklaverei der Schwarzen und der Unterdrückung und Entrechtung der Ureinwohner (der fälschlich sogenannten "Indianer") zu verbinden.

(p> Als sehr stark, ja als in jeder Hinsicht beeindruckend empfand ich die Kapitel "Frauenrecht, Minderheiten und Religionskritik" und "Absage an Kinder, Küche und Frauenrolle", in denen welteinmalige Parforceleistungen tapferer und unermüdlich in der Öffentlichkeit für die Emanzipation auftretender USA-Frauen gewürdigt werden. Zu ihnen gehören die aus Berlin stammenden Geschwister Sarah und Angelina Grimké, für welche es im damaligen Europa keine auch nur annähernde Parallele gab: das Kuriose und Einmalige an diesen von Sylvers wiederentdeckten Heldinnen des amerikanischen Alltags ist jedoch, dass sie ursprünglich lediglich für die Abschaffung der Sklaverei und gar nicht für ihre eigene Emanzipation agierten bzw. agitierten - laut Abraham Lincoln gab erst eine Frau, die Schriftstellerin Harriet Beecher-Stowe mit ihrem Bestsellerroman Onkel Thoms Hütte das endgültige Signal zur Abschaffung der Sklaverei. Doch als diesen USA-Frauen als Frauen auf dem Londoner Antisklaverei-Kongress aus antifeministischem Vorurteil heraus der Zutritt zum Verhandlungssaal verweigert wurde, vereinigten sie ihren Kampf für die Sklavenbefreiung mit der Forderung nach weiblicher Emanzipation. Diese Lesestücke aus dem Alltagsleben der USA fesselten mich fast noch stärker als die rhetorischen Glanzstücke der politischen Wortführer der Abolitionisten. ...

(p> Sylvers/Sylvers haben ein bemerkenswertes Buch über die kritische wie mythologisierende Selbstdarstellung der USA mit großem Erkenntniswert für den deutschen Leser verfasst, das zum Abbau mancher Vor- und Fehlurteile beitragen kann.

(p> Diese Darstellungen der Sylvers belegen, dass im politischen Alltag und in der Öffentlichkeit der USA im 19. Jahrhundert ein direkt-demokratisches Gemeindeleben vorgeherrscht haben muss, das es in Deutschland nie gab und auch im übrigen Europa selten vorkam und das den Mythos von den USA als Mutterland der Demokratie durchaus rechtfertigte. Der Demokrat Abraham Lincoln legte großen Wert auf den direkten Dialog mit Menschen aus dem Volk, auf den damals traditionellen "öffentlichen Diskurs" auch mit dem Mann von der Straße. Diesem USA-typischen demokratischen Direktdiskurs sagte der US-Medienkritiker Neil Postman in seinem Bestseller Wir amüsieren uns zu Tode nach, dass er "kohärent, ernsthaft und rational" geführt wurde, jedoch unter der Vorherrschaft des Fernsehens dieser direkte Dialog verkümmerte und verschwand.



Archiv für Sozialgeschichte, 23.7.2015 ()

"In 25 Einzelporträts von Roger Williams bis John Kenneth Galbraith, Paul Baran und Paul Sweezy sind sie bemüht, die amerikanische Ideengeschichte über dreieinhalb Jahrhunderte zu akzentuieren. Auf diese Weise werden zwar die ausgewählten Persönlichkeiten ins Licht gerückt. Doch wie bei jeder Auswahl ist damit unvermeidlich die Diskussion eröffnet, warum A ausgewählt wurde, aber B nicht. Dass bei der hier präsentierten Auswahl die politische Einstellung der Autoren mitunter eine Rolle gespielt haben könnte, könnte darin zum Ausdruck kommen, dass Karl Marx laut Personenindex zu den meistzitierten Autoren gehört. Das Urteil von Marx zu dem einen oder anderen Autor einzustreuen, ist ohne Frage legitim und mag durchaus ein interessantes Aperçu darstellen. Eine Auswahl zur amerikanischen Ideengeschichte wird sich jedoch anders begründen müssen. Hier liegt in der Tat das Verdienst dieses Streifzugs, dass auf diese Weise neben bekannten Vertretern der amerikanischen Ideen- und Geistesgeschichte auch so manch anderer, eher aus der zweiten oder dritten Reihe zu Wort kommt, der ungeachtet seines Einflusses in seiner Zeit heute eher lediglich in Fußnoten, wenn überhaupt, auftaucht, darunter etwa Henry Charles Carey, Lewis Henry Morgan oder Charlotte Perkins Gilman. Erkauft wird dieser Vorzug allerdings damit, dem gewählten Zugriff sei es geschuldet, dass die großen Themen der amerikanischen Ideengeschichte nur sozusagen durch die Hintertür eben über die behandelten Personen, wenn überhaupt, hereingeholt werden. Auch wenn das Buch nicht über eine Pauls Band vergleichbare souveräne Literaturbasis verfügt, ist seine Lektüre sicherlich die erfrischendere, selbst wo man mit dem einen oder anderen Urteil nicht übereinstimmen mag. Eine amerikanische Ideengeschichte zu schreiben, stellte ohne Frage gerade in der heutigen Zeit eine besondere Herausforderung dar, der sich kaum einer stellen mag. Insofern ist bei aller Kritik der Versuch der Sylvers einer Annäherung an das Thema durchaus begrüßenswert und kann die Auseinandersetzung mit diesem vernachlässigten Thema nur fördern."

