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Wednesday, June 29, 2016
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Gerolf Hanke

Regionalisierung als Abkehr vom Fortschrittsdenken?

Zur Unvereinbarkeit von starker Nachhaltigkeit und klassischer Modernisierung

Ausgezeichnet mit dem Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie 2012

144 pages · 19.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1050-2 (December 2013)

 
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to download at the price of 16.24 EUR
 

Description

Dass Krisen zum Kapitalismus dazugehören, ja dass sie notwendig sind, um immer wieder neue Anpassungen des Systems zu ermöglichen, ist mittlerweile zur Binsenweisheit ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Theorie geworden. Aber gilt dies auch für die ökologische Krise, die sich unabhängig der medialen Aufmerksamkeitsschwankungen Jahr für Jahr bedrohlicher ausnimmt? Mit Klimawandel und Ressourcenverknappung stehen zusehends Probleme ins Haus, die grundsätzliche Fragen an das wirtschaftliche und kulturelle Modell westlicher Konsumgesellschaften aufwerfen. Und diese Frage bleiben nicht rhetorisch: mit dem sich abzeichnenden Ende der Ära billigen und leichtverfügbaren Erdöls ("Peak Oil") geht der sich globalisierenden Industriemoderne zusehends der Treibstoff aus. Der Steigerungslogik dieser auf Expansion ausgelegten Moderne und ihrem Verständnis von "Fortschritt", das wird immer deutlicher, sind Grenzen gesetzt, die wir entweder rechtzeitig zu akzeptieren und unseren Lebensstil entsprechend - by design - anzupassen haben; oder die wir alsbald und weitaus schmerzlicher - by desaster - aufgezeigt bekommen werden.

Als Designvorschlag bietet Gerolf Hanke die Orientierung auf eine stärker regional ausgerichtete Wirtschafts- und Lebensform an. Als deren Bausteine skizziert er Ernährungssouveränität, Energieautonomie, Währungsautonomie und die Selbstverwaltung von Allmendegütern. Plausibel zeigt er auf, dass der Umbau zu einer Regionalökonomie weniger mit technischen als mit sozialen Innovationen einhergeht; und dass solche Regionalisierungsprozesse nicht nur nötig sondern auch attraktiv genug sind, um die nicht-nachhaltigen Leitbilder von Fortschritt durch Steigerung und Expansion zu überwinden. Nicht aufgrund intellektueller Einsicht, sondern vermittels alltäglicher Praxis. Denn die gelebte weil notwendige Selbstbegrenzung in einer Regionalökonomie, die quantitative und qualitative Änderung des Konsumverhaltens, die Erfahrung gemeinschaftlicher Produktion und die neue Übersichtlichkeit ökonomischer und sozialer Strukturen ermöglichen die Lösung von den Denkstrukturen der Moderne.

known reviews by the publisher (abridgements)

Zeitschrift für Sozialökonomie, 184/185m April 2015, S. 71-72 (Peter Finke)  [ to top ]

"Bei diesem mit dem Kapp-Forschungspreis für ökologische Ökonomie ausgezeichneten Buch eines Soziologen geht es um etwas Grundlegendes und weit Reichendes: die Abkehr von zentralen Leitideen der Moderne. Diese muss dem Autor zufolge nicht nur die ökologischen Fakten wahrnehmen, sondern auch die Ausstattung und Bedürfnisse des Menschen selbst. Es ist diese weitrechende Perspektive, die Hankes Ansatz aus vielen anderen heraushebt. Regionalisierung thematisieren nicht wenige von ihnen, aber sein Buch hat die nötige Weite des Überblicks und begründet plausibel, warum hier die Lösung des Problems liegen könnte: durch die mutige Transdisziplinarität der gewählten Perspektive und die ebenfalls mutige Unterscheidung einer inneren von der äußeren Natur. Das moderne Fortschrittsdenken und das mit ihm verknüfte ausklärerische Emanzipationsideal geben die meisten ungern auf. Es hat uns freilich, wie der Autor überzeugend argumentiert, nicht nur (mit Kant zu sprechen) aus einer geistigen Unmündigkeit befreit, sondern auch - was oft übersehen wird - in neue Abhängigkeiten hineingeführt. Die verbreitete Illusion besteht darin, naturgegebene Grenzen zu ignorieren und damit in einen verhängnisvollen sozialen und ökonomischen Steigerungszwang hineinzugeraten."

Ländlicher Raum, 66. Jahrgang 1/2015, S. 47 ()  [ to top ]

"Zwei Gründe sieht Gerolf Hanke, weshalb das Fortschrittsdenken der klassischen Moderne auf Dauer nicht zu halten ist: ökologische und anthropologische Grenzen. Ressourcenvorkommen sind endlich, die Kapazität von Ökosystemen, Schadstoffe aufzunehmen, begrenzt; es ist aber auch der Mensch begrenzt darin, seinen ökonomischen Nutzen kontinuierlich zu maximieren. In dieser mit dem Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ausgezeichneten Arbeit zeigt der Autor in verständlicher Sprache mögliche Bausteine einer erdölunabhängigen Regionalökonomie. Dazu gehören Ernährungssouveränität, Energieautonomie, Währungsautonomie und die Selbstverwaltung von Allmendegütern. Es handelt sich um ein optimistisches Buch, in dem es um die Suche nach Wegen geht, die trotz der unvermeidbaren Selbstbeschränkungen attraktiv und vielfältig sind und die gerne gegangen werden."

