Birger Priddat
"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie" · Band 13
471 Seiten · 39,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-034-3
(Dezember 1998)
Beschreibung
Die deutsche Ökonomie des 18. und 19. Jahrhunderts ist wieder stärker ins Licht der Forschung geraten, allerdings nur die historische Schule des späten 19. Jahrhunderts. Die Eigenständigkeit der gesamten deutschen Ökonomie - kein Sonderweg, aber eine eigene, stark institutionen-, rechts- und staatsökonomisch ausgeprägte Theorieform - ist heute kaum bekannt. An den geläufigeren Ökonomen - Rau, Roscher, List, Knies, Hildebrand, Wagner - sollen deren unbekanntere Theoriefiguren herausgestellt werden, an unbekannteren Autoren - Büsch, Schlettwein, Beckmann, Novalis, Soden, Mangoldt etc. - deren Herzstücke, die insgesamt den Tenor der deutschen Ökonomie genauer bestimmen lassen: ihre Produktivitätsphantasien, ihre Ordnungswünsche und ihre idealischen Basiskonzeptionen. In diesen eigenen Denkstil einzuführen, ist Ziel des vorliegenden Buchs.
Inhalt
dem Verlag bekannte Rezensionen (Auszüge)
"Es ist dem Autor gelungen, ein durchweg originelles Buch zusammenzustellen, auch wenn nicht alle Texte und Ansichten von gleichem Gewicht für die Theoriegeschichte sind. Priddat weist in der Einleitung auf Topoi hin, die es in anderen Theoriegeschichten nicht gibt und die folglich als Besonderheiten der deutschen Nationalökonomie anzusehen sind: Dies sind (1) das Spannungsverhältnis zwischen Staats- und Marktwirtschaft, (2) das Verhältnis von Ethik, Sittlichkeit und Wirtschaft, (3) die Kulturfrage in der Ökonomie, (4) die Theorie des allgemeinen Vermögens, (5) die Theorie der produktiven Kräfte und schließlich (6) die Analogie von Ökonomie und Poesie. Mit diesen Topoi sind 'tragende Denkfiguren' der zeitgenössischen Ökonomie umschrieben, ohne deren Kenntnis manche Motive des ökonomischen Denkens in Deutschland überhaupt nicht zu begreifen sind.
Dazu gehört auch die Bindung der Theorie an die jeweilige konkrete Realität. Im Unterschied zur Gegenwart, wo nur die abstrakte (formale) Theorie als echte Theorie gilt, wurde damals eine Einbettung der Theorie in die Umstände der Zeit angestrebt. Abstrakte Denker wie H. H. Gossen oder H. v. Thünen galten als Außenseiter und wurden erst später entdeckt und gewürdigt. Insgesamt enthält der Band 18 Kapitel. Lesenswert sind sie alle, auf einige aber soll besonders verwiesen werden. ..."
"... Es wird deutlich, dass Priddat in seinem Buch einen weiten Bogen spannt. Was zunächst wie ein Sammelsurium verschiedener Denkrichtungen anmutet, gewinnt erst durch die Lektüre des Buches Struktur. Bekannte und weniger bekannte Namen tauchen auf, die Einfluss auf die Nationalökonomie der vergangenen Jahrhunderte genommen haben und ihn, das darf nicht vergessen werden, bis heute zum Teil noch nehmen. ...
Priddat hat sich intensiv mit den Denkstilen der deutschen Nationalökonomie zweier Jahrhunderte auseinandergesetzt. Die historische Schule Wilhelm Roschers oder Karl Knies' wird ebenso beschrieben wie die theoretischen Ausführungen von Carl Mengers "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" von 1871, die Verteilungstheorie von Adolph Wagner und natürlich fehlen auch Gustav Schmollers Ideen nicht. Priddat belässt es nicht bei der Darstellung der deutschen Ökonomie. Er hat die Perspektive der 'berühmten' Ökonomen Englands, Frankreichs oder Italiens bereit, um einen Vergleich der Theorien zu ermöglichen. Das Resümee Priddats lautet denn auch: 'Die deutschen Nationalökonomen des 19. Jahrhunderts unterscheiden sich von der internationalen Umgebung ihrer Zeit nicht so sehr durch den Kern ihrer Ökonomie, sondern durch das erweiterte Koordinantensystem, innerhalb dessen sie die Ökonomie verorten' (S. 415). Der Titel des Buches bringt genau dies zum Ausdruck. Wer über den Tellerrand seiner eigenen Disziplin schauen will - und das sollte eigentlich jeder tun - sollte das Buch 'Produktive Kraft, sittliche Ordnung und geistige Macht' zur Hand nehmen."