Katrin Hirte
28 Seiten · 7,20 EUR
(Juli 2010)
Aus der Einleitung:
Ob gewollte Umwandlung der Gesellschaft nach neoliberalem Vorbild oder Ökonomen als „Sherpas“ oder gar „Innovatoren“ neuer Marktinstrumente – die Debatten zur Rolle der Ökonomen in der Ökonomie hat auch innerhalb der Wissenschaft zu neuen Entwicklungen geführt. Zu ihnen gehört der Ansatz der „Performativity of Economics“. Im nachfolgenden Beitrag soll daher erstens dieser Ansatz vorgestellt werden. Zweitens werden einige Debatten zur Performativity of economics (entlang mehrerer aufgestellter Dichotomien) behandelt – die Analyse dieser Kritiken zeigt, dass die „Performativity of economics“ prinzipiell fundierter konstituiert ist als ihr vorgeworfen wird. Drittens werden die von MacKenzie vorgeschlagenen Formen der „Performativity of Economics“ hinterfragt, da diese eher Ausprägungen der Reichweite und Effektrichtung von Performativity sind statt „Formen“. Im Rückgriff auf bereits bestehende Analyserichtungen zum Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft wird abschließend vorgeschlagen, in drei Formen zu differenzieren: die kommentativ-ausführende, die diskursiv-beeinflussende und die innovativ-kreierende. Damit wird nicht nur das „Wie“ des Wirkens der Ökonomie auf ökonomische Prozesse konkreter gefasst, sondern auch erkennbar, dass mit dieser Unterscheidung der Bezug zur schrittweisen Entwicklung der bestehenden Analyseansätze zum Verhältnis Wissenschaft und Praxis hergestellt wird: Von der „Bedienung“ der Praxis durch die Wissenschaft (z.B. systemische Implementierungstheorien) über die „Beeinflussung“ (z.B. Diskurstheorien) bis hin zur „Kreierung“ von Praxis (z.B. Handlungstheorien). Scheint sich auf den ersten Blick eine Performativity of economics nur auf den letzteren Analysebereich zu beziehen – Kreieren neuer Instrumente, Modelle usw. durch Ökonomen – wird bei näherer Betrachtung die erkenntnistheoretische Dimension des Performativity-Ansatzes deutlich: Das Verhältnis „Theorie“ und „Praxis“ wird generell neu konstituiert.