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Friday, October 20, 2017
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Ossena – Das Unternehmen nachhaltige Ernährungskultur

"Theorie der Unternehmung"  · volume 35

488 pages ·  39.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 3-89518-577-9 (September 2006 )

 
 

Dieses Buch handelt von einem Unternehmen im doppelten Sinne: Es stellt die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung(BMBF) geförderten Projektes "OSSENA - Ernährungsqualität als Lebensqualität" vor, das den Fokus darauf richtet, die Möglichkeiten und Perspektiven einer nachhaltigen Ernährungskultur am Beispiel der Region Ostfriesland auszuloten. Ernährungskultur umfasst dabei nicht nur die konsumentenseitige Dimension der Auswahl und des Verzehrs von Lebensmitteln. Zur Ernährungskultur gehören ebenso die Weisen der landwirtschaftlichen oder industriellen Erzeugung von Nahrung, deren Distribution und Vermarktung sowie die Techniken der Zubereitung von Speisen und die im Ernährungsfeld relevanten materiellen Kulturgüter. Als zentrale Kriterien einer nachhaltigen Ernährungskultur sollen dabei insbesondere die Aspekte "Regionalität" und "Qualität" in ihrer kulturellen Dimension ins Auge gefasst werden. In einer disziplinübergreifenden Kooperation, die Kompetenzen aus den Bereichen der Agrarwissenschaften, Kulturwissenschaften und Sozialwissenschaften, der Pädagogik und Psychologie sowie einer kulturtheoretisch orientierten ökonomischen Forschung bündelt, werden Ernährungsversorgung und Ernährungswirtschaft unter kulturwissenschaftlich-ökonomischer Perspektive untersucht.

Das als intensive Aktionsforschung angelegte Projekt verfolgt in enger Verzahnung mit der theoretischen und empirischen Erschließung des Feldes Ernährungskultur auf der Umsetzungsseite das Ziel, mittels vielfältiger, sowohl individuenbezogener als auch angebotsstruktureller Interventionen, Impulse für die Entwicklung einer nachhaltigen Ernährungskultur in der Region Ostfriesland zu geben. Mit Aktionen im öffentlichen Raum, in Handel und Gastronomie, mit handlungsorientierten Unterrichtseinheiten in Schulen und mit speziellen Angeboten für die landwirtschaftlichen Erzeuger soll ein ernährungskultureller Wandel angestoßen werden. Regionale Netzwerke, welche die regionale Wertschöpfungskette stärken und die heterogenen Akteure zusammenführen, konnten inzwischen erfolgreich institutionalisiert werden. Als dauerhaftes Ergebnis wird eine Orientierung des regionalen Profils auf nachhaltige Ernährungsmuster angestrebt, womit Ostfriesland im Wettbewerb der Regionen einen zukunftsfähigen Platz erhalten soll.

Internationaler Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens (IAKE), Fet 15, Deze,ber 2007 ()

"Im ersten Teil des Buches werden in sechs Kapiteln der theoretische Ansatz des Projekts und die methodologische und methodische Ausrichtung diskutiert. Aufbauend auf einer an der Universität Oldenburg interdisziplinär entwickelten kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung wird in kritischer Abgrenzung von natur- und verhaltenswissenschaftlichen Paradigmen in Ernährungsforschung und -politik für ein kulturwissenschaftliches Verständnis von Ernährungszusammenhängen plädiert. Dabei wird von Kultur als Praxis ausgegangen und das prozessuale Hervorbringen und Herstellen von Kultur ("doing culture”) durch sämtliche Akteure hervorgehoben. Ernährungskultur wird als alimentäre Praxis gefasst, was "sämtliche ernährungsbezogenen Vorgänge der Produktion, Distribution, des Handels und Konsums - kurz: der Anbieter- und Nachfragerkulturen - als Hervorbringen von Ernährungskultur" (S. 73) meint. Neben der handlungstheoretisch-kulturalistischen Konzeptualisierung von Ernährungsprozessen liegt eine besondere Stärke des OSSENA-Projekts in der Einsicht, dass Angebot und Nachfrage rekursiv verkoppelt sind und sich co-evolutorisch entwickeln. Der Markt wird als kulturelles Gefiige gesehen, Unternehmensstrategien als kulturelle Angebote an die Gesellschaft und die Ernährungswirtschaft als ebenso Kultur schaffend und prägend wie die Konsumenten. Forschungsstrategisch hat diese Einsicht zur Folge, dass sowohl Angebot als auch Konsum untersucht werden. Doch OSSENA ist kein Forschungsprojekt im klassischen Sinne: Wesentliche Intention ist, ernährungskulturelle Prozesse nicht nur zu interpretieren, sondern aktiv zur Veränderung der Ernährungskultur in Richtung Nachhaltigkeit beizutragen. Orientiert an Methoden der Aktionsforschung lautet die OSSENA-Strategie "Interpretieren, Intervenieren, Institutionalisieren" (S. 139 ff.). Erforschung und Interpretation ernährungskultureller Praktiken gehen Hand in Hand mit verschiedensten, auf Nachhaltigkeit zielenden Interventionen, um einen ernährungskulturellen Wandel anzustoßen, der letztlich - nach Beendigung der Forschungsarbeit - durch Institutionalisierungen dauerhaft in der Region wirksam werden soll. Die Bilanz dieser vorläufigen Bemühungen ist geteilt: Vielen erfolgreichen Institutionalisierungen (z.B. die Gründung eines Gastronomennetzwerkes "OSTFRIESLAND KULINARISCH") stehen auch einige Misserfolge gegenüber.

