Heinz Günter Clobes, Friedrich Hagedorn
14 Seiten · 4,06 EUR
(September 2008)
Aus der Einleitung:
„Nachhaltigkeit hat im Fernsehen kein Gesicht,“ lautete das kurz gefasste Resümee einer Studie, mit der das Adolf-Grimme-Institut Anfang 2004 eine Reihe von TV-Akteuren zur Präsenz von Nachhaltigkeitsthemen im Programm befragte und ausgewählte Sendungen beobachtete (Adolf-Grimme-Institut 2004). Dabei zeigte sich eine auffällige Diskrepanz zwischen persönlichen Einstellungen und professioneller Praxis: Während die überwiegende Anzahl der befragten Redakteure, Autoren und Produzenten wesentliche Aspekte des Leitbildes der Nachhaltigkeit – wie etwa soziale Verantwortung, Generationengerechtigkeit oder Umweltschutz – überaus befürwortete, so waren ihnen diese nicht als Elemente von Nachhaltigkeit bewusst geschweige denn als Maßstäbe oder Orientierung für die Programmgestaltung. Der Begriff Nachhaltigkeit und die mit ihm verbundenen Ansprüche wurden im Gegenteil als zu komplex, zu kopflastig, zu anspruchsvoll, zu unattraktiv – und daher insgesamt eben als untauglich und sogar als eher hinderlich für die konkrete Fernseh-Praxis angesehen. Dies reichte soweit, dass sogar Sendungen, die in der Studie als durchaus nachhaltigkeitsorientiert bewertet wurden – etwa im Aufzeigen von sozialen bzw. ökologischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen in einzelnen Politik- oder Wissens-Magazinen, von den eigenen Redakteuren nicht mit dem Nachhaltigkeitsleitbild in Verbindung gebracht wurden. Generelle Potenziale für eine Nachhaltigkeitsvermittlung wurden allenfalls bei Informationsprogrammen im Allgemeinen (Wissens-, Nachrichten-, Politik- und Wirtschaftssendungen), nur in Ausnahmefällen aber in der eigenen Programmverantwortung angesiedelt.