UZ - Unsere Zeit, 16.1.2015, S. 10 ()

"Mir will scheinen, dass die deutsche Philosophie ausgeprägt abstrakt-akademisch war. In den USA war das offenbar anders. Hier ging es mehr darum, Geisteshaltungen unmittelbar in der Praxis anzuwenden, was wohl auch mit einem gewissen Maß an Geringschätzung - vielleicht sogar Verachtung - des abstrakten Denkens einherging. ... Wenn es um Theorie ging, war das "amerikanische Denken", so mein Eindruck, zumeist ausgerichtet auf praktische Forderungen (z.B. Sklavenbefreiung, Durchsetzung des Frauenwahlrechts etc.) ... Da das Ziel der Autoren erklärtermaßen darin besteht, das bestehende deutsche Bild der US-amerikanischen Ideenlandschaft korrigieren zu wollen, ist die Messlatte hoch gelegt. - Dieses Ziel wurde zweifelsohne nicht erreicht. Eine umfassende, systematische Ideengeschichte der USA ist also noch zu schreiben. Verdienstvoll ist es dennoch, dass den deutschen Lesern bemerkenswerte, interessante Persönlichkeiten vorgestellt werden. Wer sich mit Aspekten der Ideengeschichte der USA vertraut machen möchte, dem ist dieses Buch durchaus zu empfehlen."

Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, November 2014, S. 837-840 ()

"Die ausdrücklich auch für den Nichtfachmann geschriebenen verständlichen Skizzen enthalten jeweils eine kurze Einführung, Biographie und Zeitgeschichte. Sie bleiben aber stets auf die Personen, ihre persönlichen Hintergründe, Motive und auch biograpischen Zufälle konzentriert. Hinter den meist 10-15 Seiten umfassenden Portraits, die durch ein Bildportrait und wenige, ausgewählte Literaturangaben eingerahmt werden und mit einem (heute seltenen) umfassenden Personenregister am Ende, steckt eine Menge Arbeit und Kompetenz der Autoren, die sich sicher über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, mit der Materie befassten. Die Autoren haben ein feines Sprachgefühl, das Buch liest man auch diesbezüglich mit intellektueller Freude. ...

Nach einem sehr ansprechenden informativen und detaillierten Überblick über die Ideengeschichte in den USA setzt das Buch - zum Teil auch weniger bekannten - philosophisch anwendungsorientierten redlich Strebenden ein kleines und feines Denkmal und lässt die bunte Vielgestaltigkeit der Vorschläge und Ideen über drei Jahrhunderte exemplarisch aufscheinen. Den Leser umweht bei der Lektüre auch ein gewisses tragisches Gefühl der Vergänglichkeit des ehemals Gedachten und für richtig Befundenen. Es ist gut, dass mit diesem Buch den zurzeit niederschmetternden Erfahrungen Europas mit der Politik der USA ein Kontrapunkt gesetzt wird, der das nach wie vor bestehende wertvolle geistige Potential des Landes zum Ausdruck bringt und Brücken der Gemeinsamkeit andeutet, die hyperglobalisierter Freihandelsabkommen eigentlich nicht bedürfen."



Damals, 46. Jg., 11/2014, S. 47 ()

"Im Zentrum des Buchs stehen die oft religiös inspirierten Reformtraditionen und die Kritk des amerikanischen Kapitalismus, aber die als streitbare Linke bekannten Verfasser porträtieren auch Apologeten der Sklaverei (John C. Calhoun und George Fitzhugh), Sozialdarwinisten (William Graham Sumner) und skeptische Konservative (Walter Lippmann und Reinhold Niebuhr) mit Empathie für deren intelektuelle Welten. Mit ihrem durchgängigen Verweis auf die Verbindungen zur europäischen und deutschen Ideengeschichte distanzieren sich die Autoren bewusst vom "American Exeptionalism", also vom Mythos, die USA nähmen eine geistige und moralische Sonderstellung in der Geschichte ein. Zu diesem Mythos gehören der "amerikanische Traum" vom sozialen Aufstieg in einer vermeintlich klassenlosen Leistungsgesellschaft und die Vorstellung von der Selbstdurchsetzung der Freiheit und Demokratie, deren Kritik das Leitmotiv vieler Beiträge bildet.