Portal für Politikwissenschaft, veröffentlicht am 28.05.2014. ( Matthias Lemke)  [ to top ]

"Bietet eine stärker regional ausgerichtete Wirtschaftsweise im Sinne einer 'Deglobalisierung' (13) einen Ausweg aus dem Zwang zum permanenten Wachstum? Gerolf Hankes Ausführungen dazu basieren auf zwei Überlegungen. Erstens: Die Rohstoffe und die Aufnahmekapazität für Schadstoffe seien im geschlossenen System Erde begrenzt, was der permanenten Wachstumslogik kapitalistischen Denkens zuwiderlaufe. Zweitens: Auch die Innovations‑ und Selbstoptimierungsstrategien des Homo oeconomicus gelangten an Grenzen, ein Symptom sei etwa die Zunahme 'stressbedingter Krankheiten' (11). Die gegenwärtigen Krisen (Stichworte sind der Klimawandel und die Ressourcenverknappung) könnten angesichts dieser Diagnose als eine Art Katalysator wirken, so Hanke, um die bestehenden Denk‑ und Handlungslogiken schrittweise zu korrigieren: "Welche alten Leitbilder können wie transformiert oder durch zukunftsfähigere ersetzt werden?" (119) Hanke formuliert drei zentrale Ansätze: Zunächst gelte es, die Vorstellung von Steigerung durch Optimierung zu ersetzen. Anstelle eines permanenten Mehrhabenwollens müsse es gelingen, ein jeweils situationsgerechtes Bemühen um eine ausreichende Versorgung in den Vordergrund zu rücken. Auch am Emanzipationsideal der Aufklärung müsse gerüttelt werden. Es habe zwar, so Hanke, einige Innovationen, wie etwa Demokratisierung oder Säkularisierung, hervorgebracht. Jedoch sei es auch für die Vorstellung eines steuernden Eingreifens des Menschen in die Natur verantwortlich - also für ein Denken, das die gegenwärtige ökologische Krise erst ermöglicht habe. Angesichts einer solchen Andeutung lediglich davon zu sprechen, dass weiterer Diskussionsbedarf bestehe, und nicht weiter zu argumentieren, erscheint dann aber doch etwas schwach. Und schließlich gelte es, so der Autor weiter, die Fortschrittsideologie der Moderne, verstanden als linearen Aufstiegsprozess, zugunsten eines !Modells [der] Anpassung" (123) zu überwinden. Das wäre dann sehr nahe an dem berühmten Diktum Eduard Bernsteins, wonach ihm der Weg alles, das Ziel indes nichts bedeute. Der von Hanke einleitend artikulierte Optimismus, wonach die letzte Dekade aufgrund gehäuft auftretender ökologischer und sonstiger Krisen zu einem Umdenken geführt und "erhebliche Resonanz" (9) im politischen Diskurs wie auch im Bewusstsein der Menschen ausgelöst habe, dürfte indes an der Sachlage vorbeigehen. Dennoch ist ein akuter Rede‑ und Handlungsbedarf unbestreitbar."

P.S. 1/2014, S. (Hans Steiger)  [ to top ]

"Auf den ersten Blick hängen die zwei Fragen, die der Autor darin inhaltlich verknüpft, kaum zusammen: Es geht um die Erschütterungen unseres Fortschrittsdenkens sowie um die mögliche Bedeutung einer Regionalisierung der Wirtschaft für eine Umgestaltung unserer Gesellschaft. Theorie wird punktuell mit Praxis verbunden. Und vielleicht ist das genau, was wir brauchen. Wir müssen herausfinden, welche konkreten kleinen Schritte die grosse Transformation voranbringen könnten. ... Gewünscht ist nun nicht Stillstand. Obwohl das romantisch ländliche Cover den Verdacht wecken könnte, schwingt kaum Nostalgie mit. Hanke schlägt ganz im Sinne der richtig verstandenen Evolutionstheorie von Charles Darwin ein "Modell Anpassung" vor. Bei der Wahl der Wege lässt er vieles offen. Nur das "Weiter so!" fällt als Möglichkeit weg."


the author
Gerolf Hanke
Gerolf Hanke ist in den Vorständen der Vereinigung für Ökologische Ökonomie sowie des Fördervereins Wachstumswende e.V. tätig. Hanke hat bis 2012 in Freiburg im Breisgau Soziologie, Biologische Anthropologie und Europäische Ethnologie studiert. [more titles]
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