Inge Maria Burgmer
13 Seiten · 4,28 EUR
(Juni 2005)
Aus der Einleitung des Beitrags:
Legende: das Machtverhältnis zwischen Medien und Politik
Um gleich zu Beginn mit einer Legende aufzuräumen: Medien sind nicht in der Lage, die politische Agenda aus sich selbst heraus nachhaltig zu bestimmen; umgekehrt ist Politik nicht in der Lage, Themen über den Tag hinaus medial zu inszenieren, ohne dass sie emotional entsprechend aufgeladen werden. Anders als gemeinhin kolportiert, stehen Politik und Medien vielmehr in einem symbiotischen Verhältnis zueinander. Machiavellistische Ausschweifungen werden in der Regel von Spielern gleicher Art unmittelbar eingedämmt: So weist die Opposition die Regierung bei ihrer Inszenierung in ihre Schranken und vice versa; argumentiert auf der anderen Seite etwa die Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben mit mehr als zweifelhaften Fakten, greifen mit großem Vergnügen einschlägige Leitmedien korrigierend ein und gelegentlich auch umgekehrt. Politik und Medien bedürfen einander; je genauer ihr Verständnis von den Produktionsprozessen des jeweils Anderen ist, desto größer sind die Erfolge der eigenen Arbeit: Bestimmung der politischen Tagesordnung auf der einen Seite und hohe Akzeptanz ihres Mediums als ein meinungsmachendes auf der anderen Seite.