Insgesamt wird das Buch seinem Anspruch, deutschen Lesern eine informative und kompetente Einführung in die US-Ideengeschichte zu geben, durchaus gerecht."



Weitere Informationen - Artikel, Interviews, Fotos ()

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Neues Deutschland, 4. Juli 2014, S. 16 ()

"Das amerikanisch-deutsche Autorenduo Malcolm Sylvers und Brigitte Domurath-Sylvers versucht nun mit seiner kritischen Untersuchung zur Ideengeschichte, mit Porträts ungewöhnlicher Amerikaner aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, genau diese Fehlstelle zu füllen. Es tut dies auf ebenso anschauliche und bildende wie seriöse und gewinnende Weise. Die Verfasser, er gebürtiger New Yorker und über 20 Jahre Geschichtsprofessor an der Università Ca'Foscari in Venedig, sie promovierte Berlinerin aus Neukölln, haben mit ihrer Konzentration auf 25 Personen einen Weg gewählt, der ihrer Geschichte Gestalt und Gesichter gibt - und ultimative Ansprüche unterlässt. Ihnen ist es vor allem wichtig, das europäische Vorurteil zu korrigieren, USA und Geistigkeit schlössen sich aus. Solche Überheblichkeit ist ja bis heute verbreiteter als eingeräumt. Auch die Linke ist alles andere als frei davon. Sylvers/Domurath gehen in ihrer Einführung darauf ein: "So berechtigt Europas Abwehr gegen US-Massenkultur sein mag, so perpetuiert sie aber als Nebeneffekt das generelle kulturelle Vorurteil gegen die USA. Selbst bei Humanwissenschaftlern lauert beim Stichwort USA untergründig die Vorstellung, dass dort in Hinsicht auf Ideen nichts ist und nichts war." Die Autoren wollen mit ihren Porträts belegen: Die USA haben vielfach originelle Geister hervorgebracht, ohne die das Land und seine Entwicklung nicht wirklich zu verstehen sind. So entdeckten sie in ihren Porträtierten manch wiederkehrenden Stilzug: "Es gibt eine Unerschrockenheit, persönlich für richtig Befundenes zu zeugen, ohne die Furcht davor, als 'radikal' zu gelten. Als Gründe dafür denkt man unwillkürlich an die Aufforderung im amerikanischen Calvinismus, die Schriften selbstständig zu interpretieren, an das quäkerische Gebot, seinem Gewissen allein zu folgen, an die Tradition der amerikanischen Gläubigen, Hierarchie abzulehnen und vor Obrigkeiten nicht zu früh zu kapitulieren." Vielleicht, so die These von Sylvers/Domurath, "haben US-Intellektuelle mehr als in Europa für ihre abweichende Meinung, die sie schriftlich darlegten, etwas Persönliches riskiert." [..] Ihre - leider nur bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts reichende - Galerie eröffnen Sylvers/Domurath daher mit dem Pfarrer Roger Williams, der sich im Gründerstaat Massachusetts (im Buch mit nur einem, nicht zwei »s« in der dritten Silbe) für die Idee der Trennung von Staat und Kirche einsetzt. Der Rezensent versucht nicht, hier alle 25 Porträts zu bewerten. Unter ihnen sind so naheliegende wie Benjamin Franklin oder John Adams und Thomas Jefferson (der zweite und dritte Präsident), so prägende wie der Aufklärer Frederick Douglass, entflohener Sklave und Leitfigur der Anti-Sklaverei-Bewegung vorm Bürgerkrieg, oder William E.B. Du Bois, einer der gelehrtesten Vertreter der Afroamerikaner. Aber auch hierzulande so Unbekannte und mitunter Überraschende werden vorgestellt, so die Schwestern Sarah und Angelina Grimké, Angehörige einer Familie von Großgrundbesitzern im Süden, Sklavereibekämpfer und frühe Feministinnen, Henry Charles Carey, der sich im 19. Jahrhundert für regionale Wirtschaftsentwicklung, Recycling und kurze Wege zwischen Produktion und Verteilung einsetzte, der Philosoph John Dewey, der Journalist Walter Lippmann und der Ökonom John Kenneth Galbraith. Wiewohl die Autoren linke Positionen erkennen lassen, war für sie "Fortschrittlichkeit" keine Aufnahmebedingung in die Reihe der Ideengeschichte. So finden sich in ihr auch Sklavereibefürworter wie John Calhoun, Theologen wie Reinhold Niebuhr oder Sozialdarwinisten wie William Sumner, im Einzelfall auch Personen, deren Berücksichtigung sich nicht recht erschließt. Die persönliche Bedeutung der Ausgewählten für deren Beitrag zur Ideengeschichte war den Autoren jedenfalls wichtiger als ihr Fortschrittsnachweis. Sylvers/Domurath: "Die Konstruktion eines 'anderen Amerika', dessen Denkerinnen und Denker eine 'richtigere' Richtung vertraten, haben wir nicht unternommen. Sie würde einen falschen Eindruck von der realen Geschichte geben - als wenn man beim Thema deutsche Diktatur nur auf den Widerstand zu sprechen käme." Mit diesem Verzicht bereichern Malcolm Sylvers und Brigitte Domurath ihre "Mythen und Kritik" und lassen am Beispiel manches Porträtierten ahnen, in welchen Punkten die USA sich auch anders hätten entwickeln können."

