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Wednesday, September 20, 2017
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Ökonomik der "Langen Frist"

Zur Evolution der Wachstumsgrundlagen in Industriegesellschaftem

Hardcover, Fadenheftung

professorial dissertation

517 pages ·  39.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 3-89518-313-X (November 2000 )

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Trotz der zunehmenden Bedeutung institutioneller und evolutionärer Forschungsansätze in der Ökonomik wird die ökonomische Entwicklungstheorie nach wie vor von der Wachstumsproblematik dominiert. Eine systematische Einbeziehung institutioneller, historischer, geographischer, sozialer und politischer Faktoren sowie bedürfnistheoretischer Fragestellungen steht noch aus. Wegen der Konzentration auf (modell)theoretische Bedingungen des Wachstums sind dessen Folgen und Grenzen bislang allenfalls unter ökologischer oder ethisch-moralischer Perspektive in den Blick genommen worden.

Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist demgegenüber die Frage nach endogenen Wachstumsgrenzen als Folge sich verändernder sozioökonomischer Grundlagen in fortgeschrittenen Industriegesellschaften. Im Kontext der Analyse unterschiedlicher Theorien der »Langen Frist« kristallisierte sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die hierfür konstitutive menschliche Bedürfnisbefriedigung und -entwicklung als Schlüsselproblematik heraus. Es konnte gezeigt werden, daß die ökonomische Leitidee, unbegrenzte Bedürfnisse erforderten auch unbegrenztes Wachstum, auf spezifischen Prämissen und Verhaltensannahmen beruht, die keine raum-zeit-unabhängige Gültigkeit beanspruchen können.

Der säkulare Rückgang der Wachstumsraten in reifen Industrieländern kann aufgrund der Ergebnisse dieser Studie kaum als »Betriebsunfall« - etwa als Folge falscher wirtschafts- und ordnungspolitischer Weichenstellungen in der Vergangenheit - verstanden werden. Vieles spricht dafür, daß es sich um die späte Phase eines ungestörten, langfristigen, intensiven Wachstums handelt - ein der Konsumtions- und Investitionsentwicklung immanentes Phänomen mit nicht unbedeutenden Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik.

Wirtschaft und Gesellschaft, 4/2001, S. 539-545 ()

"Die institutionell evolutorisch angelegte Habilitationsschrift Reuters ist ein mutiges Unterfangen. Der Autor grenzt sich von vornherein gegen die vorherrschende Wachstumstheorie ab, da sie kaum institutionelle, historische, geographische, soziale, politische und bedürfnistheoretische Faktoren berücksichtigt. Ein treffenderer Untertitel des Buches könnte lauten: Zur Evolution der Wachstumsgrenzen in Industriegesellschaften. Reuter will die durch die Expansion des Wirtschaftssystems selbst verursachten Wachstumsgrenzen, insbesondere auf der bedürfnistheoretischen Seite, untersuchen (S. 15). Er begibt sich mit dem bedürfnistheoretischen Schwerpunkt und der Konzentration auf die lange Frist auf ein vom mainstream in der systematischen allgemeinen Theoriebildung weitestgehend vernachlässigtes Feld. ...

Zu würdigen ist Reuters gedankenvolles Bemühen um Argumente, das die Lektüre lohnt. Viel Arbeit steckt in seinem niveauvollen dogmengeschichtlich kritischen Streifzug durch die Literatur (zur Erinnernung: Smith, Ricardo, Malthus, Mill, Marx, Fourastié, Schumpeter, Keynes, Kondratieff, Lutz, Schmoller, Mitscherlich, Rostow, North, Hansen, Maslow usw.). Er behandelt die genannten Autoren sachkundig vor dem Hintergrund seiner Fragestellung. Der Vorwurf, er habe aus Mosaiksteinen nur intuitive Folgerungen gezogen, verfängt nicht, da interessante Aussagen und Vermutungen stets auf qualitativen Abduktionen (Peirce) beruhen. ... Die Hauptstoßrichtung seiner kritischen Arbeit beruht jedoch auf der Aussage, daß der Mensch nicht zwangsläufig unersättlichen marktvermittelten Güterhunger habe, sondern sich z.B. das Bedürfnis nach Achtung auch in nicht pekuniär Vermitteltem äußern könne, d.h. aber nur: kann, nicht muß. Der Mensch als frei wertendes Wesen kann den Weg zunehmenden Konsums nehmen, er muß aber nicht. Seine These objektiver Bedürfnis-Sperren läßt sich isoliert bedürfnistheoretisch nur schwer halten: Es erscheint nicht ausgeschlossen, mit superraffinierten UMTS Handys herumzufuchteln, deren Preis oder Wertschöpfung das Dreifache der heutigen Modelle ausmacht. Hier ist Wachstum möglich, auch wenn der Tag nur 24 Stunden hat und im Grunde keine wirklich neue Bedürfnisdimension hinzugefügt wird."




the author
Dr. Norbert Reuter
Norbert Reuter ver.di Bundesvorstand, Ressort Wirtschaftspolitik. Promotion 1993 (RWTH Aachen); Habilitation 2000 (RWTH Aachen); Oberassistent am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre der RWTH Aachen; [more titles]
known reviews by the publisher
  • "Die institutionell evolutorisch angelegte Habilitationsschrift Reuters ist ein mutiges Unterfangen." ...
    Wirtschaft und Gesellschaft, 4/2001, S. 539-545 more...
  • Neues Deutschland, 03.07.2001
  • Das Argument, 240/2001, S. 277-279
  • Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 222/2 2002, S. 286-287
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