Den Mittelteil des Buches bilden neun Kapitel, die der Diskussion von bisherigen Ergebnissen aus den einzelnen Projektmodulen (Landwirtschaft, Handel, Gastronomie, Netzwerke und öffentliche Aktionen, Schule, Haushalte) gewidmet sind. Im Hinblick auf die Lerneffekte des partizipatorischen Forschungsansatzes von OSSENA wird deutlich, dass sowohl bei Anbietern als auch Konsumenten vielfältige Lernprozesse angestoßen wurden, die in ihrer Gesamtheit zwar keinen radikalen Kulturwandel bewirkten (diese Erwartung wäre auch überzogen), aber doch viele Impulse zur Institutionalisierung von Elementeneiner regional-nachhaltigen Ernährungskultur setzten.

Im dritten Teil des Buches werden in drei Kapiteln die Möglichkeiten und Grenzen eines nachhaltigen Wandels von Ernährungskulturen diskutiert. Dabei wird insbesondere deutlich, wie stark die Ernährungskultur auch von der Angebotsseite geprägt wird. Die Analyse der Branchenkultur in der norddeutschen Ernährungswirtschaft bringt eine hohe Orientierung an der Produktion von standardisierten Durchschnittsqualitäten für den anonymen Markt und die große Bedeutung von Kostenführerstrategien zutage, was schwierige Bedingungen für die Regionalvermarktung darstellt. Doch Unternehmen sind auch Kultur schaffende Akteure. Trotz branchenkultureller Restriktionen konnten - durch das OSSENA-Projekt mitbewirkt - innovative Regionalvermarktungsprojekte als "Kontextpartisanen" (S. 421) entwickelt werden, die durch ihre Kundennähe wichtige Innovationsimpulse setzen.

Die Ergebnisse des Projekts zeigen eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten zur Förderung einer nachhaltigen Ernährungskultur, und zwar bei allen Akteursgruppen des Ernährungssystems. Die coevolutorische Betrachtung von Angebots- und Nachfragekulturen macht Schnittstellenoptimierungen möglich und nachhaltigkeitsrelevante Verknüpfungen deutlich. Der Band zeigt sehr schön, welche Lerngeschichten und Erkenntnisgewinne interdisziplinäre Erweiterungen und Perspektivenwechsel ermöglichen können. Im vorliegenden Buch kommen insbesondere die Wirtschaftswissenschaften durch die Verfolgung eines kulturwissenschaftlichen Ansatzes zu innovativen Forschungsfragen und -ergebnissen.

Insgesamt aber ein sehr spannendes Buch, das sowohl einen wichtigen Beitrag zur theoretischen Fundierung einer Kulturforschung des Essens leistet, als auch mit interessanten empirischen Befunden aufwarten kann, welche die Forschungslandschaft nachhaltig bereichern werden.




