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Tuesday, September 27, 2016
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Politische Ökonomie der Alterssicherung

Kritik der Reformdebatte um Generationengerechtigkeit, Demographie und kapitalgedeckte Finanzierung

2. erweiterte Auflage · 569 pages · 29.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1009-0 (March 2013)

 
 

Description

Die Reform der Finanzierung und Organisation der Alterssicherung steht seit mehr als vier Jahrzehnten ganz oben auf der politischen, wissenschaftlichen und medialen Agenda. Seither wird die Abkehr von der im Umlageverfahren staatlich organisierten Alterssicherung und der Auf- und Ausbau der über den Finanzmarkt organisierten Altersvorsorge diskutiert und exekutiert. Dem herrschenden Reformparadigma zufolge ist die umlagefinanzierte Alterssicherung ineffizient, ungerecht und angesichts des demographischen Wandels unfinanzierbar. Zwar hat sich die übertriebene Euphorie für die private, kapitalgedeckte Altersvorsorge aufgrund der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise merklich abgeschwächt. Dennoch hält die öffentliche und wissenschaftliche Debatte an der Rhetorik des demographischen Wandels und der Generationengerechtigkeit wie auch an den realwirtschaftlichen und finanzmarkttheoretischen Fehlannahmen zur Förderung der kapitalgedeckten Altersvorsorge fest. Infolgedessen dominieren bis heute Stereotype, Simplifizierungen, höchst widersprüchliche und unhaltbare Thesen die Debatten.

Dieses Buch rekonstruiert - erst- und einmalig in der deutschen Diskussion - zum einen die Debatten um die Entstehung der umlagefinanzierten Alterssicherung in den Industrienationen und stellt sie in einen breiten historischen, sozialpolitischen Kontext. Zum anderen wird die seit den 1970er Jahren eingeläutete und schrittweise umgesetzte Abkehr vom Umlageverfahren dargestellt. Im Zentrum der interdisziplinären Analyse steht das dominierende Reformparadigma, dessen theoretische Kernargumente, Annahmen, Hypothesen und Folgerungen offen gelegt und kritisch hinterfragt werden. Die Evaluation der Wirkungen des Auf-/Ausbaus der kapitalgedeckten Finanzierung der Alterssicherung mündet dabei in einer immanenten Kritik der orthodoxen bzw. neoklassischen Theorie. Die Reformen fallen aber nicht nur inneffizient, kontraproduktiv und sozial ungerecht aus. Dem alternativen postkeynesianischen Verständnis zufolge befördern die Reformen der Organisation und Finanzierung der Alterssicherung die Krisenanfälligkeit des Finanz- und Wirtschaftssystems im ausgehenden 20. Jahrhundert.

"Diese Dissertation wird in der wissenschaftlichen Diskussion Anerkennung finden und Anschlussforschungen auslösen. Auch für die theoriebegründete Praxis der Sozialpolitik gibt die Untersuchung wichtige Impulse. So lassen sich Möglichkeiten einer systematischen Vermeidung von Altersarmut infolge untauglicher Modelle der Altersvorsorge auf der Basis der Eigenkapitalbildung identifizieren. [?] Die Zusammenführung demografischer, wirtschaftswissenschaftlicher und sozialpolitischer Aspekte unter einer die Erkenntnisbildung leitenden Idee generiert wichtige, neue Erkenntnisse. Ursächlich für das Gewinnen neuer Erkenntnisse ist der eingebrachte Mut zur interdisziplinären Betrachtung unter Berücksichtigung der historischen Dimension."

Prof. Dr. Rudolf Hickel (Universität Bremen)

"Die vorgelegte Dissertationsschrift beeindruckt durch die Gründlichkeit und Systematik ihrer kritisch-rekonstruktiven Analyse des (sozialpolitik)historisch siegreichen Kapitaldeckungsparadigmas. Sie stellt in ihrem Anliegen und Ansatz, sozialwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Perspektiven auf dieses Phänomen miteinander zu verknüpfen, eine durchaus bemerkenswerte Leistung dar, die sich im Detail (sprich: ihrem Detailreichtum) kaum gebührend würdigen lässt."

