Luca Rebeggiani
22 Seiten · 5,67 EUR
(August 2005)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Luca Rebeggiani untersucht die Rolle der Nachfrage im Wachstumsprozess. Die Besonderheit seines Ansatzes besteht darin, dass er sich der Frage nicht in einem keynesianischen, sondern einem neoklassischen Modellrahmen annimmt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die private Nachfrage – selbst in neoklassischen Ansätzen – eine zentrale Rolle im Wachstumsprozess spielt. Ihre Höhe und Struktur werde endogen von der Einkommensausstattung der Individuen determiniert, also nicht nur von Präferenzen und relativen Preisen. Sie beeinflusse entscheidend die Produktionsstruktur einer Volkswirtschaft im Zeitablauf. Somit habe die personelle Einkommensverteilung mit der Nachfragestruktur einen weiteren Wirkungskanal, über den sie das Wachstum beeinflusse. Volkswirtschaften mit differierenden Einkommensverteilungen würden in der Regel unterschiedliche aggregierte Nachfragemuster entwickeln und unterschiedliche Entwicklungspfade einschlagen. Diese entscheidende Bedeutung der Nachfrage sei von der Volkswirtschaftslehre, insbesondere von der neoklassisch orientierten, lange Zeit verkannt worden, und auch heute stehe die Forschung erst am Anfang. Während aber die Theorie schon eine tragfähige Grundlage bieten könne, müssten die empirischen Untersuchungen als gänzlich unbefriedigend eingestuft werden, und das trotz der langen Tradition von Einkommens-Konsum-Studien nach dem Vorbild Ernst Engels. Da sich abzeichne, dass in der Bundesrepublik wie in vielen anderen industrialisierten Ländern das Problem der mangelnden privaten Nachfrage mit rein angebotstheoretischen Mitteln nicht zu lösen sein werde und sich zur makroökonomischen Bremse entwickele, werde eine verstärkte Auseinandersetzung mit Nachfragethemen in der Zukunft unerlässlich sein.