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Wednesday, May 23, 2012
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Optimale Zentralbank-Verfassung
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Arne Heise

Optimale Zentralbank-Verfassung

Oder: Zur institutionellen Sicherung der Geldpolitik aus Sicht der postkeynesianischen Marktkonstellationsforschung

26 pages · 4.80 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Jürgen Kromphardt hat seine wissenschaftliche Arbeit immer in den Dienst der Gesellschaft gestellt – davon zeugen seine Veröffentlichungen, dies belegt seine Berufung in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR). Der SVR war 1965 als wichtigstes wirtschaftspolitisches Beratungsgremium der Bundesregierung geschaffen worden und sollte in der Folgezeit die Einhaltung der im so genannten ‚magischen Viereck‘ vereinten Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes überwachen.

Von diesen Zielen hielt Jürgen Kromphardt – vor dem speziellen Hintergrund der bundesdeutschen Wirtschaftsentwicklung – die ‚Preisstabilität‘ und die ‚Vollbeschäftigung‘ immer für die wichtigsten. Im Jahre 1987 veröffentlichte er ein Lehrbuch, das sich mit den dazugehörigen wirtschaftspolitischen Problemlagen, der Inflation und der Arbeitslosigkeit, beschäftigte.

Darin fällt zweierlei auf: Erstens lässt es sich Jürgen Kromphardt nicht nehmen – obwohl er als ‚keynesianisch orientierter Ökonom‘ bekannt ist –, die Pluralität wissenschaftlicher Ansätze und die mitunter daraus folgenden wirtschaftspolitischen Kontroversen zu beschreiben. Zweitens verweist er im Zusammenhang mit keynesianischer Beschäftigungspolitik auf die Notwendigkeit einer Abstimmung der verschiedenen makroökonomischen Politikbereiche. Ersteres, obwohl angesichts einer multiparadigmatischen Wissenschaft eigentlich selbstverständlich, findet sich leider in modernen Lehrbüchern immer seltener – womit ein wissenschaftlicher Konsens vorgegaukelt wird, den es so nicht gibt (und auch nicht geben kann). Letzteres ist erstaunlich, weil in der politischen Praxis der Bundesrepublik der Versuch einer Abstimmung im Rahmen der ‚Konzertierten Aktion‘ Mitte der 1970er Jahre gescheitert war und die theoretische Auseinandersetzung über Koordinierung der Wirtschaftspolitik oder ‚kooperative Wirtschaftspolitik‘ erst in den 1990er Jahren beginnen sollte.

Inflation und Arbeitslosigkeit haben nichts von ihrer Aktualität für die Wirtschaftspolitik hochentwickelter Volkswirtschaften verloren. Zwar hat es in Deutschland in den letzten 25 Jahren nur ein Jahr mit einer Inflationsrate von 5% oder mehr und auch nur vier weitere Jahre mit einer Inflationsrate von über 3% gegeben, dennoch spukt ein Aufflammen der Inflation immer in den Köpfen der Ökonomen und Wirtschaftspolitiker und bildet somit eine extrem belastungsfähige Restriktion, die wirtschaftspolitische Vorschläge immer zu beachten haben und deren Durchsetzung die Zentralbank im Zweifel zu verantworten hat. Und leider begleitet uns auch das Problem der Arbeitslosigkeit seit über 25 Jahren – die konjunkturelle Erholung der letzten Quartale wird zwar von manchem Politiker bereits als große Trendwende oder gar als Beginn eines neuen deutschen Wirtschaftswunders gepriesen, doch muss hier sicher Skepsis erlaubt sein (vgl. Heise 2008a).

Ich möchte im folgenden auf die Koordinierungsnotwendigkeit der makroökonomischen Politikbereiche zurückkommen und insbesondere danach fragen, ob eine ‚optimale‘ Zentralbank-Verfassung die Verwirklichung eines auf den Erhalt von Preisstabilität und Vollbeschäftigung gerichteten Policy- Mix ermöglichen könnte. Damit nehme ich einerseits die zunehmend Verbreitung findende Diskussion um das ‚Inflation Targeting‘ (IT) als neuen geldpolitischen Konsens und um einen Makroökonomischen Dialog (MÖD) als Koordinierungsinstitution auf – hoffentlich im Sinne von JÜRGEN KROMPHARDT.


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Prof. Dr. Arne Heise
Arne Heise ist Universitätsprofessor für Finanzwissenschaft und Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Mitglied der Expertenkommissionen "Internationalisierung der Finanzmärkte" der Friedrich-Ebert-Stiftung" und "Wettbewerbsfähigkeit" des deutsch-französischen Instituts. Seit 2003 Kuratoriumsmitglied e4globe - European Institut for Globalisation Research, Berlin. [more titles]