Prof. Dr. Stephan Lessenich (Universität Jena)

known reviews by the publisher (abridgements)

WSI Mitteilungen, 4/2013, S. 301 ()  [ to top ]

Ausführlich schildert der Verfasser, wie das private Kapitaldeckungsverfahren durch die zugrunde liegenden neoklassischen Modellannahmen begründet werden soll. Dem stellt er als Alternative einen postkeynesianischen Ansatz gegenüber. Anhand der Theorie von [Hyman] Minsky erklärt er Finanzkrisen und bewertet vor diesem Hintergrund die Modelle der Altersvorsorge. Er kommt zur Einschätzung, dass sich schon aus neoklassischen Annahmen eine Erhöhung von gesamtwirtschaftzlicher Ersparnis, Investition und Wirtschaftswachstum durch das Kapitaldeckungsverfahren nicht zwingend begründen lässt. Im keynesianischen Modell führt der Versuch, einzelwirtschaftlich die Ersparnis zu erhöhen, wegen des sog. "Sparparadoxon" zu einer Verminderung der Produktion und der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis. Insgesamt bleibt es bei der in Deutschland mit dem Namen Gerhard Mackenroth verbundenen Erkenntnis, dass ökonomisch betrachtet die beiden Finanzierungsverfahren gleichwertig sind. Berücksichtigt man allerdings Umstiegskosten und zusätzliche Kosten privater, untereinander konkurrierender Alterssicherungen, dann kommt Christen klar zum Ergebnis: "Die Finanzierung über die Kapitalanlage ist überkomplex, in hohem Maß intrasparent und das Verfahren ist wesentlich teurer als jedes PAYX-GO-Sstem."

Insgesamt ist es Christian Christen gelungen, eine breite Darstellung der Debatten um die Alterssicherung vorzulegen. In erster Linie werden Kritiker des Kapitaldeckungsverfahrens ihr Arsenal an Augumenten auffüllen können, aber auch die "Orthodoxie" darf sich durch Pro und Contra produktiv herausgefordert fühlen."



Deutsche Rentenversicherung, 2/2012, S. 133-134 ()  [ to top ]

"Die Arbeit des Autors ist ein Beitrag zu einer differenzierteren und ausgewogeneren Diskussion der Strukturentscheidungen in der Alterssicherungspolitik, die einen zentralen Lösungsansatz in der Verlagerung hin zu mehr von der Kapitalmarktentwicklung abhängigen Sicherungsinstrumente sieht. Die jüngste Entwicklung auf den Finanzmärkten hat (vorerst?) zu mehr Zurückhaltung in der Propagierung der positiven Wirkungserwartungen geführt, die einer solchen Politik zugrunde liegen. Dennoch soll von der nun politisch eingeschlagenen Richtung - so die Aussage nicht nur vieler Politiker, sondern auch vieler Wissenschaftler in Deutschland - keinesfalls abgewichen werden, ja diese soll auch für die (deutsche) Pflegeversicherung zum Leitbild werden.

Wer sich der Mühe unterzieht, die vorliegende umfangreiche Arbeit zu studieren, wird zweifellos viele Hinweise zur Einordnung und zum Verständnis von Argumenten finden, die in der Diskussion der vergangenen Jahre immer wieder vorgetragen wurden, obgleich (öffentlich aber kaum geäußerte) Zweifel an der Eignung und Vorteilhaftigkeit als "alternativlos" bezeichneter Maßnahmen berechtigt sind. Da der Verfasser seine Arbeit teilweise in eine Art Lehrbuch verwandelte, begibt er sich wohl leider der Möglichkeit, ein breiteres Echo mit seinen kritischen Anmerkungen auszulösen. Doch wird man generell keine allzu hohen Erwartungen hegen können, dass angesichts der herrschenden Vorstellungen in der Ökonomie und den gewichtigen ökonomischen und politischen Interessen einflussreicher Akteure eine offenere und breitere Diskussion nicht nur über die Wirkungen, sondern auch über die der Politikstrategie zugrunde liegenden (theoretischen) Annahmen erfolgen wird, wie sie der Autor mit seiner Arbeit anstoßen möchte."