Portal für Politikissenschaft, veröffentlicht am 27.03.2014. ()

"Auch wenn zahlreiche Biografien und Einzeldarstellungen zeigen, dass die US-amerikanische Ideengeschichte im deutschsprachigen Raum Beachtung findet, liegt eine Gesamtdarstellung hierzulande bislang nicht vor. Der nun erschienene Band soll, nach eigenem Anspruch, Abhilfe schaffen. Die Autoren beleuchten anhand von Personen-Porträts politisches Denken vom 17. bis ins 20. Jahrhundert: von den Toleranzideen Roger Williams' über die der Verfassungsväter und der (Vor-)Denker der Gleichberechtigung von Frauen oder Afroamerikanern bis zu Reformgedanken des mittleren 20. Jahrhunderts. Europäische Immigranten, wie Erich Fromm oder Hannah Arendt, werden dabei bewusst außen vor gelassen. Die 25 Essays stellen jeweils eine Mischung aus Biografie, geschichtlichem Kontext und Werk-Beschreibung dar. Zumeist sind es Akteure des öffentlichen Lebens ("public intellectuals"), die ihr politisches Denken in Abhandlungen oder Reden fassen und sich damit in jeweils aktuelle Debatten einbringen; genuin abstrakte politische Theorie sei dagegen eher selten: "Die Vertreterinnen und Vertreter der US-Ideengeschichte beziehen sich fast immer auf ihre direkte politische Gegenwart, sodass, lässt man ihr Leben und ihre Schriften an sich vorüberziehen, auch ein Panorama der nationalen Geschichte mit ihren Charakteristika entsteht." (11) Und in der Tat lässt sich die US-Geschichte anhand der Porträts nachvollziehen. Der Titel des Buches mag dabei etwas irreführend sein. "Mythen" meint hier keineswegs Verschwörungstheorien oder Ähnliches. Die Autoren wollen vielmehr das politische Denken zur "Legendenbildung" - etwa um die reale Existenz von Chancengleichheit - ebenso rekonstruieren wie die Kritik an den jeweils bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Sie gehen davon aus, "die Besonderheit der nordamerikanischen Ideengeschichte" liege "gerade in ihrer Ungeradlinigkeit": "Beinah jedem geschaffenen Geschichtsmythos folgte dessen öffentliche scharfe Kritik auf dem Fuße." (12) Als Ergebnis steht keine systematische Gesamtschau, eher eine Summe von Einzelbeispielen, deren Auswahl zwangsläufig subjektiv sein muss. Die Essays sind in ihrem Aufbau nicht immer stringent, bisweilen gar sprunghaft in den Gedankengängen. Zu einzelnen Personen eignet sich das Buch - auch dank der Literaturhinweise - als Einführung, zumal die Sprache auch für interessierte Laien leicht verständlich gehalten ist. Dem Anspruch, "ein anfängliches Interesse vor allem bei Nicht-Fachleuten wecken" (15) zu wollen, werden die Autoren so zwar gerecht. Indes: Eine umfassende, systematische Ideengeschichte der USA legen sie damit nicht vor - das Warten geht also weiter."


the authors
Prof. Dr. Malcolm Sylvers
Malcolm Sylvers ist in New York (USA) geboren und hat in Brooklyn College, University of Wisconsin, Paris und Florenz studiert. Ab 1971 lehrte er in Italien, von 1982 bis zu seiner Emeritierung 2006 an der Università Ca‘ Foscari Venedig, wo er Ordentlicher Professor für Geschichte der USA war.
Dr. phil. Brigitte Domurath-Sylvers
im Berliner Schuldienst für Deutsch, Russisch, Englisch.
known reviews by the publisher
  • "ein in Thematik wie Struktur einmaliges, ja originelles Buch" ...
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  • "ist seine Lektüre sicherlich die erfrischendere" ...
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