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Wednesday, April 25, 2018
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Politiker - Berater - Journalisten: Ein schwieriges Dreiecksverhältnis
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Politiker - Berater - Journalisten: Ein schwieriges Dreiecksverhältnis

19 pages · 3.47 EUR
(October 2005)

 
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Aus der Einleitung:

Drei Akteure sind angesprochen, die derzeit alle erhebliche strukturelle Probleme aufweisen, die sich im Miteinander noch potenzieren: Die Wirtschaftspolitik, die wirtschaftswissenschaftliche Politikberatung und die Medien, ob Print oder elektronisch. In diesem Dreiecksverhältnis vollzieht sich ? oder auch nicht ? der Transfer wissenschaftlicher Einsichten und Erkenntnisse in die Wirtschaftspolitik und in die Öffentlich¬keit. Ohne Einbeziehung der Medien sind Probleme und Grenzen der Politikberatung im demokratischen Gruppenstaat nicht angemessen zu beurteilen.

- Die Wirtschaftspolitik hat schon bessere Zeiten gesehen ? Zeiten, in denen ordnungspolitische Konsistenz, Klarheit in der Formulierung und Systematik bei der Durchführung ihr weniger fremd waren. Es fehlt der rote Faden, die ordnungspolitische Grundierung der Reformagenda. Das Ziel aller Mühen wird nicht beschrieben. Es fehlt der Mut zur Vision (vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln 2005). Statt dessen erleben wir eine Politik, die sich auf der instrumentellen Ebene verliert.

- Die Probleme, die wir gegenwärtig in der Wirtschaftspolitik beobachten, haben auch einen spezifischen Hintergrund in den Wirtschaftswissenschaften: Wir konstatieren trotz erhöhtem Bedarf an öffentlich adressierter Expertise, dass immer weniger (akademische) Ökonomen dafür bereitstehen oder es auch nur könnten. Ist der Fortschritt bei der internationalen Anerkennung deutscher Ökonomen etwa durch den Preis höherer wirtschaftspolitischer Sprachlosigkeit erkauft worden?

- Die Wirtschaftsmedien schließlich leiden unter den Bereinigungsprozessen, die sich im Printbereich, aber auch im Fernsehen seit geraumer Zeit vollziehen. Sie leiden aber auch unter aktuellen Funktionsbedingungen, die für eine solide, vor allem fundamental orientierte Berichterstattung wenig förderlich sind. Dazu tragen Quotendruck, reduzierter redaktioneller Raum, Kurzatmigkeit und Kapitalmarktfokussierung, Vereinfachungsdruck u.a. bei.

Also: Keine einfache Gemengelage für den Versuch, die Wirtschaftspolitik beratungsgeleitet stärker auf eine konzeptionelle und nachhaltige Basis zu setzen. Dazu kommt, dass die Nationalökonomie in langer Tradition kein überaus hohes oder ? in besseren Zeiten ? ein immerhin nur fragwürdiges Ansehen in der breiteren Öffentlichkeit genießt. Schon 1909 rief Werner Sombart in einer Debatte des Vereins für Socialpolitik aus: ?Wer glaubt denn heutzutage außerhalb unserer Kreise noch an nationalökonomische Wissenschaft?? Und dreißig Jahre später schrieb Walter Eucken (1938): ?Aber auch heute stößt die Nationalökonomie bisweilen auf Mangel an Verständnis, auf Skepsis und sogar auf grundsätzliche Ablehnung?. Im Jahre 2002 titelte die Financial Times Deutschland ?Volkswirte sind out?. ?Der Niedergang des traditionsrei¬chen Fachs in Deutschland? ? so heißt es dort ? ?ist für viele Studenten ein Segen und für die Forschung kein Schaden. Die Professoren bekommen die Quittung für Abschottung, Vetternwirtschaft und Konservatismus?. Vor einem solchen Hintergrund muss einen manches an Schwierigkeiten in der Vermittlung ökonomischer Einsichten ? unabhängig von den unterschiedlichen und bisweilen nicht kompatiblen Funktionsweisen der drei Akteursgruppen ? nicht überraschen.


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Prof. Dr. Michael Hüther
Michael Hüther

geb. 1962, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln. Honorarprofessor an der European Business School / EBS Universität für Wirtschaft und Recht Oestrich-Winkel. Arbeitsschwerpunkte: Ordnungspolitik, Institutionenökonomik, Finanzpolitik, Finanzmarktregulierung, Demografiepolitik, Wirtschaftsgeschichte.

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