http://www.pw-portal.de ()  [ to top ]

"Trotz gelegentlicher kritischer Stimmen, die im Rahmen der jüngsten Finanzkrise aufkamen, scheint das auf staatlicher Umverteilung basierende System der Altersvorsorge spätestens seit dem Ende der 1990er-Jahre zu Gunsten eines Systems kapitalgedeckter Vorsorge ausgedient zu haben. In einer großartigen Analyse arbeitet Christen die historischen Gründe für diesen Übergang heraus und liefert zugleich eine fundierte Kritik an den theoretischen wie auch realgesellschaftlichen Grundlagen der finanzmarktbasierten Alterssicherung. In einem ausführlichen geschichtlichen Abriss werden zunächst die Entwicklungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt, bevor das Hauptaugenmerk auf die neoliberale Wende seit den 1970er-Jahren gelegt wird. Christen erläutert, wie die theoretische und öffentliche Debatte eine kontinuierliche Neuausrichtung erfuhr, indem vor allem der Begriff der Generationengerechtigkeit nachhaltig instrumentalisiert wurde. Aus der hinter diesem Begriff stehenden demografischen Entwicklung, und auch das legt der Autor dar, lässt sich jedoch keinesfalls ein Vorzug kapitalgedeckter gegenüber umlagefinanzierter Rentenpolitiken begründen. Im Gegenteil zeigen bereits die historischen Erfahrungen, dass die Finanzierung der Alterssicherung über den Finanzmarkt nicht nur aufgrund systembedingter Risiken sehr viel instabiler und krisenanfälliger, sondern zusätzlich mit immensen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist. Darüber hinaus zeigt Christen, dass die zentralen Grundannahmen der ökonomischen Theorien, die als Legitimation für die Reformprozesse dienen, in der Realität nicht haltbar sind. Eine umfassende Lösung der Probleme stellt das Buch nicht zur Verfügung, bietet jedoch zahlreiche Ansatzpunkte für eine notwendige theoretische Neubearbeitung, die sozialpolitische, demografische und makroökonomische Elemente gleichermaßen berücksichtigt. Christen liefert nicht nur eine Streitschrift für eine nachhaltigere Theorie und Politik der Altersvorsorge, sondern auch eine umfassende Einführung in deren historische, theoretische und politische Entwicklungen.

https://publik.verdi.de ()  [ to top ]

Jahrzehntelang war das System der deutschen Alterssicherung weitgehend unangefochten. Es beruhte auf dem Generationenvertrag, wonach die jeweils aktive Generation unmittelbar im sogenannten "Umlageverfahren" für die Finanzierung der jeweiligen Rentnerinnen und Rentner sorgt. Angesichts des hohen Finanzierungsvolumens witterte die Finanzwirtschaft hier ein großes Geschäft. Sie ließ seit den 1970er Jahren nichts unversucht, das bewährte System zu diskreditieren und eine Finanzierung über die Finanzmärkte als ebenso lukrativ wie alternativlos darzustellen. Die Politik folgte willig und subventionierte - etwa mit der Riester-Rente - auch noch den Umstieg in die private Rente.

Seit der Finanzmarktkrise und des Platzens der Finanzmarktblase wurde jedoch schlaglichtartig das Risiko deutlich, Alterssicherung über die Finanzmärkte zu organisieren. Christian Christen hat diese Entwicklung detailliert nachgezeichnet. Kenntnisreich, gut lesbar und aus einer interdisziplinären Perspektive werden historische und theoretische Entwicklungen erläutert. So wird die Reformdebatte um die Rente auch als spannendes Lehrstück über die Wirkungen und Folgen gezielter Interessenpolitik präsentiert. Das Buch hat das Zeug, zu einem Standardwerk zum Thema Alterssicherung zu werden.




the author
Dr. Christian Christen
Christian Christen Wirtschaftswissenschaftler/Publizist; Promotion an der Uni Bremen bei Prof. Jörg Huffschmid,z.Zt. Referent für Wirtschaftspolitik im Deutschen Bundestag, Fraktion Die LINKE. [more titles]
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