Frank Beckenbach
9 Seiten · 2,50 EUR
(September 2006)
Aus der Einleitung:
In diesem neoklassischen mikroökonomischen Paradigma werden die Handlungsbedingungen der Wirtschaftsakteure (im Konsum ebenso wie in der Produktion) einerseits mittels einer differenzierbaren Zielfunktion und andererseits mittels – ebenfalls differenzierbaren – Beschränkungen beschrieben. Das Handeln selber besteht dann in einer Errechnung der unter den gegebenen Bedingungen optimalen Handlungsalternative (Optimierung unter Beschränkungen). Da die Wirtschaftsakteure zumindest tendenziell über alle für dieses Handeln erforderlichen Informationen verfügen, sind sie voneinander unabhängig. Gesellschaftliche Vorgänge können dann mittels einfacher Aggregation von isoliert betrachteten Einzelhandlungen rekonstruiert werden. Methodologisch gesehen ist mit dieser theoretischen Stilisierung der Vorteil verbunden, dass sie aus Axiomen konstruiert wird (also sich nicht um empirische Befunde kümmern muss) und dass sie mit einer einheitlichen Erklärungsmethode operieren kann (methodischer Monismus).
Das damit verbundene mikroökonomische Curriculum aber erfüllt immer weniger die Anforderungen an eine akademische Ausbildung, da ein immer kleinerer Teil der akademisch Ausgebildeten eine universitäre Karriere verfolgen kann und die Bedeutung der Vermittlung von Berufswissen auch in der akademischen Ausbildung zunimmt. Das dabei im Mittelpunkt stehende anwendungsbezogene Wissen zur Lösung von Problemen unterscheidet sich mit der Orientierung auf das Suchen intelligenter Lösungen bei mehr oder weniger ausgeprägten Informations- und Wissensbeschränkungen der Akteure grundlegend von Optimierungswissen, das die mikroökonomische Standardtheorie bereit stellt.
Dazu kommt, dass das ebenfalls in der akademischen Ausbildung bereitzustellende Orientierungswissen immer weniger in Form von in sich geschlossenen fachspezifischen Aktivitäten erbracht werden kann, sondern der disziplinübergreifenden Anschlussfähigkeit bedarf. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass das im Falle der Mikroökonomik besonders ausgeprägte Spannungsverhältnis zwischen der fachinternen Paradigmen- und Pfadverfestigung einerseits und den pragmatischen Ausbildungsanforderungen andererseits zu einer Protest- und Reformbewegung geführt hat.