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Wednesday, April 26, 2017
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Philosophie der Technik

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Arno Bammé und einer Einführung von Stefan Willeke

392 pages ·  38.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1230-8 (March 2017 )

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Heinrich Hardensett (1899-1947), einer der profiliertesten Vertreter der deutschen Technokratie-Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und führender Kopf des Konstanzer "Hardensett-Kreises" entwickelte in seiner 1932 veröffentlichten Dissertation "Der kapitalistische und der technische Mensch" die "wohl weitestgehende und fundierteste Theorie zur sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Standortbestimmung des technischen Menschen" (Willeke). Als sein Hauptwerk gilt die zwischen 1932 und 1936 nahezu fertiggestellte "Philosophie der Technik". Hierbei handelt es sich weniger um eine eigenständige Technikphilosophie als vielmehr um eine kritische Synopse zeitgenössischer Techniktheorien unter anderem von Autoren, die heute kaum noch jemand kennt, deren Schriften für die Technokratie-Diskussion aber von entscheidender Bedeutung waren und die, gleichsam unterirdisch, noch heute nachwirken.

Umso tragischer mutet das Schicksal dieser nie publizierten Schrift an, die als 196-seitiges Schreibmaschinenmanuskript erhalten ist. Ursprünglich war sie im Berliner Verlag von Junker und Dünnhaupt zur Veröffentlichung vorgesehen. Ihr Erscheinen wurde aber von der "Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums" untersagt, weil Hardensett sich weigerte, Textpassagen und Literaturverweise auf Autoren zu streichen, die auf dem Index der NS-Prüfungskommission standen. Nach dem Krieg setzte sich der Kultur- und Technikphilosoph Prof. Manfred Schröter (München) in seiner Eigenschaft als Cheflektor des Oldenbourg-Verlages für eine Veröffentlichung ein, die durch den frühen Tod Hardensetts aber nicht mehr zustande kam. Zu Beginn der 90er Jahre unternahm der Technikhistoriker Prof. Wolfhard Weber (Bochum) mit Zustimmung der Tochter Hardensetts einen weiteren Versuch, der ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt war.

"Die Bedeutung des Theoretikers Hardensett für die Organisationsfähigkeit der Technokratie-Bewegung der dreißiger Jahre kann kaum überschätzt werden. Seine herausragende Position ist im Wesentlichen auf die langjährigen intellektuellen Auseinandersetzungen mit der Technik und ihren gesellschaftlichen Bezugsgrößen zurückzuführen." (Willeke)

P.S., 10.2.2017 ()

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Technizismus versus Kapitalismus

Heinrich Hardensett ist heute so vergessen wie die Technokratie-Bewegung, für die 1932 seine Dissertation zum Manifest wurde. Der von ihm mitbegründete «Weltbund der guten Technik» erhoffte sich einen am Gemeinsinn orientierten Technizismus, befreit vom primär auf Profit ausgerichteten Kapitalismus. Mit derart eigenständigen Gedankenspielen um ein anderes Wirtschaftsmodell machten die Nazis bald Schluss. Eine vom Autor danach noch entwickelte «Philosophie der Technik» passte nicht zu deren Weltanschauung; sie wird nun mit Einblicken in die tragische Werk- und Lebensgeschichte postum publiziert.

Es ist wirklich «ungewohnt», so der Herausgeber zur Neuauflage der ersten Schrift, wie Hardensett «den Typus des technischen Menschen in überaus positivem Licht» zeigt. Zwar ausdrücklich als eine ideale Konstruktion, wie er sich im idealen gesellschaftlichen Umfeld entwickeln könnte. Aber angesichts des inzwischen Erfahrenen wirkt dieses Wunschbild heute eher exotisch als utopisch. Trotzdem ist der theoretische Vergleich «technischer» und «kapitalistischer» Weltsichten spannend: Qualität gegen Quantität, Kooperation statt Konkurrenz, Gemeinsinn statt Egoismus. Das könnte auf Alternativen hinweisen. Auch die Konsequenzen unbegrenzter Modernisierung werden benannt: «Der Automat ist das Ende der Technik, die Idee des Automaten vernichtet die Idee des technischen Menschen» - und dessen Lebensziel, «das baumeisterliche Erlebnis, die baumeisterliche Tat». Wenn wir die Technokratie nur negativ sehen, mahnt Arno Bammè im Nachwort, blenden wir aus, dass Expertenwissen in einer hochkomplexen Gesellschaft unabdingbar ist. Stattdessen wäre zu fragen, «wie parlamentarische Demokratie, Basisdemokratie und Expertenkompetenz in ein institutionell ausbalanciertes Verhältnis gebracht werden können.»




the author
Dr. Heinrich Hardensett
Heinrich Hardensett 1899-1947, Maschinenbau-Ingenieur, Kopf der deutschen Technokratie-Bewegung und des Konstanzer Hardensett-Kreises. Ab 1923 war er als Dozent am Technikum Konstanz tätig. Im Fachbereich Maschinenbau lehrte er vor allem Auto- und Flugzeugbau sowie Elektrotechnik. [more titles]
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  • "ungewohnt" ...
    P.S., 10.2.2017 more...
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