"Ossena - das Unternehmen nachhaltige Ernährungskultur" ist ein Projekt, das im Rahmen des deutschen sozialökologischen Forschungsprogramms 2003 startete und 2007 abgeschlossen werden soll. Das vorliegende Buch stellt nun die Ergebnisse des Projekts vor. Ossena" ist der sizilianische Name der griechischen Göttin Athene, die laut den Herausgebern ebenso wie das Projekt "für das Gute und Schöne" steht. Nachhaltige Ernährung wird bei Ossena vor allem als kulturelles Projekt gesehen, Lebensfreude, Wohlgefühl und Gesundheit sollen mit einer veränderten Ernährung einhergehen, Ernährungsqualität mit Lebensqualität verbunden werden. Das Buch gliedert sich in drei Bereiche. Im ersten Teil geht es um kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Ernährungsversorgung und Ernährungswirtschaft. Ebenso werden Fragen der Forschungsmethodik und zugrunde liegende Theorien behandelt. Im zweiten Teil werden die Arbeiten mit verschiedenen AkteurInnen (von Seiten der AnbieterInnen und KonsumentInnen) vorgestellt. Diese Arbeiten umfassen die drei Bereiche Interpretation, Intervention und Institutionalisierung. Es wurde die landwirtschaftliche Direktvermarktung in der Region bearbeitet, ebenso wie gastronomisch-touristischen Aktivitäten (z.B. Kulinarischer Sommer). Interessant ist auch dass Schulen in der Region ins Projekt eingebunden wurden. Auch eine Untersuchung mit ausgewählten Haushalten wurde durchgeführt. Der dritte Teil des Buches widmet sich den Perspektiven eines nachhaltigen Wandels von Ernährungskulturen, wobei Regionalvermarktung einen zentralen Stellenwert einnimmt. Ziel ist durch Institutionalisierung der regionalen Ernährungsnetzwerke Ostfriesland einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Das Buch ist ein wissenschaftliches Werk, das für LaiInnen aufgrund des kulturwissenschaftlichen Stils streckenweise wahrscheinlich nicht so leicht verständlich ist. Leider erschwert die nicht-geschlechtergerechte Sprache im Buch die Interpretation einzelner Ergebnisse. Wenn nur von Kunden und Landwirten geschrieben wird, ist nicht klar ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, die ja bekanntlich gerade im Bereich Ernährung wesentlich sind: so wird Frauen nach wie vor die Zuständigkeit für Ernährung zugeschrieben, und für die Direktvermarktung sind z.B. viele Landwirtinnen zuständig. Das Kapitel über Schule und Ernährungskultur hebt sich hier positiv ab, hier wird Bezug auf Geschlechterdifferenzen genommen. Insgesamt liefert das Buch eine Reihe interessanter Detail-Analyseergebnisse regionaler Ernährungskultur und -wirtschaft in der Region Ostfriesland. Der Ansatz Netzwerke zu institutionalisieren ist zwar nicht neu, aber immer wieder wichtig. Gerade das politische Feld Ernährung ist über weite Strecken von Nicht-Institutionalisierung geprägt, so zum Beispiel der Schulbereich, in dem gesunde Ernährung noch viel zu sehr alleine auf dem Engagement einzelner Personen aufbaut.

Ernährung im Fokus 7/2007 ()

Die 13 Autor/innen wollen in ihren 19 Beiträgen gleich mit zwei Vorurteilen aufräumen. Im OSSENA Sammelband bündeln sie Ergebnisse und konzeptionelle Überlegungen eines seit Mitte 2003 vom Bundesforschungsministerium geförderten sozialökologischen Forschungsprojektes. Ziel des von den Oldenburger BWL Professoren Reinhard Pfriem und Thorsten Raabe geleiteten Unternehmens war es, Chancen und Perspektiven einer nachhaltigen Ernährungskultur am Beispiel Ostfrieslands auszuloten. Der Band orientiert sich am Konzept von OSSENA: Vom Interpretieren über das Intervenieren zum Institutionalisieren. Am Anfang stand Unbehagen am dominant rationalen Menschenbild der Ökonomie. Gerade regionale Ernährung lässt sich nicht allein aus unterschiedlichen Anbau-, Produktions-, Transport- oder Einkommensstrukturen erklären und gestalten. Stattdessen werden im ersten Teil theoretische Zugänge für ein ernährungskulturelles Verständnis von Essen/Ernährung entwickelt, die Fragen knapper Zeit- und Wissensressourcen mit berücksichtigen. Ergebnisse der sechs Teilprojekte prägen den zweiten Teil. Der Bogen spannt sich von der Landwirtschaft, den Problemen der Vermarktung im Lebensmittelhandel, der Gastronomie, hin zu Schulen und Haushalten. Ernährungskultur wird nicht allein nachgezeichnet, sondern die großenteils mit der Region verbundenen Wissenschaftler/innen regten regionale Angebote in Supermärkten an, etablierten Ostfrieslandteller in ausgesuchten Restaurants und bildeten Netzwerke à la Ostfriesland kulinarisch. Der dritte Teil widmet sich schließlich den Perspektiven für einen nachhaltigen Wandel. Der Band besticht gleichermaßen durch seine Problemnähe und seine Rückfragen an eingespielte Denkweisen. Was in Ostfriesland möglich ist, sollte auch andernorts gelingen können.


the authors
Prof. Dr. Reinhard Pfriem
Reinhard Pfriem ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung und Betriebliche Unternehmenspolitik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. [more titles]
Prof. Dr. Thorsten Raabe
Thorsten Raabe 1955, seit 2000 Lehrstuhl für Absatz und Marketing an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, zuvor ab 1996 Lehrstuhlvertretung ebenda. Zahlreiche Funktionen in der regionalen und überregionalen Wirtschaft und Leitung des von der Volkswagen AG finanzierten Graduiertenprojektes „Markenkultur und Unternehmenskultur“. [more titles]
Prof. Dr. Achim Spiller
Achim Spiller 1964, seit April 2000 Universitätsprofessor am Institut für Agrarökonomie der Georg August Universität Göttingen, Lehrstuhl „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“. Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für „Agrarpolitik“ und Vorsitzender des Kuratoriums der QSGmbH Deutschland. [more titles]
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  • "Der Band zeigt sehr schön, welche Lerngeschichten und Erkenntnisgewinne interdisziplinäre Erweiterungen und Perspektivenwechsel ermöglichen können." ...
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